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Heidelbeeren im Garten

Heidlebeeren
© Fehn
Heidlebeeren

Dezember 2002 Seit Anfang an findet man in der deutschen Literatur über Heidelbeeren als Voraussetzung für den erfolgreichen Anbau einen sauren, sandigen oder torfhaltigen Boden. Diese Forderung kann immer wieder bestätigt werden. Damit scheiden aber sehr viele Standorte in Mitteleuropa für diese Obstart aus. Und gerade für Haus- und Kleingärten kann die Kulturheidelbeere eine interessante Ergänzung sein. Daher soll auf die Frage eingegangen werden, welche Möglichkeiten zur Verbesserung des Standortes zur Verfügung stehen.


Sämlinge der vermutlich um 1948 gepflanzten amerikanischen Heidelbeeren zeigen trotz des Alters üppiges Wachstum an. Es handelt sich hier um einen ehemaligen Randmoorstreifen, der durch Birkenanflug bewaldet ist.
Sämlinge der vermutlich um 1948 gepflanzten amerikanischen Heidelbeeren zeigen trotz des Alters üppiges Wachstum an. Es handelt sich hier um einen ehemaligen Randmoorstreifen, der durch Birkenanflug bewaldet ist.
Die ältesten mir bekannten Heidelbeersträucher stehen im Vechtaer Moor in Südoldenburg, gepflanzt bald nach dem Kriege als wohlgemeinte Hilfe amerikanischer Bürger. Sie sind, wenn nicht durch Birkenaufschlag im Wachstum beeinträchtigt, heute oft über 3 m hoch. Man sieht ihnen optimales Wachstum an und die Tatsache vieler Sämlinge, die durch Vogelkot verbreitet wurden, bestätigen diesen Gedanken. Es handelt sich hier um ein Randmoor, dessen Wasserstand abgesenkt wurde. Natürlich gewachsener Torf mit niedrigem pH-Wert und hohem Luftvolumen. Als Gärtner oder Gartenliebhaber neigt man dazu, diese Verhältnisse nachzuvollziehen. Können wir uns aber im Kontext mit modernem ökologischem Denken dazu überwinden, die zweifellos größeren Mengen Gartentorf für diesen Zweck aufzuwenden? Diese Frage führte – im Erwerbsgartenbau auch aus Kostengründen – dazu, nach Ersatzmaterialien zu suchen.

nach obenMaterial

Dieses Bild zeigt eines der vielen verschiedenen Produkte, die käuflich zu erwerben sind: Ein Kiefernrindensubstrat der Siebung 0 bis 20 mm.
Dieses Bild zeigt eines der vielen verschiedenen Produkte, die käuflich zu erwerben sind: Ein Kiefernrindensubstrat der Siebung 0 bis 20 mm.
Als ausgesprochene Flachwurzler ist die Heidelbeere sehr dankbar für eine Mulchschicht zur Beschattung des Wurzelraumes und zur Verhinderung unnötiger Verdunstung. Hierzu verwendet man gern Sägereiabfälle mit unterschiedlichem Erfolg. Bei geeignetem Material sieht man sehr bald das feine Wurzelwerk der Heidelbeere in der Mulchschicht. Es gab sogar Fälle, bei denen die neuen Wurzeln nicht aus dem Ballen in die ihn umgebende Erde wuchsen, sondern sich aus den Trieben ein völlig neues Wurzelwerk in der Mulchschicht aufbaute. Sicher wurde hier in einen ungeeigneten Boden gepflanzt. Das Fazit hieraus: Sägereiabfälle können als Substrat oder Substratzuschlag in Frage kommen. Aber nicht alle Sägereien verarbeiten gleiches Holz. Hier sollte man die Zusammensetzung kennen.

Zu unterscheiden sind: Säge- und Hobelspäne einerseits, Shreddermaterial andererseits. Rinde von Nadel- und Laubholz. Korn- bzw. Brockengröße. Allgemein wird Sägemehl von Nadelhölzern, speziell von Fichten, sehr gut bewertet. Rindenmaterial, ebenfalls von Nadelhölzern sollte unterschiedlich in der Fraktion sein um eine bessere Dichte zu erlangen. Sehr gut eignen sich auch Mischungen aus beidem.

Vor Rindenmaterial von Laubgehölzen wird gewarnt. Es sind bei einigen Arten relativ große Mengen von Elementen enthalten, die nach dem Freiwerden ungewünschten Einfluss auf Blattfarbe und Wachstum nehmen. Als Beispiel sei das Mangan in Buchenrinde genannt, das Magnesium festlegt und damit Chlorosen (Blattaufhellungen) verursacht.

nach obenAnwendungen: Acker- und Gartenböden und Böden mit hohem pH-Wert

In Fachkreisen ist bekannt, dass die Heidelbeere im Gegensatz zu fast allen anderen Obst- und Gemüsearten nicht gut auf altem Kulturland wächst. Kulturland heißt in diesem Falle Acker- und Gartenböden. Um das Wachstum zu begünstigen, sind obengenannte Materialien bestens geeignet. Zuerst sollte überlegt werden, ob und wie das Substrat in den Boden eingebracht werden soll.

Saure Böden

In sandigen, von Natur aus sauren Böden kann das Material mit dem Boden vermischt werden. Substrat und Erde werden zu gleichen Teilen gut vermischt. Die zu erwartende Durchwurzlungstiefe dürfte bei 0,40 m liegen. Besser ist jedoch, eine ausreichend große, 0,60 × 0,60 m messende Grube, ca. 0,40 m tief auszuheben und einen Teil des Boden mit dem Substrat zu mischen. Da hinein wird so gepflanzt, dass der Ballen gut mit Erde bedeckt ist. Das Ballentuch muss nicht unbedingt entfernt werden, es sollte aber der Knoten geöffnet werden um späterem Einwachsen vorzubeugen.

Nach dem Pflanzen wird die Pflanzstelle großräumig mit Rindenmaterial abgedeckt. Da die organische Masse zuerst einmal das Bodenleben an sich zieht und damit der Pflanze Stickstoff entzieht, ist eine Startdüngung mit Stickstoff angebracht. Stets sauer wirkende Dünger verwenden! Für ausreichende Feuchtigkeit sollte man sorgen um ein kontinuierliches Bodenleben zu sichern. Mit Unkräutern hat man allgemein wenig zu tun.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, eine Art Hügelbeet zu gestalten, auf das die Pflanzen gesetzt werden. Die Substrathöhe sollte 0,40 bis 0,50 m betragen. Ist dieses Beet schmal wie eine Spargelbeet, besteht die Gefahr, dass die Niederschläge ablaufen und im Inneren nicht genug Feuchtigkeit erhalten bleibt. Eine andere Gefahr liegt in der möglichen starken Erwärmung durch die Sonnenstrahlen. Hier muss unbedingt für eine Beschattung gesorgt werden. Diese kann aus grobem Rindenmaterial bestehen.

Alkalische Böden

Noch aufwendiger sind Pflanzungen auf Böden mit natürlich hohem pH-Wert. Hier wirken diese Zuschlagsstoffe zugleich belüftend. Die gewünschte Senkung des pH-Wertes ist jedoch meist nur von kurzer Dauer, weil das Pufferungsvermögen begrenzt ist. Daher hilft man mit 20 bis 40 g/m2 pulverförmigen Schwefels nach, der auf die Fläche gestreut und eingearbeitet wird. Zu bedenken sei hier aber, dass die zunehmende Säure im Boden Aluminiumionen freisetzt. Diese können toxisch (giftig) auf die Wurzeln wirken. Das bedeutet Verringerung des Wachstums. Wir stoßen hier sehr bald an die Grenzen des Sinnvollen.

nach obenPflanzgefäße

Um diesen ebengenannten Problemen aus dem Wege zu gehen, bietet es sich an, Heidelbeeren in größere Gefäße zu pflanzen. Es kommen nur solche aus Kunststoffen in Frage. Beton- oder Tonware scheidet aus, weil hier wiederum Kalk aus den Wandungen in das Substrat dringen kann. Die Durchmesser sollten mindestens 0,60 m und die Tiefe 0,40 m betragen. Selten denkt man daran, dass sie – besonders wenn sie aus schwarzem Plastik bestehen – bei Sonnenbestrahlung sehr heiß werden können. Diese Erwärmung ist für die unmittelbar dahinter liegende Wurzel tödlich. Daher empfiehlt es sich, die Pflanzgefäße in den Boden einzusenken. Selbstverständlich sind im Boden Löcher für den Wasserabzug notwendig.

Bei dieser Form des Anbaus bedenke man die Unterbrechung der Kapillaren. In Zeiten fehlender Niederschläge kann die Pflanze nicht in den Genuss des Bodenwassers tieferer Schichten kommen. Man denke also an die zusätzliche Wasserversorgung, möglichst mit natürlich saurem Regenwasser und an die verdunstungsmindernde Abdeckung mit einer Mulchschicht.

Anstelle von Pflanzgefäßen wird auch gelegentlich das Auskleiden größerer Pflanzlöcher mit Plastikfolie empfohlen. Dabei ist auch der Boden zu berücksichtigen und zwar so, dass der Wasserabzug gesichert ist.

nach obenAlternativen zum Sägemehl

Bisher war die Rede von Sägemehl, möglichst von der Fichte, und Nadelbaumrinde. Im Handel wird auch Rindenmulch angeboten. Es handelt sich hier um Rindenmaterial, das durch Kompostierung in einen ersten Rottungsprozess gebracht wurde. Dieses Material ist durchweg sehr gut geeignet. Doch sollte man sich vom Hersteller Informationen geben lassen über das Ausgangsmaterial und die Eignung für Kulturheidelbeeren.

Dagegen sind alle Komposte und ähnliche Produkte, die aus kommerziellen Entsorgungsunternehmen kommen, mit größter Vorsicht zu betrachten, auch wenn sie ausdrücklich die Eignung für Heidelbeeren nennen. Hier sollten Sie vor einer Entscheidung Ihren Fachberater ansprechen.

Die Blüte der Heidelbeere: Am Ende der glockenförmigen Röhre sitzt der von den Bienen und Hummeln gesuchte Honig. Oft ist ihr Rüssel nicht lang genug um dort hinzukommen. Beide Arten helfen sich, indem sie ein Loch hineinbeißen, wie es hier geschieht.
Kulturheidelbeeren
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