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Der Schnitt junger Pfirsichbäume

März 2005 Neben Apfel und Zwetschge hat auch der Pfirsich seinen Platz im Hausgarten. Mit moderner Baumform und einem gezielten Schnitt setzt der Ertrag im zweiten oder dritten Jahr ein. Voraussetzung allerdings ist ein geeigneter Standort und der Wille, bei Beginn des Austriebs eine Bekämpfung der Kräuselkrankheit durchzuführen.


Da der Pfirsich sehr früh blüht und austreibt, darf der Spätfrost keine Gefahr darstellen. Der Ertrag bei dieser Obstart hängt ganz wesentlich vom fachgerechten Schnitt ab. Dazu ein Blick auf die Winterknospen: Wir unterscheiden beim Pfirsich in Form und Zusammensetzung drei Knospenarten am einjährigen Holz. Kugelförmige oft mit einem weißen Flaum überzogene sind Blütenknospen, die zu gegebener Zeit blühen, aber nicht unbedingt fruchten. Am oberen Ende des Triebes haben sie eine spitze dreieckige Form. Aus ihnen kommen nur Blätter oder Triebe.

Pfirsich - einjähriger Trieb
© von Soosten
Kräftiger einjähriger Trieb mit drei "wahren" Fruchtknospen, die zur Fruchtbildung befähigt sind. Eine "wahre" Fruchtknopse besteht aus zwei Blütenknospen (rechts und links) und in der Mitte eine Triebknospe.
Bei sehr gut ernährten und dem Sonnenlicht ausgesetzten einjährigen Trieben finden wir eine Blatt- und eine oder an beiden Seiten je eine Blütenknospe. Sie sitzen meist in der Nähe der Triebbasis. Nur aus einer solchen Kombination können Früchte entstehen. Warum?

Nach der Befruchtung der Blüte sind zur Samenbildung nennenswerte Mengen Assimilationsprodukte notwendig. Der in unmittelbarer Nähe befindliche Austrieb produziert diese, und der junge Samenkern zieht sie – vermutlich hormongesteuert – an sich. Der fehlende Austrieb ließe die junge Frucht verhungern. Aus dieser Tatsache leiten wir zwei wichtige Erkenntnisse ab:

  • Da diese Knospenkombinationen nur an sehr kräftigen Ruten vorkommen, muss der Pflanze eine ordentliche Ernährung zuteil werden.
  • Andererseits benötigen wir viel Licht für die Assimilation. Daher stark auslichten!

Einjähriger Pfirsich-Baum
© von Soosten
Einjähriger Baum mit reichlichen vorzeitigen Seitentrieben. So sollte Pflanzware aussehen.
Nun zum Pflanzmaterial. Pfirsichbäume werden allgemein als Einjährige gehandelt, d. h. aus dem Veredlungsauge kommt ein Trieb mit (möglichst) vielen vorzeitigen Trieben. Dieser Trieb soll über der Veredlung mindestens einen Daumen dick und eine gesamte Länge von etwa 1,5 m haben. An der Wurzel wird vor der Pflanzung nur geschnitten, wenn Bruch- oder Quetschstellen vorhanden sind. Sonst passe man das Pflanzloch der Größe der Wurzel an.

Nach ordentlichem Antreten schneiden wir die untersten 50 bis 60 cm frei. Alle darüber liegenden Äste werden bis auf ein oder zwei gute Augen zurückgeschnitten. Die Spitze setzen wir auf einen guten Seitentrieb ab und kürzen auch diesen ein. Es entsteht ein ungewohntes Bild! Das hat seinen Grund: Der kräftige Rückschnitt auf wenige gute Augen verursacht einen ebenso kräftigen Austrieb, an dem wir bereits die oben erwähnten Knospenkombinationen erwarten können.

Junger Baum mit schwacher Reaktion auf den Anschnitt
© von Soosten
Junger Baum mit schwacher Reaktion auf den Anschnitt nach der Pflanzung.
Reaktion auf Pflanzenschnitt
© von Soosten
So reagieren gute Bäume auf den Pflanzschnitt. Links ein ungeschnittener, rechts ein geschnittener Baum im Jahr nach der Pflanzung.

nach obenSpindel oder Spalier?

Nun kommt die Entscheidung zur Baumform. In der Mehrzahl wird man sich für einen Spindelbusch oder, wenn am Haus oder Gerüst gepflanzt wurde, ein Spalier entscheiden.

Folgen wir gedanklich der Spindel. Am neu entstandenen Holz erkennen wir im unteren Teil mehrere beieinander stehende Blüten- und Blattknospen. Jeder der Seitentriebe wird unmittelbar über einer solchen Doppelknospe abgeschnitten. Von unten beginnend sollten die Triebe etwas länger gelassen werden, nach oben hin wird kürzer geschnitten. So soll der Baum oben etwas schmaler werden, es soll eine Pyramide entstehen. Triebe, die keine Blüten-Blattknospe haben, werden auf eine gesunde Blattknospe zurückgeschnitten. Sie treiben dann im folgenden Jahr wieder kräftig durch. Wenn Blühwetter und Ernährung es zulassen, dürften die ersten Früchte als Belohnung dieses nicht einfachen Schnittes zu ernten sein.

In den nächsten Jahren wird man nach dem selben Grundgedanken verfahren, jedoch kommt hinzu, dass die Spindel wegen des Lichtes nicht zu breit und zu dicht werden darf. Um das zu erreichen, sollte man bei einer Verzweigung stets nur einen Trieb stehen lassen und diesen einkürzen. Der Belichtung wegen müssen gelegentlich auch dickere Äste weichen. Für den Ertrag sind gute Ernährung und viel Licht entscheidend, Licht auch in Stammnähe, denn dort sollen sich die Knospen für die Verjüngung der Spindel bilden!

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Pfirsich, Pfirsichbaum, Pflanzenschnitt, Schnitt
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