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Gründüngung und Mulch im Nutz- und Ziergarten (I)

Bei Erdbeerbeeten hat sich als Mulchschicht Stroh oder Holzwolle bewährt. So liegen die Früchte trocken und verschmutzen nicht. Auf das Unkrautjäten und die Bodenbearbeitung kann verzichtet werden.
Bei Erdbeerbeeten hat sich als Mulchschicht Stroh oder Holzwolle bewährt. So liegen die Früchte trocken und verschmutzen nicht. Auf das Unkrautjäten und die Bodenbearbeitung kann verzichtet werden.

September 2004 Viele Gartenbesitzer lehnen das Mulchen oder die Aussaat von Gründüngungspflanzen in ihren Gärten ab, weil diese Begriffe mit vielen Vorurteilen verbunden sind. Oft sind die Gartenbesitzer der Meinung, dass diese Maßnahmen nur für Nutzgärten geeignet sind und in Ziergärten auf keinen Fall umsetzbar wären. Andere argumentieren mit dem unordentlichen bzw. ungepflegten Aussehen des Gartens, wenn gemulcht oder Gründüngung angebaut wird. Deshalb soll an dieser Stelle mit diesen Vorurteilen aufgeräumt und über die Vorteile und Wichtigkeit dieser Maßnahmen gesprochen werden.


Beginnen wir mit der Frage: "Was ist Boden und welche Funktionen hat er?" Dabei fällt uns als erstes der Begriff Standort für unsere Pflanzen ein. Hier wurzeln sie hinein und finden den nötigen Halt und ihre Standfestigkeit. Der vorhandene Wasser- und Nährstoffvorrat des Bodens sichert zudem ein entsprechendes Wachstum und die Entwicklung unserer Pflanzen. Doch was meistens beim Umgang mit dem Boden vergessen wird, ist die Tatsache, dass es sich hier um einen Lebensraum handelt. Boden besteht also nicht nur aus den mineralischen Bestandteilen (Verwitterungsreste von Gesteinen; angewehte oder angeschwemmte Stoffe), den organischen Stoffen (abgestorbene Pflanzenteile, Humusstoffe, tierische Überreste, Exkremente, Pflanzenwurzeln), sondern auch aus den im Boden lebenden Organismen. Dieses Bodenleben setzt sich aus einer riesigen Anzahl verschiedener tierischer (Bodenfauna) und pflanzlicher Organismen (Bodenflora) zusammen. Teils sind sie mit dem bloßen Auge sichtbar, doch zum überwiegenden Teil mikroskopisch klein.

Wir finden in der Bodenflora und Bodenfauna die unterschiedlichsten Organismengruppen. Die einen zersetzen organische Substanzen (Reduzenten), andere bauen die entstandenen Stoffe um oder bauen daraus neue Stoffe auf (Produzenten). Manche leben in direktem Einklang mit vielen unserer Pflanzen (Symbionten) wie z. B. die sog. Knöllchenbakterien unserer Lippenblütler (Klee, Bohne usw.), andere sorgen für das Zusammenwirken der Bodenorganismen untereinander oder für das Zusammenwirken von Pflanze und Bodenorganismen zueinander (Synergisten). Nicht vergessen dürfen wir die natürlichen Gegenspieler (Antagonisten), die dafür sorgen, dass keine Population überhand nimmt und somit unsere Pflanzen von vielen Schadorganismen verschont bleiben. Alle diese Organismen arbeiten am Um- und Aufbau organischer Substanzen mit und steuern auf diese Weise die Stoffwechselprozesse im Boden und die zwischen Pflanze und Boden.

Betrachten wir nun den Nährstoffkreislauf Boden-Pflanze-Boden. Unsere Pflanzen entziehen dem Boden die im Bodenwasser gelösten Nährstoffe und bauen damit körpereigene Substanzen (Blätter, Zweige, Nadeln, Früchte, usw.) auf. Sie geben aber auch eigene Stoffwechselprodukte über die Wurzeln an den Boden ab. Im Laufe des Jahres bilden abgestorbene Pflanzenteile (Blätter, Zweige, Nadeln, Früchte, usw.) eine Mulchschicht, die den Boden vor Austrocknung, Verschlämmung und Erosion bewahrt. Außerdem sind die Bodenorganismen so vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt und bis an die Bodenoberkante aktiv. Ein Teil der Bodenorganismen zerkleinert und zersetzt die organische Masse zu wertvollen Humusstoffen. Wieder andere Organismen bauen diese Humusstoffe in Ton-Humus-Komplexe um. Bei jedem Abbau- und Umbauprozess werden Nähstoffe frei, die dann im Bodenwasser gelöst sind und den Pflanzen wieder zur Verfügung stehen. So schließt sich der Nährstoffkreislauf. Wir sehen also, dass jede organische Substanz, die dem Boden zugeführt wird, gleichzeitig die Bodenstruktur erhält, die Nährstoffversorgung der Pflanzen sichert und die Anreicherung des Bodens mit Humusstoffen bedeutet.

Die Natur zeigt uns, wie wichtig eine Bedeckung des Bodens zum Schutze der Organismen und der Bodenkrume gegen Austrocknung und Erosion ist. Egal, ob der Bodenschutz durch eine Mulchschicht oder durch Bewuchs erfolgt, da auch einjährige, krautige Pflanzen den Boden beschatten und ihre Wurzeln ihn vor Erosion schützen.

nach obenGründüngung

Der Begriff Gründüngung wird für Pflanzen verwendet, die speziell zu Düngezwecken angebaut werden. Das sind Pflanzenarten, die sich durch bestimmte Eigenschaften auszeichnen. Wir kennen Pflanzen, die viel Blatt- und/oder viel Wurzelmasse bilden, recht tief in den Boden einwurzeln, in Symbiose mit stickstoffbindenden Knöllchenbakterien leben, gegen Nematoden wirken, den Boden entgiften.

Neben dem positiven Effekt, dass man durch den Anbau von Gründüngung die Fruchtfolgeabstände vergrößert und einen regelmäßigen Fruchtwechsel erreicht, sind noch weitere Eigenschaften besonders hervorzuheben.

So sorgen Gründüngungspflanzen mit ihren Wurzeln für eine tiefreichende Bodenlockerung und holen bereits ausgewaschene Nährstoffe (Nährstoff-Recycling) zurück. Außerdem verbrauchen sie abgelagerte Stoffwechselprodukte (Bodenentgiftung), die von unseren Kulturpflanzen über deren Wurzeln an den Boden abgegeben wurden.

Die produzierte Wurzel- und Blattmasse der Pflanzen reichert den Boden mit organischen Substanzen an und liefert so das Ausgangsprodukt für die wertvollen Humus- und Ton-Humus-Komplexe im Boden.

Johannes Treiling
Gartenfachberater des Siedlerbundes Westfalen-Lippe

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Schlagworte dieser Seite:

Boden, Bodenfauna, Bodenflora, Gründüngung, Mulch

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