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Verjüngung einer Zwetschgenpflanzung

März 2003 Die zu besprechende Anlage entstand um 1965 auf einer Fläche von ca. 6.000 m2. Es handelte sich um Viertelstämme, im Abstand von 4,5 × 4 m gepflanzt, hauptsächlich Hauszwetschgen, wenigen Süßkirschen und Äpfeln. Sie diente damals einem Eisenbahner zum Nebenerwerb. Nachdem der Besitzer vor einigen Jahren in den Ruhestand ging, stand die Frage an, den Bestand zu roden und neu zu pflanzen oder eine gezielte, konsequente Verjüngung durchzuführen. Man entschied sich für die letztere Variante, denn es war keine Wechselfläche vorhanden und das Risiko, wieder auf die gleiche Fläche zu pflanzen war zu groß. Außerdem hätte es einen Totalausfall für mehrere Jahre gegeben.


Nun waren die Bäume im Laufe der Jahre von unten aufgekahlt, sehr hoch und der Besitzer nicht jünger geworden. Das Ziel lautete also:

  • Baumhöhe reduzieren
  • Bestand verjüngen
  • Lockere Kronen aufbauen
  • Erleichterung der Ernte- und Pflegearbeiten
  • Den zwangsläufigen Ertragsausfall minimieren

Deutlich ist der Unterschied zwischen dem alten Fruchtholz oben in der Krone und dem neuen in der rechten Kronenhälfte zu sehen. Bei den Bäumen rechts und links kommt es jetzt auf die Ausdünnung des neuen Fruchtholzes an.
© von Soosten
Deutlich ist der Unterschied zwischen dem alten Fruchtholz oben in der Krone und dem neuen in der rechten Kronenhälfte zu sehen. Bei den Bäumen rechts und links kommt es jetzt auf die Ausdünnung des neuen Fruchtholzes an.
Bei diesem Baum ist von der alten Krone nur ein Ast übergeblieben. Unter den Schnittstellen entstanden aus den Jungtrieben neue Äste. In der Mitte sind die 'Wasserschosse’ vorhanden. In den nächsten Jahren, wenn die unteren Äste vollen Fruchtbehang haben, wird man wiederum ein Stück der alten dicken Äste entfernen.
© von Soosten
Bei diesem Baum ist von der alten Krone nur ein Ast übergeblieben. Unter den Schnittstellen entstanden aus den Jungtrieben neue Äste. In der Mitte sind die 'Wasserschosse’ vorhanden. In den nächsten Jahren, wenn die unteren Äste vollen Fruchtbehang haben, wird man wiederum ein Stück der alten dicken Äste entfernen.
Das Konzept sah vor, im Laufe von 3 bis 4 Jahren jeweils die höchsten Äste so zu entfernen, dass Licht an den Stamm fällt, um dort neuen Austrieb zu veranlassen. Aus diesen neuen Trieben sollte dann wieder Fruchtholz gewonnen werden.

Große Bedenken gab es im ersten Jahr, als dicke Äste die Anlage unpassierbar machten und den meisten Bäumen nennenswerte Teile der Krone fehlten. Nicht nur das ungewohnte Bild des wieder sichtbaren Himmels, sondern auch der Gedanke an die fehlende Ernte haben uns zuerst besorgt gemacht. Die zusätzliche Arbeit und die Beseitigung des Holzes war aufwendiger als vorausgesehen.

Mit Beginn des Austriebs sah die Plantage schon wieder ordentlich aus und nachdem sich das Blattwerk voll entfaltet hatte, neigten sich die Zweige dem Licht zu, die anfänglichen Bedenken schwanden. Mit Freude war festzustellen, dass unter fast allen Schnittstellen die in diesem Falle gewünschten Wasserreiser erschienen. Schon im grünen Zustand beseitigte man die als nicht brauchbar erkannten. Vorsichtig bog man die meist etwas schwächeren Triebe in eine vorteilhaftere schräge Stellung. In den verbliebenen Kronenteilen entwickelte sich das Laub sehr gut, unterstützt durch eine zusätzliche Nährstoffgabe und Blattdünger als Zugabe zu den unumgänglichen Pflanzenschutzmaßnahmen.

Dieses Bild verdeutlicht, in welchem Maße in den vergangenen 4 Jahren dicke Äste entfernt und junges Holz herangezogen wurden.
© von Soosten
Dieses Bild verdeutlicht, in welchem Maße in den vergangenen 4 Jahren dicke Äste entfernt und junges Holz herangezogen wurden.
Heimlich aufgenommen: Der Besitzer blickt zufrieden auf sein Werk. Beim rechten Baum ist rund die Hälfte abgesetzt worden. Im Vordergrund die jetzt dreijährigen ehemaligen Jungtriebe, die demnächst das Kronengerüst bilden werden.
© von Soosten
Heimlich aufgenommen: Der Besitzer blickt zufrieden auf sein Werk. Beim rechten Baum ist rund die Hälfte abgesetzt worden. Im Vordergrund die jetzt dreijährigen ehemaligen Jungtriebe, die demnächst das Kronengerüst bilden werden.
In den beiden folgenden Jahren wurden diese Maßnahmen im gleichen Sinne fortgesetzt. Hinzu kamen Aufwendungen zum Formieren, Abspreizen junger Triebe, Ausdünnen überflüssigen Fruchtholzes und Beseitigen von zu stark gewordenen Trieben in den oberen Kronenteilen. Nicht immer war es möglich, einen starken Ast ganz zu beseitigen. In dem Fall setzte man im ersten Zug auf einen Seitenast ab und erst später schnitt man den Rest an der gewünschten Stelle fort. Bei einigen Bäumen, die im Laufe der Jahre zu Hochstämmen wurden, wird das Ziel wohl nicht zu erreichen sein.

Zu erwähnen sei noch die konsequente Wundbehandlung der recht großen Schnittstellen. Bis jetzt, nach vier Jahren, ist kein Bleiglanz, Pflaumenfeuerschwamm oder ein anderer Wundparasiton festgestellt worden.

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Ursprünglich war im Konzept ein Zeitraum von 3 bis 4 Jahren vorgesehen. Ganz ist das Ziel in dieser Zeit nicht erreicht worden. Vielleicht liegt es auch daran, dass mit einsetzendem Erfolg die Ziele etwas höher gesteckt wurden. Die Bäume sollen nun noch niedriger werden!

Verwöhnt von den früheren Erträgen fehlte in den letzten 2 Jahren die Erntemenge. Die Ursache: Die vielen Jungtriebe, zu erkennen an den Dornen, brauchen mehr Zeit um in die Ertragsphase zu kommen. Dieser Anteil nahm zu, so dass zwangsläufig tragfähiges Fruchtholz abnahm.

Der Baum besteht nun aus dem alten Stamm und dem mehrheitlich jungen Holz der Krone. Es wird in den nächsten 2 bis 3 Jahren der Ertrag wieder ansteigen. Damit werden sich die Äste und Zweige auf natürliche Weise nach außen neigen. Es werden sich die Belichtungsverhältnisse im Baum ändern. Dieser neuen Situation wird man den Schnitt anpassen. Es muss ein zweckorientierter Belichtungsschnitt durchgeführt werden mit dem Ziel, auch die inneren und unteren Kronenteile zu belichten. So können diese Bäume weitere 10 bis 15 Jahre zufriedenstellende und verkäufliche Früchte bringen.

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