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Der Sommerschnitt

August 2002 Der Sommerschnitt habe den Winterschnitt zu unterstützen und zu ergänzen. So haben wir es auf zahlreichen Schnittdemonstrationen gelernt und auf Begehungen gezeigt bekommen. Aber ist Sommerschnitt gleich Sommerschnitt? Das Ziel des Sommerschnittes soll der verzögerte Eingriff zur Gestaltung der Krone, eine Ergänzung des Schnittmaßes, Einflussnahme auf das Erntemaß, Reduzierung des sommerlichen Zuwachses und die Verbesserung der Fruchtausfärbung sein. Diese unterschiedlichen Vorhaben sind sicher unter einen Begriff zu bringen. Spricht man aber über den Sommerschnitt, so sollte das angestrebte Ziel klar definiert und ausgedrückt werden.


Die Fortsetzung oder Ergänzung des winterlichen Schnittes kann schon bald nach dem Austrieb oder gar nach der Blüte fällig werden, denn nicht immer ist im Winter der zu erwartende Blütenbesatz zu erkennen. In diesem Falle kann die Reduzierung des Blütenansatzes oder die Zahl der Früchte korrigiert werden. Altes Fruchtholz, überbauende Äste, dichte Astpartien werden noch einmal ausgelichtet. Denn nicht jedem Gartenliebhaber ist es gegeben, sich schon im Winter die richtige Vorstellung vom Maß der Auslichtung zu machen. Und das Wetter zur Blütezeit entscheidet letztlich über den Erfolg der Befruchtung. So können Eingriffe vor oder besser nach der Blüte die Belichtung des inneren Kronenraumes, das Maß der Ernte und vielleicht schon die zu erwartende Qualität beeinflussen.

nach obenLangtriebe

Überzählige Langtriebe wurden entfernt, einige heruntergebunden.
© May
Überzählige Langtriebe wurden entfernt, einige heruntergebunden.
Zu viele Langtriebe verhindern die Belichtung des Kroneninneren.
© May
Zu viele Langtriebe verhindern die Belichtung des Kroneninneren.
Um die Blüte herum beginnt der Langtrieb und damit erweitert sich das Kronenvolumen. Bei kleinkronigen Baumformen, denen der Raum vorgegeben ist, kann der Langtrieb auf einen darunter liegenden Ast zurückgesetzt werden. Auf diese Weise regulieren wir die Kronengröße.

Aber nicht nur die optische Größe verringert sich, sondern wir greifen in einen Kreislauf ein: In den Spitzen der Langtriebe entstehen Stoffe, Wachstumshormone, die, nachdem sie in die Wurzelspitzen gelangen, dort das Wachstum anregen. Das wiederum führt zu stärkerem Wuchs des Baumes und wieder zu neuen Langtrieben. Nehmen wir also einen Teil der Langtriebe vorzeitig weg, verringern wir dadurch auch die gesamte Triebleistung. Hierin liegt die Ursache des früher so verbreiteten Formobstbaues. Mehrfaches Einkürzen und Vereinzeln der Langtriebe führt zur Verringerung des Kronenvolumens.

nach obenAstring und Schlafende Augen

Langtriebe (Wasserreiser), vor allem an größeren Schnittstellen, sollten alle entfernt werden.
© May
Langtriebe (Wasserreiser), vor allem an größeren Schnittstellen, sollten alle entfernt werden.
Rechtzeitiges Entfernen der Langtriebe erlaubt ein Herausreißen des Triebes mit dem Astring.
© May
Rechtzeitiges Entfernen der Langtriebe erlaubt ein Herausreißen des Triebes mit dem Astring.
Langtriebe sind auch die sogenannten Wasserreiser, die an größeren Schnittstellen entstehen. Sie sollten alle entfernt werden. Dies passiert am besten, wenn sie etwa 20 cm lang sind. Man reißt sie mit dem "Astring", das ist die Ansatzstelle in der Rinde, heraus. Dann ist zwar die Wunde etwas größer, dafür sind aber die "Schlafenden Augen", austriebfähige Ersatzaugen, mitentfernt.

An Jungbäumen die im vergangenen Winter angeschnitten wurden, finden sich die Konkurrenztriebe. Beim Herunterbinden von Ästen kommt es oft durch die Oberseitenförderung zur "Reiterbildung". Gelegentlich wachsen Triebe ins Innere der Krone. Auf die hier genannten Neutriebe kann man verzichten. Zum Sommerschnitt können wir auch die korrigierenden Behandlungen zählen, wie das Herunterbinden von neugebildeten Ästen, die für den Aufbau des Kronengerüstes nicht gebraucht werden. Wir können durch Binden die Astwinkel verbessern. Diese Maßnahmen sollten um die Monatswende Juni/Juli durchgeführt werden.

Hat man an Bäumen einen Verjüngungsschnitt durchgeführt oder gar eine Umveredlung vorgenommen, dann sind diese Eingriffe von besonderer Bedeutung. Um möglichst schnell wieder in den Vollertrag zu kommen, leitet man den Zuwachs konsequent in jene Teile, die langfristig in der Krone gebraucht werden. Wasserschosse und Konkurrenztriebe werden frühestmöglich entfernt zugunsten des erwünschten Jungholzes. Es sei auch an die Beseitigung der Wurzelschosse erinnert.

nach obenSommerschnitt ist eine von mehreren Maßnahmen

Diese sommerlichen Schnittmaßnahmen sollen und dürfen nicht einen vernachlässigten Winterschnitt ersetzen. Greift man zu stark ein, kann es zu einem erneuten Austrieb kommen und dem Baum fehlt unter Umständen die Zeit zum Ausreifen des Holzes. Es leidet dann die Winterfestigkeit und Frostschäden wären die Folge.

Nehmen wir einem reich tragenden Baum größere Mengen an Laub weg, so geht ihm die Assimilationsfläche verloren, die für die Fruchtgröße entscheidend ist. Daher ist es geraten, bei guttragenden Bäumen die Schnittmaßnahmen auf ein absolut notwendiges Maß zu reduzieren. Bei schwachtragenden Bäumen kann dagegen etwas stärker eingegriffen werden.

Belichtungsschnitt

Jede zu erntende Frucht sollte einmal am Tage von der Sonne angelacht werden.
© May
Jede zu erntende Frucht sollte einmal am Tage von der Sonne angelacht werden.
Zu einem späteren Zeitpunkt, nämlich 2 bis 4 Wochen vor der Ernte, kann ein weiteres Mal korrigierend eingegriffen werden. Hier gilt der Ausfärbung der Frucht das Hauptaugenmerk. Es ist ein Zeitpunkt, an dem der Gartenbesitzer sehr gut erkennen kann, ob Schnitt- und andere Pflegemaßnahmen erfolgreich waren, oder ob noch ein wenig nachgeholfen werden muss. Letzteres trifft besonders für die Ausfärbung und damit für das Aroma der Früchte zu. Mit Bedacht sollten hier die Früchte freigestellt werden. Das heißt, kleinere Zweige, die auf der Frucht Schatten verursachen, werden entfernt. Älteres Fruchtholz, dessen Früchte im absoluten Schatten im Inneren der Krone sitzen, wird entfernt. Dies sollte als ein Hinweis für den Winterschnitt gelten, denn oft wagt man es sich im Winter nicht. Aber unbelichtete oder ungefärbte Früchte entsprechen nicht unserer Zielvorstellung. Jede zu erntende Frucht sollte einmal am Tage Sonnenschein bekommen! Daher stammt der neuzeitliche Begriff: Belichtungsschnitt.

Untersaat

Nicht zum Schnitt, aber zu diesem Zeitpunkt und im Zusammenhang mit Schnittmaßnahmen kann der Gedanke interessant sein, unter Bäumen mit starkem Wuchs und schwachem Behang eine Einsaat zu machen, die das Ziel hat, der Wurzel den verfügbaren Stickstoff zu entziehen. Je nach Lage im Garten und Größe der Fläche können das Gründüngerarten sein, wie z. B. Senf, Lihoraps, Getreide oder Sommerblumen aus selbstgeernteten Samen, z. B. Ringelblumen. Der Aufwuchs kann dann im Winter oder im zeitigen Frühjahr gemulcht oder eingearbeitet werden. Diese Einsaat bindet ein eventuelles Zuviel an Stickstoff und setzt ihn im Frühsommer wieder frei.

Der Sommerschnitt ist eine Möglichkeit Baumwachstum und Ertrag zu beeinflussen. Aber es ist nur eine von mehreren, und die übrigen entscheiden mit über den Erfolg. Daher sind z. B. die Ernährung, der Pflanzenschutz und Bodenpflege gleichwertige Maßnahmen.

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Schlagworte dieser Seite:

Belichtungsschnitt, Langtrieb, Sommerschnitt

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