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"Apfelsorten-Reise" durch die letzten Jahrzehnte

Februar 2004  


Nach Ende des Krieges begann sich die Struktur des Obstbaus grundsätzlich zu wandeln. Man suchte nach Anbauformen, die frühe und hohe Erträge brachten: Zwischen Hochstämme, gepflanzt auf ca. 8 × 8 m, setzte man mittelstark wachsende Unterlagen. Und um die Fläche wirklich auszunutzen kam zwischen die Reihen jeweils eine auf der Unterlage M 9. Hintergedanke war, je nach Zuwachs der Hochstämme die dazwischengepflanzten "Füller" zu beseitigen. Aus diesem sogenannten "Bleiber-Weicher"-System wichen aber die Bleiber und es blieben die Weicher.

Mittlerweile hatte sich die Arbeitswirtschaft – sprich Rationalisierung – breitgemacht und der Faktor Lohnkosten bekam mehr Gewicht als die Materialkosten. So wurden in zunehmendem Maße M 9 gepflanzt und damit gewannen Sorten, die auf Hochstämmen zu klein ausfielen an Bedeutung. Das Angebot an Äpfeln nahm rasch zu und nur sehr gut schmeckende Sorten und beste Qualitäten hatten Absatzchancen.

'Cox Orange' war das Zauberwort! Aber auch Züchtungen mit 'Cox' als Eltern.

'Laxtons Superb'
'Laxtons Superb'
'Laxtons Superb'. Ein runder Apfel mit oft verwachsenem Stiel, braunrot auf der Sonnenseite und Grasgrün als Grundfarbe. Geschmacklich war seine Verwandtschaft zum 'Cox' unverkennbar.

"Klein aber fein" könnte man zur 'Alkmene' sagen. Die plattrunde Frucht ist auf der Sonnenseite fein rötlich marmoriert. Sie ist auch heute noch in selbstvermarktenden Betrieben zu finden.

'Ingrid Marie', wegen seiner Farbe ein Weihnachtsapfel.
'Ingrid Marie', wegen seiner Farbe ein Weihnachtsapfel.
'Ingrid Maries' mittelgroße plattrunde Früchte sind dunkelrot und werden blaurot, wenn sie zu lange hängen. Helle Lentizellen lockern die Farbe angenehm auf. Sie neigt bei feuchter Witterung zum Befall von Moniliafäule. Auch diese wertvolle Sorte ist heute noch auf den Wochenmärkten zu finden.

Unter den Feinschmeckern noch heute ein wohlklingender Name: 'Roter Berlepsch'.
Unter den Feinschmeckern noch heute ein wohlklingender Name: 'Roter Berlepsch'.
Schon länger bekannt, aber erst durch den Vormarsch des M 9 verbreitete sich die hervorragend schmeckende Sorte 'Freiherr von Berlepsch', ein eher plattrunder oft gutgefärbter mittelgroßer Apfel. Für die volle Entfaltung seiner Qualitäten benötigt er das etwas mildere Klima, wie es am Niederrhein der Fall ist. Dort ist er um 1880 entstanden.

nach obenNeue Sorten setzten sich durch

Mit dem Auftreten des 'Golden Delicious' mussten viele der bekannten Sorten verschwinden oder zu mindestens ihre Anteile rasant vermindern. Diese Sorte verbreitete sich in kurzer Zeit trotz ihrer unübersehbaren Nachteile: in sonnenarmen Jahren mangelnde Ausfärbung, fehlende Fruchtgröße, Berostung, Schorf und Kelchfäule.

Ihr folgten dann die Sorten 'Elstar' und 'Jonagold' mit all ihren Mutanten, die teils durch eigene Namen zu selbständigen Sorten wurden: 'Elshoff', 'Jonagored', 'Jonica', 'Rubinstar' usw.

Als eine letzte europäische Neuheit ist vor einigen Jahren die 'Rubinette' aus der Schweiz erschienen. Als eher kleinfrüchtige Sorte wird sie es schwer haben, die großen Kettenläden zu erobern, denn ihrem Aussehen nach ist sie keine Diva. Wer sie aber einmal kennengelernt hat, macht gern einen Umweg zu ihr.

nach obenWohin mag die Reise nun wohl weitergehen?

Zu den krankheitsresistenten Sorten? Werden uns die Konzerne ihren Geschmack aufzwingen? Oder werden wir ganzjährig 'Braeburn' essen müssen?

Auf einer Reise trifft man oft Bekannte, manchmal lernt man Neues kennen. Vielleicht haben Sie hier alte Freunde getroffen oder sind zu neuen Bekanntschaften angeregt worden.

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Hat nicht jeder von uns eine besondere Erinnerung im Zusammenhang mit Obstbäumen aus seiner Vergangenheit? Zu Beginn der Apfelernte zog ein Gemeindeangestellter mit einer Trittleiter auf der Schulter vor den Ort, wo die Apfelbäume die Landstraße säumten. Unter jedem stieg er ein paar Sprossen hinauf und begann mit lauten Worten etwas über die Sorte zu berichten. Die umstehenden Zuhörer, mit Handwagen, Leitern, Körben und Kisten ausgerüstet, folgten seinen Worten. Gelegentliche Bemerkungen aus der Menge erregten Heiterkeit. Nachdem man sich über den Preis der Apfelernte des jeweiligen Baumes geeinigt hatte, zog der Trupp weiter und der neue Besitzer der Ernte begann zu pflücken. Wir als Jungen kannten die Bäume mit den wohlschmeckensten Früchten. An ihnen war zum Zeitpunkt der Versteigerung meist nicht mehr viel dran.

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