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Spitzenbehandlung junger und älterer Spindelbäume

Mai 2003 Im Körper von Mensch und Tier werden viele Funktionen durch Hormone gesteuert. Ähnliche Verhältnisse herrschen auch in der Pflanze. In den Spitzen der Langtriebe in der oberen Hälfte der Krone werden im Laufe des Sommers natürliche Pflanzenwuchsstoffe ("Hormone") erzeugt, die durch die Leitungsbahnen in die Wurzelspitzen abwandern. Dort regulieren sie je nach ihrer Menge deren Wachstum. Je stärker die Wurzel wächst – selbstverständlich im Zusammenspiel mit den vorhandenen Nährstoffen – je stärker ist auch das Spitzenwachstum.


Welchen Schluss ziehen wir daraus? Im Bild 1 haben wir einen Baum mit einer ganz normalen Spitze, bestehend aus einem Langtrieb und gut garniertem zweijährigem Holz. Der Baum des 2. Bildes hat zweifellos die mehrfache Menge an wuchsfördernden Hormonen gebildet. Dadurch wird das Wurzelwerk erheblich forciert. Hier ist die gesamte Triebleistung in die Spitze gelangt, denn am zweijährigen Holz ist nicht viel dazugewachsen. Wie hätte man eingreifen müssen?

Wir beobachten ab Mitte Mai den Austrieb bei allen jungen Bäumen. Wenn sich, wie hier, eine zweite Spitze andeutet, wird sie weggekniffen oder ausgebrochen (dies bitte bei trockenem Wetter!). So verhindert man kräftezehrende Konkurrenztriebe. Entwickeln sich etwas weiter unterhalb weitere Einjährige, so können sie ab Handlänge abgebogen, abgehängt oder abgespreizt werden, wenn sie für den weiteren Aufbau der Krone benötigt werden. Ist das nicht der Fall, dann bitte frühestmöglich ausbrechen. Dadurch werden die Nährstoffe und Assimilationsprodukte in die Richtung des tatsächlichen Bedarfs – hier die Ausbildung waagerechten Fruchtholzes – gelenkt. Im 3. Bild sind die überflüssigen Langtriebe heruntergebogen worden. An der Länge der Triebe sieht man, dass es viel zu spät war. Die Ansatzpunkte liegen sehr dicht beieinander – Quirlbildung! Hier hat man versäumt, mindestens zwei davon bei einer Länge von ca. 10 cm zu entfernen.

Spindelbäume
© von Soosten
Bild 1: Gut gestalteter Baum im Jahr nach der Pflanzung. Ein ausgeprägter Langtrieb an der Spitze, der zweite kann abgehängt oder fortgeschnitten werden. Guter Zuwachs am vorjährigen Holz.
Bild 2: Nach der Pflanzung nicht angeschnitten, trieb er mit vier Langtrieben aus. Die Summe des Austriebs ist für die Weiterentwicklung unvorteilhaft. Am vorjährigen Holz ist kaum etwas dazugekommen.
Bild 3: Gut gemeint war hier das Abhängen der Äste, aber es kam aus der Sicht der Triebhemmung viel zu spät. Sie sind auch abgehängt für den weiteren Aufbau der Krone nicht viel wert.
Bild 4: So sieht ein Baum im Vollertragsstadium aus, über den sich ein Besitzer freut. Trieb und Ertrag sind ausgewogen.
Bild 5: Starkes Wachstum in der Spitze während des Vollertrages lässt vermuten, dass ständig zu viele Langtriebe vorhanden waren.
Bild 6: Die Reaktion auf einen frühzeitigen Sommerriss. Es erscheinen noch einmal neue kurze Austriebe, die aber bedeutungslos sind.

nach obenZusammenfassung

Bereits im grünen Zustand können zu erwartende überflüssige Jungtriebe herausgebrochen werden, um mehr als einen Langtrieb in der Baumspitze zu verhindern. Das mindert Wurzelwachstum und das wiederum Triebwachstum. Nach den selben Grundsätzen verfährt man bei der Behandlung ausgewachsener Spindelbäume. Den Bäumen wurden – weil sie die gewünschte Endhöhe erreicht hatten, die Spitzen genommen und auf einen darunter liegenden Seitenast abgesetzt. Bild 4 zeigt den "ruhigen" Baum, der kaum auf diese Sonderbehandlung reagiert hat. Er befindet sich in dem gewünschten ausgeglichenen Trieb- und Ertragsverhältnis.

Anders bei dem nächsten, der, wie am Holz zu sehen ist, üppiger wuchs und logischerweise auch stärker auf den Eingriff reagiert hat. In solch einem Falle kann man die oberen verbleibenden Seitenäste unter die Waagerechte binden und die sich dann entwickelnden Wasserreiser sehr früh beseitigen. Es kann auch der eine oder andere Seitentrieb zurückgenommen werden. Bild 6 zeigt die Reaktion des Baumes auf die frühzeitige Beseitigung der Wasserreiser. Nur noch ein kurzer Austrieb, der sicher keine wuchsfördemden Hormone mehr produziert hat.

Bei Eingriffen, die meist einen stärkeren Schub erwarten lassen, sollte man konsequent die sich andeutenden Langtriebe entfernen, wenn sie noch im grünen Stadium sind. Je früher um so besser. Dadurch lässt sich das Wachstum reduzieren.

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Hormone, Spindelbaum

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