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Wurzelkranke Erdbeerpflanzen

April 2005 Überraschungen erleben wir jedes Jahr wieder. Bei Erdbeeren kann es vorkommen, dass sie im April oder Mai nicht ordentlich austreiben oder nach dem Austrieb nicht weiter wachsen. Diese Erscheinung kann verschiedene Ursachen haben. Abgesehen von Winterfrostschäden sind es Bodenpilze wie etwa Rote Wurzelfäule, Schwarze Wurzelfäule, Verticillium oder Rhizomfäule. Tierische Verursacher sind Larven verschiedener Rüsselkäfer oder Nematoden. Wie können wir feststellen, welche Ursache der Schaden hat?


Erdbeeren - Wurzeln durch Rüsselkäferlarven zerstört
© von Soosten
Zur Blütezeit bricht die Pflanze zusammen, weil die wasseraufnehmenden Wurzeln durch Rüsselkäferlarven zerstört sind.
Hierbei spielt bereits der Zeitpunkt des Auftretens der ersten Symptome eine Rolle. Wenn kurz nach dem Austrieb das Blattwerk nicht weiter wächst und einen bläulichen matten Schimmer bekommt, wird die Wasseraufnahme nicht intakt sein. Zieht man am Rhizom kräftig hoch und die Wurzel kommt aus dem Boden, so findet man Wurzeln, denen die Rinde abgefressen wurde. Dabei sind die braunen feinen Kotkrümel nicht zu übersehen. Oft sind bis ins Rhizom die Bohrgänge zu verfolgen. Die Übeltäter selbst liegen als hellrosa fußlose Larven dicht dabei. Im fortgeschrittenen Zustand sind sie in kleinen Erdhöhlen bei der Verpuppung und zeigen bereits die Flügelansätze. Hier handelt es sich um die Larven einer von mehreren Rüsselkäferarten, die in diesem Stadium kaum zu bestimmen sind. Diese unscheinbaren Tiere sind in ihrer Gefährlichkeit nicht zu unterschätzen, denn jedes Tier legt 200 bis 300 Eier, und da sie flugunfähig sind, geschieht das meist in unmittelbarer Nähe. Die Population baut sich sehr schnell auf und kann zu einem Chaos führen. Auch andere staudenartige Pflanzen kommen als Wirtspflanzen in Frage. Die Bekämpfung ist praktisch kaum möglich. Erdbeeren sollten zwei bis drei Jahre nicht in der unmittelbaren Umgebung angebaut werden.

nach obenWurzelfäulen und Nematoden

Erdbeeren - Schwarze Wurzelfäule
© von Soosten
Markanter Geruch und tote Wurzeln verraten die Schwarze Wurzelfäule.
Lässt sich die Erdbeerpflanze nicht mit den Wurzeln aus dem Boden heben, betrachten wir die dickeren Wurzeln genauer. Ist das Rindengewebe morsch und braun, besteht der Verdacht auf Schwarze Wurzelfäule. Bestätigen kann das unsere Nase: Diese Art Fäule hat einen charakteristischen Geruch, der so unangenehm ist wie die Fäule. Es handelt sich hier um einen Komplex mehrerer zusammenwirkender Faktoren, die in jedem Fall anders sein können. Ursache ist oft eine mangelnde Belüftung des Bodens, die die Haarwurzeln absterben lässt. Sekundär treten dann Schwächepilze dazu. Häufig sind auch wandernde Nematoden (Älchen) beteiligt, die die Eintrittspforten für Schadpilze schaffen. Eine gezielte Bekämpfung ist kaum möglich, auch nicht nötig, denn bei einer anderen Obst- oder Gemüseart wird nichts zu erkennen sein. Diese Erscheinung sollte aber den Hinweis auf eine verbesserte Bodenpflege geben.

Erdbeeren - Rote Wurzelfäule
© von Soosten
Charakteristisch für die Rote Wurzelfäule ist der rote Zentralzylinder (Bildmitte).
Ist das Rindengewebe in Ordnung, so sehe man sich die Spitzen der jungen noch nicht verzweigten Wurzeln an. Diese können besonders lang sein. Mit einem scharfen Messer schneide man sie lang durch. Wenn sich der dann sichtbar werdende Zentralzylinder, der Innenstrang der Wurzel, rötlich oder braun verfärbt hat, dann liegt hier ein Fall der gefürchteten Roten Wurzelfäule vor. Gefürchtet deswegen, weil die Pflanzen nicht mehr in der Lage sind, sich zu erholen. Schlimmer: Die Sporen dieses Pilzes bleiben etwa 15 Jahre keimfähig im Boden. Das heißt: So lange keine Erdbeeren auf dieser Fläche! Denn wenn reichlich Bodenfeuchtigkeit längere Zeit vorhanden ist, werden die darauf stehenden Erdbeerpflanzen infiziert. Befallene Pflanzen gehören in die Mülltonne!

Erdbeeren - Rhizomfäule an der Wurzel
© von Soosten
Typisch für die Rhizomfäule sind die schokoladenbraunen Nekrosen im Rhizom.
Wenn nun diese dünnen Wurzeln keine der Symptome erkennen lassen, schneiden wir das Rhizom vertikal durch. Sind dort schokoladenbraune, scharf abgegrenzte Zonen abgestorbenen Gewebes zu erkennen, dann handelt es sich um die Rhizomfäule. Sie ist nahe verwandt mit dem oben besprochenen Pilz, jedoch nicht ganz so problematisch. Für eine Infektion ist ebenfalls langanhaltender Niederschlag notwendig. Die Welkeerscheinungen treten meist zwischen Blüte und Ernte auf, anfänglich während intensiver Sonnenstrahlung. Dann ist die Verdunstung größer als die durch das Pilzmyzel verstopften Leitungsbahnen Wasser nachliefern können. Meistens tritt der Pilz nur sporadisch auf. Es gibt zwar chemische Bekämpfungsmittel, jedoch sind sie im Hausgarten nicht zugelassen.

Erdbeeren -  Verticilliumwelke
© von Soosten
Die Verticilliumwelke beginnt oft mit dem Welken der äußeren Blätter.
Sind diese Braunfärbungen nicht vorhanden, sondern nur eine ganz blasse Veränderung kranzartig parallel zur Rinde, dann wird es sich um die Welkekrankheit Verticillium handeln. Dieser Pilz kommt an mehreren anderen Pflanzen, auch an Obstgehölzen vor. Dort erkennt man ihn an sektoralen Absterbeerscheinungen im Holzkörper. Im Erwerbsanbau weiß man, dass bei Kartoffeln als Vorfrucht die Gefahr eines Befall besonders groß ist. Auch gegen diesen Pilz können wir kaum etwas tun. Er ist praktisch allgegenwärtig.

Erdbeeren -  nematodengeschädigte Wurzeln
© von Soosten
Das Bild nematodengeschädigter Wurzeln weicht von gesunden ab: wenige Feinwurzeln, Verdickungen und morsche Rinde sind kennzeichnend.
Die Symptome eines Nematodenbefalls weichen ein wenig von den zuvor beschriebenen ab. Selten kommt es zu einem Zusammenbruch der Pflanze, lediglich der Zustand der Pflanze ist schwächlich, die Blüten sehr klein und die Früchte oft notreif. Die Wurzeln machen einen "zerrupften" Eindruck, haben knorpelige Verdickungen, stellenweise sind die dickeren Teile braun, morsch und abgestorben. Diese Nematodenart kommt in allen Gartenböden vor, nur an einigen bevorzugten Pflanzenarten (Porree) verursacht sie wirtschaftliche Schäden. Wie bereits in einem früheren Heft beschrieben, bringt die Einsaat von Studentenblumen (Tagetes) sehr gute Erfolge. Es ist immer noch weit verbreitet, über Jahre hinaus die Ableger aus dem eigenen Bestand zu pflanzen. Dies mag in Einzelfällen vertretbar sein. Generell sollte doch nach dreimaligem Nachbau neues Pflanzgut aus anerkannten Vermehrungsbetrieben angeschafft werden, denn diese Bestände werden nach gesetzlicher Vorschrift unter der Leitung der Landwirtschaftskammern kontrolliert.

Verticilliumwelke bei Erdbeeren: Es beginnt oft mit dem Welken der äußeren Blätter.
Verticilliumwelke - Welkepilz mit zunehmender Bedeutung
Etwa in dieser Phase setzt die Bildung der Wurzelspitzen ein. Der richtige Moment zum Schneiden der Setzlinge.
Erbeeren selbst vermehren?
Fadenwürmer (Nematoden) treten nesterartig auf. Kranke Erdbeerpflanzen stehen neben gesunden. Eine Bodenkur mit Tagetes und bestimmten Sommerblumen löst das Problem auf Bio-Art.
Was ist los mit den Erdbeeren?

Schlagworte dieser Seite:

Erdbeere, Nematoden, Rhizomfäule, Rote Wurzelfäule, Rüsselkäfer, Schwarze Wurzelfäule, Welkekrankheit Verticillium

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