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Berostung an Äpfeln

September 2002 In der zweiten Hälfte des Sommers werden die zunehmend größeren Äpfel wieder in den Vordergrund rücken. Dann fallen auch die Beschädigungen an den Früchten auf, die vorher entweder noch klein und unauffällig oder für unser Auge noch nicht sichtbar waren. Die nebenstehenden Fotos zeigen die markantesten Schadbilder.


nach obenSortentypische Berostungen

Berostungen können genetisch bedingt sein und gehören bei der Sortengruppe der Renetten eigentlich als Charakteristikum zum Bild der Frucht. Erinnert sei an die so weit bekannte Sorte 'Schöner von Boskoop'. Zu dieser Sorte gehört ein gewisses Maß an Berostung!

Unter den älteren Apfelliebhabern gibt es vielleicht noch den einen oder anderen, der die Sorte 'Krügers (oder Celler) Dickstiel' kennt. Ohne Berostung würde man die Sorte nicht erkennen.

Aber Berostung ist auf dem modernen Apfelmarkt zu einem Makel abgestempelt worden und man bemühte sich aus dem Boskoop eine fast nicht berostete Variante zu selektieren, der man den Namen 'Bakker' zusetzte.

nach obenZur Berostung neigende Sorten

Andere Sorten sind in bestimmten Phasen ihrer Entwicklung empfindlich gegen Einflüsse von außen. Wir kennen sicher alle noch die Sorte 'Golden Delicious', die bei nasskaltem Wetter in der Nachblütezeit die Fruchtschale rauh und rostig werden ließ. Dies ist die Folge von Beschädigung der ganz feinen für unser Auge nicht sichtbaren Behaarung der jungen Frucht in den Stadien bis Haselnussgröße. Das Wachstum der Fruchtschale versucht die Beschädigungen durch Korkbildung auszugleichen. Bei der Ernte sehen wir dann besonders in der Baumspitze teilweise oder ganz rauhe, leicht gebräunte Früchte. Geschmacklich sind sie den normalen Früchten ebenbürtig, manchmal sogar süßer. Der Handel lehnt sie als "nicht sortentypisch" ab.

Diese Art der Berostung kommt bei fast allen bekannten Marktsorten vor: 'Elstar', 'Jonagold' mit seinen Mutanten und selbstverständlich beim 'Cox Orange' und 'Holsteiner Cox'. Bei den letzteren gab es viele Jahre Streit darüber, ob Berostungen an diesen beiden Sorten als sortentypisch vom Handelsklassengesetz toleriert werden sollen.

nach obenNetzartige Berostungen

'Jonathan' mit der netzartigen Berostung kurz vor der Pflückreife.
© von Soosten
'Jonathan' mit der netzartigen Berostung kurz vor der Pflückreife.
Eine andere Form von Berostung entsteht bei frühem Befall von Mehltau. Der Mehltaupilz überwintert als Pilzgeflecht in den Knospen befallener Triebe und beginnt mit dem Austrieb der Blätter zu wachsen. Infektionen finden schon im Knospenstadium statt. Ganz häufig infizieren die Sporen die inneren Blütenorgane, sodass gelegentlich auf einer heranwachsenden Frucht Pilzmyzel vorhanden sein kann. Das führt zu einer netzartigen Berostung der Fruchthaut. Der Pilz selbst kann nur im ganz frühen Stadium der Frucht existieren, er stirbt sehr bald ab. Aber der gesetzte Schaden wächst mit der Frucht und die geschädigten Zellen verkorken. Diese Form finden wir an den stark mehltauanfälligen Sorten wie 'Jonathan' und seinen Nachkommen.

nach obenFolgen von Spätfrösten

Korkstreifen, der von der Blüte über Frucht bis zum Stiel reicht.
© von Soosten
Korkstreifen, der von der Blüte über Frucht bis zum Stiel reicht.
Ein ‘Ingrid Marie’ mit den Rissen in dem Roststreifen um die Blüte.
© von Soosten
Ein ‘Ingrid Marie’ mit den Rissen in dem Roststreifen um die Blüte.
Dass ungewöhnliche Witterungseinflüsse Veränderungen an der Frucht verursachen können, wurde bereits gesagt. So sind auch die Spätfröste und Temperaturen eben über dem Gefrierpunkt als Verursacher für die folgenden Veränderungen zu nennen. Drei Formen sind erwähnenswert:

  1. Korkstreifen, die sich von der Blüte bis zum Stiel erstrecken
  2. Frostgürtel, die sich um die ganze Frucht ziehen und sie gewissermaßen einschnüren
  3. Streifen starker Berostung um die Blüte herum, die mit zunehmendem Wachstum einreißen und verkorken

Die einzelnen Sortengruppen scheinen unterschiedlich zu reagieren. Beim 'Boskoop' finden wir ganz häufig Korkstreifen von der Blüte zum Stiel. Diese Früchte sehen hässlich aus und sind aufgrund ihrer veränderten Oberfläche auch fäulnisanfällig.

'Jonagold' und 'Elstar' neigen zu Frostgürteln, und typisch für die Sorte 'Ingrid Marie' und die Cox-Sorten ist die Rissbildung um die Blüte. Ganz häufig sieht man eine von dort ausgehende Moniliafäule.

Für uns als Gartenliebhaber gibt es kaum Möglichkeiten, diesen Gefahren entgegenzuwirken. Denn in den meisten Fällen sind die Witterungsumstände die Verursacher. Lediglich bei der netzartigen Berostung kann durch Entfernen der Mehltauspitzen im Herbst vorbeugend eingegriffen werden.

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So groß ist die biologische Vielfalt beim Apfel.
80 Jahre für eine neue Sorte
"Besen": Diesem Baum wird jährlich ein "Rasierschnitt" verpasst. Ansonsten würden alle Früchte im Schatten reifen und vermutlich stippig werden.
Gute Fruchtqualität
'Rubinola' besticht durch einen guten Geschmack. In mehreren Tests schnitt sie sehr gut ab.
Resistente Apfelsorten

Schlagworte dieser Seite:

Apfel, Berostung, Mehltau

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