Inhalt
Ihre Sucheingabe:

Sie befinden sich hier: Pflanzen > Obst > Archiv (2002 - 2005) > 2004 > Wenig bekannte Himbeerkrankheiten

Wenig bekannte Himbeerkrankheiten

Oktober 2004  




nach obenHimbeermosaik

Eines von vielen Erscheinungsbildern des Himbeermosaiks. Abhängig von der Virusart und der Sorte können die Flecken unterschiedlich ausgebildet sein.
Eines von vielen Erscheinungsbildern des Himbeermosaiks. Abhängig von der Virusart und der Sorte können die Flecken unterschiedlich ausgebildet sein.
Hinter diesem Begriff versteckt sich ein ganzer Komplex verschiedener Viren. So interessant wie er für den Fachmann ist, so unwichtig ist die Definition der einzelnen Faktoren für den Anbauer. Wichtiger ist es, klar zu erkennen, ob eine Viruserkrankung vorhanden ist oder ob die Farbveränderung im Blatt andere Ursachen hat. Typisch für diese Art der Erkrankung sind hellgrüne bis gelbliche Aufhellungen, die sowohl von Blattadern begrenzt sein können als auch unabhängig von ihnen enden. Bei stärkerem Auftreten kann es auch zum Absterben des Blattgrüns kommen.

Je nach Virus bzw. der Kombinationen mehrerer Virosen und der Sorte sind die Bilder sehr unterschiedlich. Die Folge des Befalls ist verringertes Rutenwachstum aufgrund geringerer Assimilationsleistung. Gesundung eines befallenen Bestandes ist nicht möglich. Eine Ausbreitung innerhalb des Bestandes geschieht meist durch saugende Insekten, innerhalb der Reihe oft durch die flügellosen Stadien der Blattläuse.

Fliegende Tiere können auch andere Standorte, auch Brombeeren infizieren. Aufgrund dieser Problematik ist es von besonderer Wichtigkeit, sauberes unverseuchtes Pflanzmaterial für die Neuerstellung zu benutzen. Dieses bekommt man in gut geführten Gartencentern. Beim Kauf sollte man auf die Herkunft der Pflanzen achten. Sie sollten aus einer überwachten Baumschule stammen (BdB). Zuverlässige Vermehrer erhalten virusfreies Ausgangsmaterial, das in speziellen Gewächshäusern vorvermehrt und dann erst ins Freiland gepflanzt wird. Diese sogenannten "Saranhäuser" sind mit einer insektendichten Gaze bezogen, sodass kein Zuflug geschehen kann.

Infrage kommen auch Pflanzen aus Gewebe(Meristem)Kulturen. Hier werden vor der Entnahme des Materials umfangreiche Untersuchungen vorgenommen und während der Kultur Kontrollen von den zuständigen Ämtern durchgeführt. Gewebevermehrte Pflanzen sind heute von sicherer Qualität.

Die Himbeerstauche in einem fortgeschrittenen Bestand. Die befallene Pflanze bringt keinen Ertrag und wird die Nachbarn infizieren.
Die Himbeerstauche in einem fortgeschrittenen Bestand. Die befallene Pflanze bringt keinen Ertrag und wird die Nachbarn infizieren.

nach obenHimbeerstauche

Die durch die Mykoplasmose veränderte Blütenknospe. Es ist das Erscheinungsbild am tragenden Holz.
Die durch die Mykoplasmose veränderte Blütenknospe. Es ist das Erscheinungsbild am tragenden Holz.
Die Himbeer- oder Brombeerstauche wird durch Zikaden übertragen. Hier handelt es sich um eine Mykoplasmose. Das Schadbild ist klarer zu erkennen: Im Jahr nach der Pflanzung bleiben die Jungruten weit unter der normalen Länge zurück. In den Folgejahren entstehen nur ganz kurze Triebe, die einem buschigen Zwergwuchs ähneln. An den noch vorhandenen "normalen" Ruten stellt man Veränderungen fest: aus der jungen Frucht treiben neue grüne Blätter durch. Oder anstatt einer Blüte findet man kleine Laubblätter. Es sind vergrünende Blütenblätter. Dem Bestand fehlen also die Früchte.

Die Bekämpfungsmöglichkeiten sind gering. Als hauptsächliche Flugzeit der übertragenden Zikade wird der Mai angegeben. Aber gerade dann ist die Blütezeit, sodass an den Einsatz von Insektiziden außer Pyrethrumprodukten nicht zu denken ist. Darum gilt auch hier: Pflanzgut nur aus sicherer Quelle.

nach obenWurzelkropf

Das Wuchergewebe an den Ruten der Himbeere. Viele Ruten fallen einem Sekundärbefall durch Pilze, z. B. Fusarium, zum Opfer.
Das Wuchergewebe an den Ruten der Himbeere. Viele Ruten fallen einem Sekundärbefall durch Pilze, z. B. Fusarium, zum Opfer.
Zu den bakteriellen Krankheiten gehört der Wurzelkropf. Er kommt an vielen Gehölzen vor und ist keineswegs obstspezifisch. Bei anderen Pflanzen bildet er dicke bis kindskopfgroße Geschwülste an den Wurzeln, die nach einigen Jahren zerfallen. Den Bäumen sieht man oft nichts an. Nur bei der Himbeere und der Brombeere macht der Erreger Ausnahmen: Bei nassem Wetter während der Zeit, in der die Ruten wachsen, werden durch Tropfwasser und Insekten Bakterien aus dem Bodenraum an die noch grünen Ruten gebracht. Durch die weiche Rinde eingedrungen, veranlassen sie die Pflanze zu tumorartigen Wucherungen, was der Pflanze selten schadet. Aber sekundär dringen Pilze, wie z. B. das gefährliche allgegenwärtige Fusarium ein. Dieser Pilz verstopft die Leitungsbahnen und bringt die Rute oft zum Absterben. Als vorbeugende Maßnahme kann man nur auf weiten Abstand der Ruten achten, um schnelles Abtrocknen zu erreichen.

nach obenKrümelfrüchtigkeit

Weitaus schwieriger zeigt sich die Situation bei der Krümelfrüchtligkeit. Es sind bisher weder Schaderreger gefunden worden noch kann man das Erscheinungsbild an der Vermehrungsart (konventionell oder meristemvermehrt) festmachen. Das zeigten aufwendige Versuche in Baden-Württemberg. Im weiteren versuchte man, Standort- und Klimafaktoren in die Versuche einzubeziehen. Endgültige Ergebnisse sind noch nicht bekannt.

Die Symptome sind einfach zu beschreiben: Die Früchte sind kleiner, d. h. sie bestehen aus weniger Steinfrüchtchen. Die einzelnen Früchtchen sind vergrößert, aber die Anzahl ist wesentlich geringer. Beim Ablösen vom Zapfen zerfällt die "Beere" in einzelne Früchtchen. Daher rührt der Name. Diese kleinen Beeren können sowohl einzeln verteilt im Bestand als auch konzentriert auf einer Rute vorkommen. Der Ertragsverlust kann bis zu 45 Prozent betragen.

Ein Zusammenspiel mit anderen Virosen scheint nicht die Ursache zu sein. Bei kombiniertem Auftreten verstärkt sich der Ausfall. Bisher scheint die Krümelfrüchtigkeit in den wärmeren Teilen unseres Landes verbreitet zu sein. Aufgrund der umfangreichen Wissenslücken gibt es noch keine konkreten Bekämpfungsmaßnahmen.

Bodennahes Stück der Himbeerrute mit Wurzelkropfbefall, entstanden innerhalb eines Jahres.
Wurzelkropf
Knöllchenartige Wucherungen an einer Himbeerrute, verursacht durch das Bakterium Agrobacterium tumefaciens, dem Erreger des Wurzelkropfs an den Wurzeln der Obstgehölze.
Wurzelkropf an mehreren Obstarten
Alle früh blühenden Zwiebelblumen (wie die Krokusse) sind auf einen erneuten Wintereinbruch eingestellt.
Grüne Tipps im Februar

Schlagworte dieser Seite:

Himbeere, Himbeermosaik, Himbeerstauche, Krümelfrüchtigkeit, Wurzelkropf

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um alle Artikel mit diesem Schlagwort anzuzeigen.

Bitte melden Sie den Kommentar nur, wenn er andere Menschen beleidigt, beschimpft oder diskriminiert, oder Äußerungen enthält, die Gesetze verletzen (beispielsweise zu einer Straftat aufrufen).

Diesen Artikel kommentieren (0)

Ihr Kommentar


Datenschutz | Impressum | Kontakt
Die Website enthält Bilder von www.pixelio.de

Familienheim und Garten Verlagsgesellschaft mbH

Copyright

Familienheim und Garten
Verlagsgesellschaft mbH
Bonn, 2019

Entwicklung/Realisierung

MultimedaConcept, Bonn
Kennedyalle 17, 53175 Bonn
office@mmcm.de
www.mmcm.de