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Wo ist der Birnengitterrost geblieben?

Juni 2004 Unter einer Epidemie versteht man eine Krankheit, die zeitlich begrenzt gehäuft auftritt. Solche Erscheinungen kennen wir aus der Geschichte und vielleicht auch aus dem eigenen Leben. Beim Birnengitterrost scheint so etwas ähnliches vorzuliegen.


Auch Früchte können befallen werden. Bei frühem Befall verkrüppeln sie und werden damit wertlos.
Auch Früchte können befallen werden. Bei frühem Befall verkrüppeln sie und werden damit wertlos.
Birnenrost auf dem Blatt, aufgenommen Anfang September
Birnenrost auf dem Blatt, aufgenommen Anfang September
Bis vor etwa zehn Jahren kannten die meisten Obstbauern diese Krankheit nur aus den Lehrbüchern. Dann plötzlich war er da, aus ganz Mitteleuropa kamen die Nachrichten. Im August oder September standen Birnenbäume mit rotbraunem Laub in den Gärten. Bei einigen Sorten wurden auch verformte Früchte mit den typischen Pusteln gefunden. Mittlerweile ist der Höhepunkt überschritten. Noch findet man befallene Blätter, aber der Schrecken ist vorbei.

Das Besondere dieses Pilzes ist der "obligatorische Wirtswechsel": Die auf den Birnen entstehenden Sporen können als nächstes nur bestimmte Wacholderarten infizieren. Hier verursacht der Pilz an den dickeren Ästen ein weiches, wucherndes Gewebe, aus dem, wenn es aufplatzt, Sporen erscheinen, die ihrerseits nur Birnenblätter befallen können. Der heimische Wacholder scheint als Wirt nicht infrage zu kommen, aber eine Reihe anderer, die als Ziersträucher in Vorgärten verbreitet sind.

Nach der Infektion eines Birnenblattes entstehen auf seiner Oberseite orangerote, warzige Flecken, die mit einer klebrigen Masse eine Sporenform ausscheiden. Bienen und andere Insekten übertragen diese auf andere Befallsstellen. So vereinigt sich Myzelgewebe unterschiedlicher Herkunft. Das wiederum ist die Voraussetzung für die nächste Phase in der Entwicklung: Das Pilzgewebe bricht auf die Unterseite des Blattes durch und nach einigen Wochen entstehen dort gestielte orangerote Pusteln. Aus ihnen wird eine andere Sporenart abgeschieden, die wiederum in der Lage ist, einen Wacholder zu infizieren. Dieser Wirtswechsel hat in der Vergangenheit mehrfach zu Ärger zwischen Gartenbesitzern geführt, denn die Beseitigung anfälliger Wacholderarten zählt zu den wirksamsten Bekämpfungsmaßnahmen.

Unter den Schädlingen gibt es ein weiteres Beispiel: Vor etwa zehn Jahren trat vereinzelt die Apfelblattgallmücke auf. In nur etwa drei Jahren war sie überall zu finden und verschwand so still, wie sie kam. Mögen sich die Biologen weiter mit diesem sicherlich interessanten Problem befassen. Wir Gärtner können nur hoffen, wieder ein paar Jahre Ruhe vor dem Birnengitterrost zu haben.

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Birnenbaum, Birnengitterrost, Wacholder

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