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Frostschutz – Was kann man tun?

April 2003 Unter die Freude über den Austrieb und die bald beginnende Obstblüte mischt sich alle Jahre wieder die bange Frage: Wird es Nachtfrost geben? Diese Frage ist selten im Voraus zu beantworten.


Wenn ja, tritt er in örtlich unterschiedlicher Stärke auf. Das hängt von den verschiedenen Faktoren der Topografie, Meteorologie und der Vegetation ab. Kaltluft verhält sich in der Landschaft wie Wasser: Sie fließt immer zum niedrigsten Punkt – Kaltluftsee. Meterologisch entscheidet die Großwetterlage, ob es zu Nachtfrost kommen kann. Bewölkung mindert, klarer Himmel und niedrige Luftfeuchtigkeit fördert die Gefahr. Mulch- und Grasflächen fördern die Nachtfrostgefahr, während nackter Boden, besonders wenn er unbearbeitet liegt, durch höheren Wärmerückfluss die bodennahe Luftschicht eher erwärmt. Zwei Begriffe sind zu unterscheiden:

  • Als Windfrost werden Kaltluftmassen polaren Ursprungs bezeichnet, die in nennenswerter Bewegung sind.
  • Strahlungsfrost entsteht unter bestimmten Umständen stets am Ort und bewegt sich nur sehr langsam, aber stets bergab. Die Erdoberfläche und die Pflanzen geben die Wärme an die klare Luft ab.

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Das Ziel aller Verfahren ist, die Temperatur in der kritischen Zeit über der gewebeschädigenden Temperaturschwelle zu halten.

Frostschutzberegnung

Nach mehrstündiger Beregnung das bizarre Bild der vereisten Bäume! Die ungewohnte Eislast führt gelegentlich zum Brechen von Ästen. Das Tauwasser macht die Anlage für Stunden unbegehbar.
Nach mehrstündiger Beregnung das bizarre Bild der vereisten Bäume! Die ungewohnte Eislast führt gelegentlich zum Brechen von Ästen. Das Tauwasser macht die Anlage für Stunden unbegehbar.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, von denen in der obstbauenden Praxis nur die Frostschutzberegnung eine Bedeutung hat. Diese Methode dürfte für den Hausgartenbesitzer kaum infrage kommen, denn es sind relativ große Wassermengen (3,5 bis 4 Liter je m2 und Stunde, das können je Frostnacht 40 Liter sein) und eine aufwendige Technik notwendig. Letztere besteht nicht nur aus Regnern, die für die Frostschutzberegnung geeignet sein müssen, sondern auch aus den sog. Feuchtethermometern, die die Temperatur an der Blattoberfläche (die gefühlte Temperatur) angeben und eine Frostwarnanlage. Diese Einrichtung kann bei richtiger Handhabung durchaus Temperaturen bis −5 °C abwehren. Aber große Wassermengen verursachen möglicherweise beachtliche Nachteile im Garten: Ungewollte Nährstoffverluste und Bodenstrukturschäden.

Der Schutz der Blüten und Knospen kommt durch das Freiwerden der Erstarrungswärme zustande. Wenn Wasser zu Eis erstarrt, wird Wärme frei (nach diesem Prinzip arbeitet der Kühlschrank!), und diese Wärme verhindert das Absinken der Temperatur im Inneren des Eises. Dort geht die Temperatur nicht unter −0,5 °C bis −1 °C, wenn kontinuierlich die Eisschicht mit Wasser benetzt wird. Bei der genannten Temperatur treten noch keine Schäden auf.

Boden unter Bäumen unbearbeitet lassen

Wie bereits angedeutet, nimmt der kahle Boden tagsüber mehr Sonnenenergie auf als bewachsener Boden. Besonders wenn er gut feucht ist. Es ist also ratsam, den Boden unter den Bäumen unbearbeitet bis nach der Blüte liegen zu lassen und bei Bedarf zu wässern.

Erdbeerpflanzen abdecken, aber richtig!

Im Erwerbsobstbau müssen auch die verfrühten Erdbeeren, die meist zu diesem Zeitpunkt in voller Blüte stehen, durch Beregnung geschützt werden. Es bildet sich ein Eispanzer über der Folie.
Im Erwerbsobstbau müssen auch die verfrühten Erdbeeren, die meist zu diesem Zeitpunkt in voller Blüte stehen, durch Beregnung geschützt werden. Es bildet sich ein Eispanzer über der Folie.
Erdbeerpflanzungen können mit Decken, Säcken oder Stroh abgedeckt werden. Folien sind für diesen Zweck nur bedingt zu empfehlen. Sie verhindern kaum einen Energieaustausch, sondern halten nur die Windbewegung von der Pflanze ab, schützen also nur vor der Differenz zwischen der absoluten und der gefühlten Temperatur.

Der Gedanke, Stroh schon vor der beginnenden Blüte unter die Blütenstände zu bringen, um damit zugleich auch Frost abzuwehren, ist völlig falsch. Das Stroh verhindert die Erwärmung des Boden durch die Sonne und der nächtliche Energierückfluss kann nicht stattfinden. Um mit Stroh Frostschutz zu erzielen, muss das Stroh über die Pflanze und die gesamten Zwischenräume ausgebracht werden. Es wird dann die isolierende Wirkung des Strohs genutzt.

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Schlagworte dieser Seite:

Erdbeere, Frostschutz, Strahlungsfrost, Windfrost

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