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Gartendekor, Kitsch oder Anregung zum "Philosophieren"?

August 2003 Windspiel im Garten – eine vertikal drehende Schnecke, Spirale, Schraube "ohne Ende". Zwei Meter hoch. Bunt. Lustig. Zierde, Fremdkörper, Kitsch vor dem natürlichen Grün? Auf jeden Fall Blickfang. Besonders bei Bewegung.


Denn: Je nach Windgeschwindigkeit und -richtung geht's unterschiedlich schnell 'mal rechts-, 'mal linksherum bzw. (scheinbar) 'mal rauf, 'mal runter. Wie im Leben. Oder Gedankenverbindungen, die dieser FuG-Seite gerecht werden:


Windspiel im Garten – in „Schneckenform“.
© Titze
Windspiel im Garten – in "Schneckenform"
Noch relativ harmlos: Unten gelb, oben grün (beginnender Magnesiummangel bei Tomaten) – wie die beiden mittleren Abschnitte des Windspiels.
© Titze
Noch relativ harmlos: Unten gelb, oben grün (beginnender Magnesiummangel bei Tomaten) – wie die beiden mittleren Abschnitte des Windspiels

Wie der Erfolg im Gemüsegarten. Die farbigen Abschnitte – einzelne Gemüsekulturen. Deren Entwicklung im Zeitraffer: "bergauf" vom Samen zur Pflanze, Blüte, Frucht, "bergab": Reife, Tod. Krüselt der Wind so, dass die Spirale aufwärts kreist, ergeben sich – farbenunabhängig – Assoziationen zur Wasserleitung in den Pflanzen von den Wurzeln in die Blätter, Hauptzentren des Wasserverbrauchs. Mit ihr der Transport von gelösten Salzen (Nährstoffen) zu den Stätten der Produktion organischer Substanzen. Abwärts, erinnert’s an den Weg der Assimilate (Kohlehydrate, Fette, Eiweißstoffe), die von den Orten ihrer Entstehung (vor allem den Blättern) zu den Plätzen des Bedarfs und nach unten in die Reservestoffbehälter (Rhizome, Rüben, Knollen, Zwiebeln) geleitet werden. Die beiden Farbabschnitte in der Mitte, Gelb und Grün, für sich allein betrachtet, lassen (empordrehend) an Magnesiummangel z. B. bei Tomaten denken:

Verfügt die Pflanze nicht ausreichend über dieses Nährelement, verlagern es die älteren Blätter in die jüngeren. Sie selbst vergilben unter Beibehaltung dunkler Adern. Damit erhält die untere Pflanzenpartie ein mehr oder weniger gelbliches Aussehen, die obere indes "grünt (oft) so grün" fort.


nach obenEin weiterer Bezug zum Gemüsebeet

Beim Aufwärtsdrall wird das Windspiel im botanischen Sinne (Blick von oben!) zum Linkswinder, wie die Stangen- oder Feuerbohne. Doch braucht es dabei wirklich nur ein klein wenig genaueren Hinschauens, und schon wird klar: Beide Bohnenarten vollziehen zweifelsfrei in ihrem Wuchs (Blick von unten!) geradeso eine Rechtsschraube. Überkommene, irritierende Bezeichnung der Wissenschaft, die schon öfter Verwirrung stiftete. Gedankenverknüpfung auch zu den unauffälligeren fadenförmigen Ranken von Riesenkürbis, Gurken oder Erbsen: Sie rollen sich bei Berührung einer Stütze spiralig zusammen, umklammern Schnur, Draht oder Reiser und verschaffen dadurch den Pflanzen Halt. Selbst die gedrehten jungen Kohlblätter nach Schädigung durch die Drehherzmücke (bzw. deren Maden) werden zum Glied dieser kurzen Gedankenkette.

Die weniger auffälligen Ranken des Riesenkürbis ähneln in ihren Windungen der bunten Spirale.
© Titze
Die weniger auffälligen Ranken des Riesenkürbis ähneln in ihren Windungen der bunten Spirale
Die in den Spiralstützen aufgeleiteten Tomatenpflanzen lassen sich kaum „verbiegen“ sondern „halten senkrecht“.
© Titze
Die in den Spiralstützen aufgeleiteten Tomatenpflanzen lassen sich kaum "verbiegen" sondern "halten senkrecht"

Schließlich die Gestalt des Windspiels: "Schnecke"! Sie erinnert an die Angehörigen einer auf dem Gemüsebeet gehassten Klasse der Weichtiere. Zunächst zwar nur an jene mit Gehäuse in Form einer Spirale, beim "Weiterspinnen" aber sehr schnell auch an deren nackte Vertreter: klein, groß, grau, braun, schwarz. Schädlinge ersten Ranges im Garten! Wilhelm Busch kommt mir in den Sinn:

Schleimig, säumig, aber stete,
Immer auf dem nächsten Pfad,
Finden sie die Gartenbeete
Mit dem schönen Kopfsalat.

Hier vereint zu ernsten Dingen
Bis zum Morgenschein,
Nagen sie geheim und dringen
Tief ins grüne Herz hinein.

Ich könnte die Viecher restlos "zur Schnecke machen".

"Gemüsegedanken" auf der Terrasse! Gleichzeitig stichwortartige Rekapitulation dessen, was zum Teil in ausführlicheren Beiträgen auf diesen Heftseiten bereits einmal anklang.

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