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Amore, Amore…

Täglich ein paar liebevolle Worte – durch’s Wohnzimmerfenster Radiomusik – und die Zahl der Früchte steigt.
Täglich ein paar liebevolle Worte – durch’s Wohnzimmerfenster Radiomusik – und die Zahl der Früchte steigt.

Dezember 2003 Sie möchten wissen, warum Tomaten auch Liebesäpfel heißen? Ganz klar: Die Pflanzen wollen, um ertragreicher zu sein, einfach geliebt werden! So jedenfalls würde Klein-Fritzchen schlussfolgern, wenn er das Nachstehende läse.


Beim Durchblättern einer älteren gärtnerischen Fachzeitschrift ("GbGw" 11/1992) stoße ich auf einen Artikel von Christiane James, Düsseldorf, in dem sie Konzeption und Resultat einer Versuchsaktion des Westdeutschen Rundfunks (WDR, Köln) nachzeichnet (die seinerzeit bestimmt auch über den Äther ausgestrahlt wurden; möglicherweise erinnert sich der eine oder andere daran). Eine geraffte Wiedergabe dürfte unsere Leser interessieren.

nach obenWieviel Zuwendung baucht eine Pflanze?

Bei der Aktion erhielten 100 Hobbygärtner je sechs Tomatenpflanzen ('Hildares'), von denen im Verlaufe der Kultur eine Dreier-Gruppe stets "mit Zuwendung bedacht", die andere "nur gegossen und versorgt" werden sollte. Der Zielgedanke: Ermittlung eventueller Ertragsunterschiede. Zuwendung bedeutete in diesem Falle etwa ein liebevolles "Na, wie geht's uns denn heute?" und "Nun wachst 'mal schön!", dazu war leise Musik-"Berieselung" gestattet (wobei unterstellt wurde, dass diese Gruppen außer der besonderen Aufmerksamkeit nicht auch mehr Dünger und Pflege erhielten!). Indessen war ein Streicheln der Pflanzen untersagt. Ständiges Berühren soll ihren Wuchs und Ertrag beeinträchtigen (dafür sprechen zumindest holländische Versuchsergebnisse).

Mittlere Tomatenerträge
Die Auswertung der Freizeitgärtner-Aufzeichnungen über die Wuchsleistung der Pflanzen, deren Blütenansatz und die Zahl ihrer Früchte ergab: Im Gesamt-Durchschnitt brachte jede "Staude" mit Zuwendung 36,6, jede andere 33,3 Tomaten. Diejenigen unter den gärtnerischen "Mitspielern", die dem Vergleichsanbau gegenüber eine positive Grundeinstellung besaßen (= rd. zwei Drittel), also daran glaubten, dass auch Pflanzen Zuneigung gewahren, ernteten im Mittel 41,1 Früchte je "geliebter" und 35,3 Tomaten je "nur so" gepflegter Pflanze. Bei einer negativen Einstellung der Kultivateure gegenüber dem Versuch war die Ertragsdifferenz umgekehrt und geringer: 35 Früchte von einer "geliebten" und 36,8 von einer "ungeliebten" Pflanze (die Abweichung war statistisch aber nicht gesichert). Geschmacks- und Inhaltsstoffunterschiede wurden nicht festgestellt.

Ein Professor aus Weihenstephan b. München betreute den Versuch und bestätigte dem Bericht zufolge, dass man dieser Frage wissenschaftlich korrekt nachgegangen sei. Von ähnlichen Pflanzenreaktionen ist gelegentlich auch schon von anderer Seite berichtet worden. Nun, liebe Leserin, lieber Leser, sind Sie im Bilde, was Sie Ihren Tomaten schulden, damit auch die zu "Liebesäpfeln" werden!

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Bild 2: Eiertomate ‘Zipfelchen’
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