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Und siehe, ein Ölblatt…

Dezember 2003 … hatte sie abgebrochen und trug’s in ihrem Munde. Wann und wohin man die Sintflut auch legt, die Taube deutete mit dem Ölblatt ihr Ende an (1. Mose 8.11.). Und im Garten Gethsemane (hebräisch Ölkelter) am Ölberg ist noch immer ein Ölbaum zu sehen, dessen Vorfahre zu Zeiten des Neuen Testaments Schatten spendete.


Eine im Südwesten von Samos liegende Fläche mit Olivenbäumen auf steinigem Grund. Ein Refugium für Pflanzenarten mit gleichen Ansprüchen: wildwachsende Orchideen und Kräuter für die Küche.
© von Soosten
Eine im Südwesten von Samos liegende Fläche mit Olivenbäumen auf steinigem Grund. Ein Refugium für Pflanzenarten mit gleichen Ansprüchen: wildwachsende Orchideen und Kräuter für die Küche.
Dies scheint ein Wunder zu sein, aber Olivenbäume können das stattliche Lebensalter von 800 und mehr Jahren erreichen. Ein Ölbaum überdauert nicht nur Generationen, sondern ganze Epochen menschlicher Kulturgeschichte. Seine Bedeutung als vielleicht älteste Kulturpflanze des Mittelmeerraumes liegt in der vielseitigen Nutzung.

Ölivenöl mit Zitronensaft, etwas Salz, geriebenen Knoblauch und Kräutern zu weißem Brot war seit alters her und ist noch heute eine beliebte Vorspeise. Diese Kombination enthält alle lebenswichtigen Nährstoffe des täglichen Lebens. Rund um das Mittelmeer ersetzt dieses Öl fast alle anderen Nahrungsfette. Ernährungswissenschaftler führen darauf den relativ geringen Anteil der Herz- und Kreislauferkrankungen zurück. Das "Olio Extra Vergine di Oliva" kennt wohl jeder von uns als ein besonders gutes Öl für Salate, zum Backen, Braten und für Brucchetta.

Das Olivenholz diente früher für allerlei Geräte dank seiner Festigkeit und seiner Geschmeidigkeit. In der griechischen Mythologie hat der Kyklop sein einziges Auge durch einen Speer aus Olivenholz verloren und die gefürchtete Keule des Herkules soll aus dem gleichen Holz gewesen sein. Heute findet man ein reiches Angebot von geschnitzten Gegenständen und Schmuckwerk in den Touristenzentren.

Aus den beim Pressen zurückbleibenden Rückständen wird Seife gewonnen, die, wie auf Samos, zum großen Teil als "Biologische Ware" nach Skandinavien exportiert wird.

nach obenEr liebt die Sonne

Eine Gottesanbeterin, die beim Fotografieren die Flucht ergreifen wollte.
© von Soosten
Eine Gottesanbeterin, die beim Fotografieren die Flucht ergreifen wollte.
Der Ölbaum lebt überall dort, wo auf heiße und trockene Sommer nasse und milde Winter folgen. Seine Ansprüche an den Standort sind gering, seine Wurzeln suchen weit über die Kronentraufe hinaus nach Nahrung. Er liebt Sonne, duldet keine Beschattung. Deshalb finden wir weite Pflanzabstände, in denen wildwachsende Orchideen und Gladiolen in dem leichten wandernden Schatten ideale Wachstumsbedingungen finden. Und wenn man Glück hat, sitzt auf ihnen gerade eine Gottesanbeterin und wartet aufs Frühstück.

Gewisse Ähnlichkeiten verbinden Oliven und unsere alten Apfelhochstämme: Sie werden veredelt, erhalten Pflanz- und Erziehungsschnitt, kennen die Alternanz und eine Zahl von Schädlingen. Und sie brauchen viel Zeit, erst nach dem sechsten Jahr stellt sich der erste Ertrag ein, der Vollertrag erst nach 30 bis 40 Jahren.

Unscheinbar, aber für den Ertrag nötig: Die Blütenbüschel, die von stetigem Wind befruchtet werden.
© von Soosten
Unscheinbar, aber für den Ertrag nötig: Die Blütenbüschel, die von stetigem Wind befruchtet werden.
Die Vielfalt von Sorten führt man auf die geografische Verbreitung und die lange Kultur zurück. Seine Blüte erscheint im Mai als ein kleiner Knäuel mit unscheinbaren cremefarbenen Einzelblüten. Der ständige Wind befruchtet, aber meist verbleiben nur ein oder zwei Früchte. Die Erträge variieren enorm: Von wenigen bis mehr als 50 kg. Geerntet wird je nach Sorte und Lage ab Oktober. Gepflückt werden Speisefrüchte, gerupft und geschüttelt die Industrieware. Vor Beginn der Ernte wird gemäht, ein feinmaschiges Kunststoffnetz ausgelegt und dann kommt die ganze Familie und lässt die Ernte zu einem Familienfest werden. In Spanien und Italien, wo heute 60 % des Olivenanbaus zuhause sind, wird längst mit Maschinen geerntet und das monotone Motorengeräusch hat die fröhliche Familienatmosphäre abgelöst.

Angenehmer ist es, nach Südländer Art die Mittagsstunde im milden Schatten eines Ölbaums zu verbringen, von dort aus an dem bizarr gefurchten, gedrehten und mit Aststümpfen und Löchern verzierten Stamm dem so perfekt getarnten, 15 cm langen Gecko zuzusehen, wenn er sich sonnt. Oder gar einer Smaragdeidechse zu begegnen, die gerade lautlos zwischen Gesteinsbrocken und den oft an der Oberfläche verlaufenden Wurzeln dahin huscht. Im Gegensatz zu den Platanen und Feigen ist der Schatten des Ölbaums ein seidenfeiner, denn die Blätter stellen sich stets so, dass nur eine Schmalseite von der Sonne beschienen wird. Eine wassersparende Maßnahme.

Am Abend sitzt man dann gern mit Einheimischen zusammen, um den Tag mit einem gemütlichen Essen ausklingen zu lassen. Hier sind die Oliven nicht wegzudenken. Ob in Spanien bei den Tapas oder in Griechenland bei den Mezedes, wir begegnen den Oliven im Salat, als Beilage, gemischt mit weißem Käse, auf der Pizza und im Auflauf. So begleitet die Olive die Bewohner des Mittelmeerraumes den Tag über, das Leben lang und im Portmonee: Bis zur Einführung des Euro fehlte auf kaum einer griechischen Münze der Olivenzweig!

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