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Apfelunterlagen für Haus- und Kleingärten

© Wilhelm

November 2003 Gehölze des Kern- und Steinobstes bestehen meistens aus zwei Partnern, der Edelsorte und der Unterlage. Letztere ist die Wurzel, auf die in der Baumschule das Reis oder das Auge veredelt wurde. Bei Bäumen mit einer Stammlänge von mehr als einem Meter hat man zwecks besserer Stammentwicklung einen weiteren Partner, den Stammbildner eingefügt. Abweichend hiervon stehen seit einigen Jahren auch "wurzelechte" Bäume zum Verkauf. Sie stammen aus der Meristemvermehrung.


In den Edelsorten sind alle nennenswerten Eigenschaften genetisch festgelegt. Die Unterlage kann die Ausprägung dieser Eigenschaften beeinflussen. Im Laufe von Jahrzehnten entstand durch Selektionen eine Reihe solcher Unterlagen. Dieser Vorgang läuft auch ständig weiter, sodass immer wieder Neuheiten angeboten werden. Aufgabe von Versuchsstationen ist es, herauszufinden, welches wirkliche Verbesserungen gegenüber den Standards sind.

nach obenHinsichtlich der Wuchsstärke unterscheiden die Baumschuler drei Gruppen

  • Starkwachsende
  • Mittelstarkwachsende und
  • Schwachwachsende

Für den privaten Bedarf und für den modernen Erwerbsobstbau dominieren die schwachwachsenden Unterlagen. Sie alle werden durch Abrisse, also durch "Teilung" vermehrt, sind daher in ihren Eigenschaften – genetisch – gleich. Für dieses genetisch gleiche Material hat sich der Begriff "Typen-Unterlagen" eingebürgert, im Gegensatz zu den durch Samen vermehrten Sämlingsunterlagen.

nach obenSeit Jahrzehnten bekannt und in zunehmendem Maße verwendet werden folgende Typenunterlagen

M 27

Am schwächsten wachsende, nicht standfeste, die Fruchtgröße negativ beeinflussende Unterlage. Sie hat eine gewisse Bedeutung in den Engpflanzungen des Erwerbsobstbaus. Daher wurde über sie vermehrt berichtet. Im Hobbybereich bleibt sie für starkwachsende und großfrüchtige Sorten interessant, um diese den dort üblichen und notwendigen Pflanzabständen anzupassen.

© von Soosten
© von Soosten
Diese beiden Bilder zeigen den Unterschied in der Wuchsstärke zwischen M 9 (siehe linkes Bild) und M 27 (Bild rechts).
Die Bäume (Sorte 'Elstar') wurden im gleichen Jahr gepflanzt. Der Unterschied lässt sich am besten an der Länge der oben sichtbaren Pfähle ablesen.

M 9

Seit etwa 30 Jahren verwenden die Obstbauern Bäume auf M 9 oder die Selektionen hieraus. Früher Ertragsbeginn und relativ regelmäßige Ernten kennzeichnen den 'Gelben Metzer Paradies', wie er früher genannt wurde. Das schwache Wachstum bringt, in Verbindung mit schwach- und mitteistarkwachsenden Sorten, Bäume, die einen Pflanzabstand von etwa 1,5 bis 1,8 m erfordern. Starkwachsende Sorten, wie 'Boskoop' und 'Gravensteiner', bilden selbst auf M 9 noch recht große Bäume, die für Klein- und Hausgärten zu groß sein können.

Seine mangelnde Standfestigkeit erfordert lebenslang einen Pfahl. Auf leichten Sandböden lässt die Wuchskraft schnell nach. Der Einfluss auf die Fruchtgröße und die Ausfärbung ist positiv, der Erntebeginn setzt etwas früher ein. Diese Eigenschaften gehen zu Lasten der Haltbarkeit auf dem Lager. Aufgrund der flachen und recht schwachen Wurzelentwicklung ist eine gleichmäßige Wasser- und Nährstoffversorgung vorteilhaft. In älterer Literatur wird über Ausfälle durch Winterfröste berichtet, was in den letzten Jahren nicht mehr vorkam. Die oben genannten Sorten-/Unterlagen-Kombinationen eignen sich für die Anlage von Hecken und Spalieren. Bei starkwachsenden Sorten sollte man den Pflanzabstand erweitern.

Um den Einfluss der Unterlage, hier speziell der M 9 gegenüber stärkeren Unterlagen zu zeigen, seien hier die von Koch (‌1975) erarbeiteten Zahlen genannt. Ein Kubikmeter Kronenvolumen der Sorte 'Cox Orange' leistet auf M 9 4,8 kg, auf M 4 3,0 kg und auf M 1 1,8 kg Fruchtgewicht.

UnterlageM 9M 4M 1
Fruchtgewicht/m3 Kronenvolumen ('Cox Orange')4,8 kg3,0 kg1,8 kg

Es gibt eine Reihe von Selektionen, die meistens aus den Unterlagenbaumschulen stammen. Sie betreffen in erster Linie Eigenschaften der Vermehrung und der Handhabung in der Baumschule, sind also für den Endverbraucher nicht wichtig.

M 26

Veranlasst etwas üppigeres Wachstum und ist deshalb für schwachwachsende Edelsorten besser geeignet, wenn man Wert auf eine annähernd gleiche äußere Form legt. Dies kann z. B. bei einer Hecke der Fall sein. Aber auch hier ist ein Pfahl oder eine Unterstützung notwendig. Bäume auf M 26 lassen sich sehr gut formieren, sind auch für Spindel und Spaliere gut geeignet, wenn die aufveredelte Sorte schwach wächst.

nach obenNeue Unterlagen

Die genannten Schwachpunkte veranlassten Unterlagen vermehrende Baumschuler durch Selektion und Institute durch Züchtung zu Ergebnissen zu kommen, bei denen Verbesserungen der Eigenschaften und der Ertragssicherung zu erwarten sind. Dieses Bestreben hat in den vergangenen Jahren eine beachtliche Zahl neuer Namen gebracht und die obstbaulichen Fachzeitschriften veröffentlichen immer wieder die Ergebnisse. Aber erst durch viele Vergleichsversuche kristallisieren sich neue Empfehlungen heraus, die zuerst dem "versuchsweisen Anbau" dienen. Die folgenden Neuheiten fielen häufig positiv auf, sodass sie hier genannt werden können.

P 22

Eine in Polen entstandene Züchtung aus M 9 × 'Antonowka', die den Anforderungen des modernen Erwerbsobstbaus am ehesten nachkommt. Die Wuchsstärke wird zwischen M 27 und M 9 eingeordnet, die Frucht- und Ertragseigenschaften werden gut beurteilt und die notwendige Frosthärte scheint von 'Antonowka' mitgegeben zu sein.

J 9

Veranlasst etwas größere Bäume als M 9 und wird daher nicht so gut beurteilt. In niederländischen Vergleichen lag der Ertrag leicht unter dem von M 9, das Einzelfruchtgewicht aber darüber. J 9 wurde im Alten Land als offen abgeblühter Sämling von M 9 herausgebracht und ist bereits vielerorts in den Baumschulen zu bekommen. Ob sich diese Neuheit zum Standard durchsetzen wird, muss die Zeit zeigen.

Supporter

Sollten Ihnen Unterlagen des Namens Supporter 1 bis 3 angeboten werden, so handelt es sich um Züchtungen aus Dresden-Pillnitz. Sie verursachen schwaches Wachstum, 1 und 3 geringer und 2 etwa so wie M 9. Endgültige Empfehlungen können aber noch nicht gegeben werden.

Eine weitere Unterlage mit der Wuchsstärke zwischen M 9 und M 26 ist Supporter 4. Auch sie ist noch zu neu um Endgültiges aussagen zu können.

In mehreren obstbaulich wichtigen Ländern wird an der Verbesserung des Unterlagensortiments gearbeitet. Entsprechend der klimatischen und gebietsspezifischen Verhältnisse sind die Zuchtziele unterschiedlich. Daher werden in den nächsten Jahren weitere Versuchsergebnisse veröffentlicht werden.

nach obenVirusstatus

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass die Unterlage allein nicht immer entscheidend sein muss. Ganz wichtig ist der Virusstatus von Unterlage und Edelsorte, denn Virusbefall kann unter Umständen einen ebenso großen oder gar größeren Einfluss ausüben. Daher sollten nur virusfreie Bäume gekauft werden, die ein entsprechendes Markenetikett führen.

Auf dem Etikett ist in roten Großbuchstaben auf "VR = Virusfreiheit" bzw. "VT = Virus getestet" hingewiesen.

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Apfel, Apfelunterlage, J 9, M 26, M 27, M 9, P 22, Supporter 1, Supporter 2, Supporter 3

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Diesen Artikel kommentieren (1)

1
|
5. Januar 2014

H. Julius Schlosser

Ich fand den Artikel hilfreich. Schade, dass die "Standfestigkeit" nicht bei allen Unterlagen beschrieben wurde, denn ich finde, dass gerade im Hobby-Bereich dieser Aspekt eine Große Rolle für die lange Freude am Bäumchen spielt.

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