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Das war ein Sommer!

November 2002 Wenn jetzt die Vegetation zur Ruhe kommt, hat man einmal einen Moment, an dem man das Jahr mit seinen Höhepunkten und seinen schwarzen Tagen vor sich ablaufen lässt. Das Gartenjahr ist eng mit dem Witterungsablauf verbunden. Deshalb liegt es nahe, diesen Sommer im Zusammenhang mit der Witterung zu betrachten.


Das vergangene Frühjahr trug schon eine Hypothek aus dem vorangegangenen Herbst mit sich. Der September brachte etwa die doppelte Menge Regen wie der Durchschnitt der Jahre. Ich erinnere mich an Kartoffelfelder, in denen über mehrere Tage oder Wochen blankes Wasser stand. In problematischen Gärten litten die Himbeeren unter zu wenig Luft im Boden. Dies machte sich beim Austrieb im Frühjahr bemerkbar. Dann überraschte uns der Dezember wieder mit einer großen Wassermenge. Um diese Jahreszeit befinden sich ja die Obstgehölze in der Winterruhe, ihre Aktivitäten, d. h. die biochemischen Abläufe in der Pflanze, sind auf ein Minimum reduziert. Aber dauerhaft mit den Füßen im Wasser geht auch an ihnen nicht spurlos vorbei. Dasselbe noch einmal im Februar dieses Jahres. 116 Liter Wasser im Februar an 20 Tagen! Zum Erholen der Pflanzen folgte der März mit nur 26 mm.

Die Niederschlagsmengen in den folgenden Monaten April und Mai lagen nicht sehr hoch, aber es waren nur wenige regenfreie Tage. Unter dieser nasskalten Witterung litt die Befruchtung der Blüten von Obstbäumen. Und als zwangsläufige Folge gab es sehr früh die ersten Schorfinfektionen beim Kernobst. Das führte zu einem erbärmlichen Zustand des Blattwerks, denn im Juni standen schon einige Apfel- und Birnenbäume mit recht schütterem Laub da.

nach obenIdeal für Pilzkrankheiten

Dieses Foto zeigt ein Blatt mit den typischen kleinen Flecken dieser Krankheit.
© von Soosten
Dieses Foto zeigt ein Blatt mit den typischen kleinen Flecken dieser Krankheit.
Nicht in jedem Jahr tritt die Blattbefallskrankheit so start auf. Hier ist der Laubfall einer spätreifen Roten Johannisbeere Ende August beinahe abgeschlossen.
© von Soosten
Nicht in jedem Jahr tritt die Blattbefallskrankheit so start auf. Hier ist der Laubfall einer spätreifen Roten Johannisbeere Ende August beinahe abgeschlossen.
Der Juni und der Juli brachten uns wieder viele Regentage. Für Gartenliebhaber eine Katastrophe! Denn nicht nur die Erdbeeren und Johannisbeeren fingen an zu faulen, sondern auch Salat, Bohnen und anderes Gemüse. Bei den Sommerblumen fehlte es am rechten Schwung. Besonders gut hingegen fühlten sich jene pilzlichen Krankheiten, die zu ihrer Entwicklung lange Blattfeuchte brauchen. Die bereits beschriebenen Blattkrankheiten beim Steinobst, Schrotschuss- und Sprühfleckenkrankheit sind praktisch allgegenwärtig und haben bereits im August oder September für kahle Bäume gesorgt. Bei Johannisbeeren und besonders bei den Stachelbeeren stehen die Sträucher acht Wochen zu früh blattlos da. Ursache dafür ist eine Blattfallkrankheit, verursacht durch den Pilz Drepanopeziza, der nur in regenreichen Jahren ein solch verheerendes Bild abgibt. Das bedeutet für die Sträucher möglicherweise eine schwache Blütenknospenbildung und eine reduzierte Winterfestigkeit.

Erste braune Flecken sind auf den Blättern von Oriental-Hybrid-Lilien zu erkennen. Innerhalb weniger Tage sind die Blätter völlig braun und fehlen für den Aufbau der neuen Zwiebel.
© von Soosten
Erste braune Flecken sind auf den Blättern von Oriental-Hybrid-Lilien zu erkennen. Innerhalb weniger Tage sind die Blätter völlig braun und fehlen für den Aufbau der neuen Zwiebel.
Lassen wir den Blick in die Blumenrabatten fallen, so hat auch hier dieser Teil des Sommers seine Spuren hinterlassen. Es sei das Beispiel Lilien genannt. Ihre Blätter sind vom Pilz Botrytis elliptica, einem Verwandten der bekannten Botrytisfäule befallen. Zuerst findet man noch unbedeutend aussehend kleine braune Punkte, die dann rasch größer werdend das ganze Blatt befallen. Abgesehen vom hässlichen Aussehen fehlen der Pflanze für die Ausbildung der neuen Zwiebel die Assimilate. Die Zwiebeln bleiben wesentlich kleiner und auch hier besteht die Gefahr der mangelnden Winterfestigkeit und die Anfälligkeit für die allgegenwärtige Fusariumfäule.

nach obenVerheerende Überschwemmungen

"Siebenschläfer" brachte dann, wie der Volksmund sagt, "sieben Wochen schlechtes Wetter". Nun, nicht überall war es schlecht, doch brachte es vielerorts unvorstellbare Gewittergüsse und damit Überschwemmungen, deren Bilder wir sicher noch einige Jahre vor Augen behalten werden. Für das Obst im Garten war das der Ausgang für Fruchtmonilia. An frühen Äpfeln, frühen Pflaumen und Zwetschgen begann mit der Zuckerbildung in der Frucht die typische Fäulnis, erkenntlich an den kreisförmigen Pusteln um die Infektionsstelle.

Seit Mitte August zog dann endlich "normales" Sommerwetter ein. Hoffen wir, dass dies zu einer Kräftigung der geschwächten Pflanzen, insbesondere des in Mitleidenschaft gezogenen Wurzelwerks beitrug. Wer offenen Auges durch die Landschaft geht, wird auch dort Abweichungen vom gewohnten Bild feststellen können. Ein paar weithin sichtbare Beispiele sind die ganz häufig blattlosen Birken. Die Ebereschen haben mehr rote Früchte als Blätter. Das Laub der Kastanien sieht bereits Ende August krankhaft rötlichbraun aus. Dies sind alles Beispiele für unangenehme Folgen eines regenreichen Sommers.

Diese Ligularia war der Mittelpunkt des Schmetterlingslebens in diesem Sommer. Zeitweise saßen fünf verschiedene Arten einträchtig beieinander.
© von Soosten
Diese Ligularia war der Mittelpunkt des Schmetterlingslebens in diesem Sommer. Zeitweise saßen fünf verschiedene Arten einträchtig beieinander.
Denen gegenüber steht aber auch die Beobachtung, dass es kaum Probleme mit Roter Spinne gegeben hat. Schädigende Käfer waren kaum zu finden. Für Milben, z. B. der Erdbeermilbe, war das Wetter in der ersten Sommerhälfte nicht warm genug. Der in den letzten Jahren vermehrt aufgetretene Birnenrost ist merklich zurückgegangen. Und es gab in diesem Jahr trotz aller Unkenrufe aus gewissen Kreisen wieder enorm viele Schmetterlinge, besonders Tagfalter!

In einem von der Biologie motivierten Gärtner schlagen nun zwei Herzen in einer Brust. Wann soll man oder wann kann man in einem Jahr wie diesem mit biologischen oder auch chemischen Mitteln eingreifen um große Kalamitäten zu verhindern? Grundsätzlich kann man sicher nicht viel vorbeugend tun, weil man die Ursache nicht beeinflussen kann. Für das weitere Vorgehen bedarf es vieler eigener Erfahrung, die man durch Erlebnisse oder eigene Fehler gelernt hat. Beginnen kann jeder mit dem Beobachten und Aufzeichnen besonderer Vorkommnisse sowohl des Wetters als auch der Beobachtungen. Daraus kann dann die Entscheidung abgeleitet werden, ob z. B. bei ersten Blattflecken beim Steinobst unter Einhaltung der vorgeschriebenen Wartezeiten zugelassene Mittel ausgebracht werden.

Im Blumenbereich ist es zweifellos einfacher. Dort kann man eher vorbeugend eingreifen um wertvolle Lilienbestände nach Regenperioden gegen Botrytis zu schützen. Nach einem solchen Jahr sollte man sich aufschreiben, welche Rosen unter Blattkrankheiten besonders gelitten haben, um diesen im kommenden Jahr einen besonderen Schutz zukommen zu lassen. Solchen Aufzeichnungen kann man auch Blätter mit typischen Symptomen zufügen. Es entsteht dann ein eigenes "Jahrbuch", das man sicher gern im Winter in die Hand nimmt.

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Um die beiden besprochenen Blattkrankheiten besser unterscheiden zu können, liegen sie hier nebeneinander.
Schrotschuss und Sprühflecken
Zwetschgenblätter mit den typischen Löchern der Schrotschusskrankheit, verursacht durch den Pilz Stigmina carpophila.
Schrotschusskrankheit in diesem Jahr weit verbreitet
Die rötlich-braunen Flecken der Schrotschusskrankheit. Nachdem das abgestorbene Gewebe herausgefallen ist zeigt das Blatt eine schrotschussähnliche Durchlöcherung.
Schrotschusskrankheit kurzhalten!

Schlagworte dieser Seite:

Blattfallkrankheit, Botrytis elliptica, Drepanopeziza, Schrotschusskrankheit, Sprühfleckenkrankheit

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