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Ein Blick in Nachbars Garten: Griechenland

Garten auf Karpathos
Garten auf Karpathos

Juni 2004 Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen einem mitteleuropäischen und einem südeuropäischen Garten? Wenn man als Gärtner gern reist, macht man sich zwangsläufig Gedanken über die Gärten anderer Regionen.


Auberginenplantage
Auberginenplantage
Im Windschutz der Häuser, besonders dort, wo der Grundwasserspiegel nicht weit weg ist, wachsen Bananen zu riesigen Exemplaren heran und dienen als Schattenspender.
Im Windschutz der Häuser, besonders dort, wo der Grundwasserspiegel nicht weit weg ist, wachsen Bananen zu riesigen Exemplaren heran und dienen als Schattenspender.
So begeistern uns die blühenden Kartoffeln, wenn wir Anfang Mai nach Samos kommen. Zuhause denken wir dann gerade an das Legen der Frühsorten. Die verschiedenen Salate stehen fast schnittfertig. Um diese Frühzeitigkeit und die Wärme beneiden wir die Südländer. Denn damit ist ja auch eine lange Herbstsaison verbunden. Im Oktober stehen frisch gepflanzter Broccoli und Weißkohl auf derselben Fläche, eingerahmt von hüfthohen Auberginen mit handtellergroßen Früchten. Paprika leuchtet in allen Farben, kleine kirschförmige zur Zierde gepflanzt, große rote für die Küche. Aus dem Granatapfelbaum schimmern die letzten vor Reife geplatzten Früchte, umsummt von dicken Hornissen die von dem Saft naschen. Über allem liegt der typische Duft der Oliven. Hinter der nächsten Ecke strömt uns unverkennbares Aroma der Feigenbäume entgegen.

Auf einem längeren Spaziergang auf Kreta trafen wir auf einen älteren Herrn, der in seinem Garten Artischocken und Knoblauch für das bevorstehende Osterfest schnitt. In fließendem Deutsch sprach er uns an, zeigte uns mit einem gewissen Stolz seinen Garten, seine Reben und die Blumen, die seine Frau pflegte. Es blühten gerade die für das Mittelmeer so charakteristischen hellblauen Schwertlilien. Nach ausgiebigem Plaudern im Schatten der Oliven lud er uns in seinen uralten hellblauen Opel Olympia ein – er hatte zu der Zeit, als dieser gebaut wurde, in Rüsselsheim gearbeitet und fuhr ins Dorf hinunter. Kaffeetrinken, Abendessen, Besuch bei den Kindern und abends nach zehn Uhr wurde die Frage diskutiert, mit wie viel selbstgemachtem Wein man auf Kreta noch Autofahren dürfe. Auf einen wunderschönen Tag folgte eine nicht eben geruhsame Nacht.

nach obenFreizeitgärtner verstehen sich

Der prall gefüllte Korb reifer Feigen.
Der prall gefüllte Korb reifer Feigen.
In der Nähe eines hochgelegenen quellenreichen Dorfes auf Karpathos folgten wir einem schmalen Pfad. Aus einer kleinen Gartenpforte trat eine alte Frau heraus. In beiden Händen trug sie einen selbstgeflochtenen Korb, voll gehäuft mit frisch gepflückten Feigen. Ein freundliches Lächeln unterstrich ihren Stolz. Wir kein Griechisch – sie nur Griechisch, mit Gestik, Mimik und einfacher Körpersprache lud sie uns ein, die Feigen zu probieren, nachdem sie mit sicherem Blick die wohl besten herausgesucht hatte. Dann wies sie auf die weit über den Weg hängenden Feigenbäume, zeigte die Unterschiede in der Form und Größe der Früchte und die Reifezeit bis wir uns nicht ohne eine Foto von ihr wortreich – ohne uns zu verstehen – verabschiedeten.

Auf Samos gibt es eine kleine Ortschaft, die für ihre Orangen bekannt ist. Auf dem Rückweg eines Ganges fielen uns die üppigen Orangenbäume in einem Garten auf. Unter ihnen döste eine Schar glücklicher, weil freilaufender Hühner. Am Eingang zum Grundstück lud man Säcke mit Oliven ab. Verbale Kommunikation war nicht möglich, so versuchten wir den Leuten unseren Wunsch, Orangen kaufen zu wollen, durch Zeichen klarzumachen. Einer von ihnen schien uns zu verstehen, denn er wollte augenscheinlich meinen Anorak haben, den ich um die Hüfte gebunden trug. Es schien eine Ewigkeit zu dauern bis der Mann wiederkam. Er trug den Anorak zu einem riesigen Beutel zusammengebunden, prall gefüllt mit vollreifen Apfelsinen. Auf die Frage, was wir zu bezahlen hätten, folgte nur ein stolzes Lächeln und der Abschiedsgruß "Jassu". Selten haben uns Orangen so gut geschmeckt wie diese.

Auf dem schmalen, gebirgigen Weg von Manolates nach Vourliotes begegnete uns, auf einem Maultier sitzend, ein älterer Herr. Rechts und links von ihm hing je ein großer Korb. Hinter ihm ein riesiges Bündel mit belaubten Ästen, die seitlich weit über das Tier herausragten: Futter für das Maultier. Er selbst hatte das letzte Ende einer selbstgedrehten Zigarette im Mund und einen Stock in der Hand, mit dem er ständig, scheinbar im Takt des Schrittes, leicht auf das Tier einhieb. Die Körbe quollen über von Früchten und Gemüse, augenscheinlich die Ernte des Tages. Neben gelbgrünen Melonen wippten die feinfiedrigen Blätter des Fenchels und ein dickes Bündel großer grüner uns unbekannter Blätter. Der Versuch, ihn zu einem Gespräch anzuhalten misslang. Auf die Frage ob es der rechte Weg nach Vourliotes sein, sagte er nur: "Autobahn immer geradeaus!"

nach obenTiere gehören dazu

Ganz häufig haben wir die älteren Leute morgens in den Garten gehen sehen, weniger zum arbeiten, sondern vielmehr um die Hühner und auch die Ziege mit Futter und Wasser zu versorgen. Die Gärten um die Dörfer haben eine andere Struktur als wir sie kennen. Fast überall haben irgendwelche Tiere ihren Platz. Hühner werden in meist sehr ärmlichen aber geräumigen Volieren gehalten, geschützt vor den vielen streunenden Hunden und Katzen. Die Ziege, die ja eine besondere Rolle in der Entstehung der jetzigen Mittelmeervegetation hat, wird noch heute in größeren Gärten oft an einem Strick gehalten. Selbst Maultier und Esel findet man in den Gärten, nämlich dann, wenn zur Familie ein manchmal weit abgelegener Rebgarten gehört. Auf alles passt der Hund auf, eine bedauernswerte Kreatur, die ein fürchterliches Gebell veranstaltet, wenn der vorbeigehende Wanderer einen anderen Duft in seine Nase bringt.

Im Gegensatz zu uns spielt hier traditionell das Tier eine größere Rolle. Entsprechend teilt sich auch der Gartenraum anders auf. Vorn sind Hühner und Ziege, hinten der Mensch. Gemüseflächen sind zwar gut vorbereitet, jedenfalls soweit es der meist steinige Boden zulässt. Gepflanzt wird aber oft mehr nach den Bedürfnissen der Pflanze: Die einen mehr in den Schatten, die durstigen in die Nähe der Wasserquelle. Die korrekten geraden Reihen muss man suchen, wichtiger scheint es zu sein, möglichst viele Früchte und Blumen zu produzieren. Denn der Garten ist heute noch eine zusätzliche Sicherung des Lebensunterhaltes wie sie dem Gedanken der Kleinsiedlung zugrunde liegt und weniger eine Freizeitgestaltung. Das wurde uns erst richtig deutlich, als wir in einer langen Schlange vor der Post Zeuge von der Rentenhöhe wurden.

Kommen wir zurück auf die anfangs gestellte Frage, so könnte man zu dem Schluss kommen, dass bei uns der Mensch für seinen Garten da ist, während im Süden eher der Garten dem Menschen dient.

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