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Pflanzen auf Insektenjagd − Vom Sonnentau bis zur Kannenpflanze

September 2004 Bei der Themenstellung fragt man sich unwillkürlich, ist es nicht ein Widerspruch im Pflanzenleben. Von wenigen Ausnahmen abgesehen bewohnen die Pflanzen den Boden und sind nicht in der Lage ihren Standort aufzugeben. Mit dem arteigenen Tierfang ist jedoch keine Platzveränderung verbunden, denn ihre Fangvorrichtungen sind so überlegt und zielbewusst angelegt, dass sie allen Anforderungen gerecht werden. Versetzt sich der Betrachter in die Lebensweise der Pflanze selbst, so wird ihm verständlich, dass es sich nicht nur um ein Ergreifen eines Tieres handelt, sondern um eine zusätzliche Ernährungsquelle. Zur Ausübung ihrer Tätigkeit bedient sich die Pflanzengruppe unerschöpflicher Vorrichtungen vom Anlocken und Festhalten des Objekts bis zum komplizierten Verdauungsvorgang.


nach obenBezeichnung der Pflanzengruppe

Die vorgestellten speziellen Arten werden allgemein unter dem nicht völlig korrekten Namen "fleischfressende Pflanzen" geführt, was zunächst verständlich klingt. Der wissenschaftliche ist "tierfangende Pflanzen" (Carnivoren = carnis = Fleisch, auch Insektivoren genannt). 1875 waren erwähnte Namen unter dem bekannten englischen Naturforscher Charles Darwin (1809 bis 1882) schon ein Begriff.

nach obenLebensräume

Die offerierten Pflanzen sind standortmäßig unterschiedlicher Herkunft. Teils bewohnen sie Gebiete mit einem unzureichenden Nährstoffangebot wie Hoch- oder Flachmoore. Was Ihnen nahrungsmäßig vor allem fehlt ist die erforderliche geringe Gabe an Stickstoff und Phosphor. Ersatz für diese Substanzen erhalten die Insektenfänger durch die vielfältigen Fangvorrichtungen.

nach obenUnterschiedliche Nahrungsaufnahme

Das Leben der Insektenfänger, wie das des Sonnentaus (Drosera), verläuft innerhalb der Vegetationsperiode auf stickstoffarmen Böden. Zur Aufnahme des wichtigen Eiweiß sind die Pflanzen an tierische Nahrung gebunden. Sie sind infolgedessen durch wohlausgestattete Einrichtungen in der Lage, durch Ausscheidungen von Enzymen (organische Stoffe) zum Zersetzen des Tierkörpers. Nur der Chitinpanzer der Beute bleibt übrig. Der Fang erfolgt durch Klebdrüsen, Klapp- und Schlauchfallen.

nach obenBeispiele charakteristischer Arten

Sonnentau (Drosera rotundifolia)

Königs-Sonnentau (Drosera regia)
Königs-Sonnentau (Drosera regia)
Im Biologieunterricht früherer Zeit und auch heutzutage wird der Sonnentau (Drosera rotundifolia) als insektenverdauende Pflanze zur Demonstration vorgestellt. Da die Pflanze nährstoffarme Moorböden bewohnt, ist sie auf nährstoffreiche Nahrung angewiesen. Wer Heidegebiete kennt wird festgestellt haben, dass nach längerem Suchen plötzlich rötliche Blattrosetten sichtbar werden. Bedeckt sind sie mit wimperartigen Haaren und zur Blütenzeit mit spannlangen Blütenschäften. Beim Anflug und Berühren des Insekts krümmen sich die Fang- und Verdauungsorgane (Tentakeln) und halten den Fremdkörper fest. Ein ausscheidendes Sekret zersetzt den Eindringling. Somit ist die Pflanze mit tierischer Kost "gefüttert".

Die weitverbreitete Pflanzenfamilie der Sonnentaugewächse (Droseraceae) ist außer in Europa mit 85 Arten in der Südhemisphäre verbreitet, wie Afrika, Amerika, Australien und Ostasien.

Die beim Fang geneigten Tentakeln richten sich erst nach der Verdauung der tierischen Nahrung wieder auf. Die Reizbarkeit durch den Eindringling kann aber auch durch einen mechanischen Gegenstand (Bleistiftspitze, Strohhalm) ausgelöst werden.

Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula)

Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula)
Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula)
Gefunden wurde sie in der Mitte des 18. Jhr. in den Waldsümpfen Nordamerikas (Florida). Unter allen Carnivoren wurde sie wegen ihrer auffälligen Fangarme von Darwin als die "wunderbarste" bezeichnet. Wegen ihrer Einmaligkeit, Apartheid und Schönheit wird sie mit der römischen Göttin Venus verglichen.

Verwandt mit dem Sonnentau gehört sie zur Gruppe der Insektenfänger mit Klappfallen. Die keilförmig gestellten Blätter sind mit spitzen Zähnen versehen und mit feinen Drüsen besetzt. Bei der geringsten Berührung durch das Insekt schließen sich die Fangklappen. Die Verdauung erfolgt wie beim erwähnten Sonnentau.

Kannenpflanzen (Nepenthes)

Kannenpflanzen (<em>Nepenthes</em>)
Kannenpflanzen (Nepenthes)
Zwergkrug (Cephalotaceae)
Zwergkrug (Cephalotaceae)
Heliamphora Giant
Heliamphora Giant
Zu weiteren Insektenfängern gehören noch die Kannen- oder Schlauchpflanzen, die in den feucht-warmen Gebieten des tropischen Asiens zu Hause sind. Die teils bodenständigen Arten, teils baumbewohnenden Vertreter haben ein recht ausgeprägtes Aussehen. Schon Goethe beschäftigte sich mit den Formen und stellte fest, dass die Kannenbildung ein umgewandeltes Blatt darstellt und die Funktion der Atmung und Assimilation ausübt.

Angelockt durch die Rotfärbung der Kannen wird das Insekt an den Kannenrand geleitet und gelangt in das Innere, wo das Tier durch Ameisensäure zersetzt wird. Der Verdauungsprozess wiederholt sich wie bei den vorgestellten Charakterpflanzen.

Taublatt (Drosophyllum lusitanicum)

Taublatt (Drosophyllum lusitanicum)
Taublatt (Drosophyllum lusitanicum)
Die gleichfalls insektenfangende Wildpflanze Marokkos und Spaniens ist dem Sonnentau gewissermaßen ähnlich, hat aber keine beweglichen Fangarme. Die Insekten werden von der Klebkraft der Drüsen gehalten, aber nicht zersetzt. In der Heimat werden sie als "Fliegenfänger" benutzt und im Zimmer gehalten.

Schlauchpflanzen (Sarracenia)

Schlauchpflanze (Sarracenia)
Schlauchpflanze (Sarracenia)
Es gibt Schlauchpflanzen, die ihre Fallen senkrecht aufstellen, aber auch solche, die sie auf der horizontalen Ebene wachsen lassen. Fast alle Arten haben einen Deckel über der Schlauchöffnung. Der soll der Pflanze vor Regen Schutz bieten.

Die Insekten werden von Form und Farbe sowie vom Honig der Pflanzen angelockt und werden zur Schlauchöffnung geführt. Alle Sarracenien besitzen eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Flügelleiste, an der Insekten hinaufkrabbeln können. Wenn sie an der Fallenmündung angekommen sind, werden sie von abwärts gerichteten Haaren ins Innere geleitet oder sie rutschen an der glatten Schlauchmündung hinein. Die Innenwände der Schläuche sind so glatt, dass es kein Entrinnen gibt.

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In­sek­ti­vo­re, Kannenpflanzen, Kar­ni­vo­re, Schlauchpflanzen, Sonnentau, Taublatt, Venusfliegenfalle

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