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Erneuerbare Energien: Welche Heizung passt?

August 2021 Die neue CO2-Regelung der Bundesregierung ist in Kraft getreten, das macht fossile Brennstoffe teurer. Für Hausbesitzer*innen kann sich der Umstieg auf erneuerbare Energieträger lohnen ...


Außenmontage am Neubau
© Vaillant Group
Außenmontage am Neubau
Energiesparen und das Klima schützen: Das ist das Ziel der Bundesregierung, um bis zum Jahr 2050 die strengen Klimaziele zu erreichen. Dafür haben sich Bund und Länder im Zuge des Klimapakets auf einen CO2-Preis für fossile Energieträger geeinigt: Er startete Anfang dieses Jahres mit 25 Euro pro Tonne Kohlendioxid – und steigt bis 2025 schrittweise auf 55 bis 65 Euro. Damit erhöhen sich die Kosten beim Heizen nicht nur mit Öl, sondern auch mit Gas.

Ein Beispiel: Ein Haushalt mit einer Wohnfläche von 150 m2 und einer Ölheizung muss mit Mehrkosten von knapp 180 Euro pro Jahr rechnen. 2025 sind es schon knapp 390 Euro zusätzlich gegenüber 2020. Dadurch erhöhen sich die Heizkosten für diesen Haushalt bis 2025 um insgesamt knapp 1.350 Euro. Haben Sie eine Gasheizung, fällt die Belastung etwas geringer aus: 2021 erhöht der CO2-Preis die Heizkosten im 150-Quadratmeter-Haus um etwa 135 Euro, 2025 um fast 300 Euro pro Jahr. In Summe laufen bis 2025 Zusatzkosten von rund 1.030 Euro auf.

Steigende Heizkosten
© Bausparkasse Schwäbisch Hall
Steigende Heizkosten

Bei Energieträgern, die auf erneuerbare Energien setzen, wie etwa Pelletheizungen und Wärmepumpen, fällt der CO2-Preis übrigens nicht an. Deshalb fördert die Bundesregierung den Umstieg mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). In der BEG wurden bisherige Förderprogramme des Bundesamtes für Ausfuhrkontrolle (BAFA) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zusammengeführt und zum Teil weiterentwickelt. Eigenheimbesitzer, die sich von ihrer alten Heizung trennen, bekommen weiterhin erhebliche Zuschüsse für die Umstellung auf ein Heizsystem, das erneuerbare Energien nutzt.

nach obenDiese Heizungstypen gibt es

Die Zahl der unterschiedlichen Heizsysteme ist groß. Für Einfamilienhäuser kommen derzeit vor allem drei Grundtypen in Frage, nachdem Ölheizungen ja eigentlich nicht mehr in Betracht kommen: eine Gasbrennwertheizung, die Erdgas ziemlich effizient nutzt, die Wärmepumpe, die Erd- oder Luftwärme fürs Heizen nutzt, dazu aber zusätzlich auch noch Strom verbraucht – oder ein Heizkessel, der fast klimaneutral Holzpellets verbrennt. Diese Systeme werden immer öfter durch eine Solaranlage ergänzt, die Warmwasser oder Strom erzeugt – oder beides.

Welche Lösung individuell und langfristig optimal ist, sollte gründlich und vor allem rechtzeitig geplant werden: Besser jetzt als im kommenden Winter, wenn die Heizung im Januar bei Minusgraden ausfällt. Um einen umfassenden Überblick zu bekommen, ist die Beratung durch Experten unverzichtbar.

nach obenWärmepumpe

Spezielle Wärmepumpen für die Sanierung
© tdx/Stiebel Eltron
Spezielle Wärmepumpen für die Sanierung
Während sich die Wärmepumpe im Neubau längst als Heizung durchgesetzt hat, gibt es im Altbau Nachholbedarf. Allerdings entwickelten die Hersteller in den letzen Jahren spezielle Geräte für die Sanierung. Eine Wärmepumpe nutzt für Heizung und Warmwasserbereitung die vorhandene Umweltenergie aus Erde, Umgebungsluft oder dem Grundwasser. Für den Betrieb benötigt die Wärmepumpe zwar Strom, doch aus einer Kilowattstunde Elektrizität macht sie bis zu fünf Kilowattstunden Wärmeenergie im Gebäude. Damit sinken die individuellen CO2-Emissionen durch die Heizung schon mal mindestens auf die Hälfte. „Wer noch mehr CO2 einsparen möchte, nutzt Ökostrom oder selbst produzierte Energie von der Photovoltaikanlage auf dem Dach“, erklärt Henning Schulz, Pressesprecher des Haustechnikherstellers Stiebel Eltron. Der Experte geht davon aus, dass gut 70 Prozent aller Altbauten effizient von einer Wärmepumpe beheizt werden können – ohne umfassende Modernisierungsmaßnahmen wie eine Dacherneuerung oder eine zusätzliche Dämmung. Stromanbieter bieten spezielle Tarife für Wärmepumpenstrom an. Wärmepumpen lassen sich in der Regel problemlos mit dem vorhandenen Wärmeverteilsystem, also den Heizkörpern oder der Fußbodenheizung, verbinden. Wichtig: Die Wärmepumpe muss genau zum Haus passen.

nach obenPelletheizung

Die Pellet werden automatisch in den Brennraum transportiert und verfeuert.
© Paradigma/txn
Die Pellet werden automatisch in den Brennraum transportiert und verfeuert.
Holz kann als nachwachsende Biomasse in modernen Zentralheizungen gut einheizen. In den meisten Fällen nimmt man dafür Pellets. Das sind etwa 3 cm lange und 6 mm dicke Stäbe aus gepressten Holzresten. Sie weisen wie normales Holz gute Umweltfaktoren auf und sind weitgehend CO2-neutral. Gegenüber Stückholz haben die Pellets einige Vorteile: Der Wassergehalt ist sehr niedrig, es bleibt sehr wenig Asche übrig, es werden deutlich weniger Schadstoffe freigesetzt und sie können automatisch in den Brennraum transportiert und verfeuert werden. Für die Pellets wird ein trockener Lagerraum benötigt. Wenn Sie vorher eine Ölheizung mit Öllager besaßen, reicht der vorhandene Platz zur Lagerrung der Pellets. Die Anschaffungskosten sind vergleichsweise hoch, dafür profitieren Sie von geringen Betriebskosten und Förderungen.

nach obenWas ist eine Hybridheizung?

Eine gute Lösung für Altbauten bietet die sogenannte Hybridheizung. Diese kombiniert mehrere Wärmequellen miteinander. Ein weit verbreitetes System ist zum Beispiel die Gasheizung plus Solarthermie-Anlage. Und auch Wärmepumpen erweisen sich als teamfähig. Der Grundgedanke bei der Hybridheizung: Jede Heizungskomponente arbeitet immer im optimalen Bereich, also genau dann, wenn die Wärme am effizientesten erzeugt werden kann. So übernehmen etwa Wärmepumpe oder Solarthermie-Anlage in der wärmeren Jahreszeit die Regie, während die Gasheizung an kalten Wintertagen einspringt. Wichtige Grundlage ist allerdings eine vorausschauende Planung. Denn das Herzstück der Hybridheizung ist ein Pufferspeicher, an den alle Heizungsbestandteile Wärme abgeben. Und damit sie das auch können, müssen ausreichend Anschlüsse am Speicher und Platz eingeplant werden.

nach obenSolarenergie

Sonnenkollektoren heißen genau genommen Solarthermieanlagen. Diese ergänzen die Heizungsanlage, etwa für die Warmwassererwärmung und auch zur Heizungsunterstützung. Da die Sonne nicht ständig gleichmäßig scheint, werden solarthermische Anlagen oft mit modernen Brennwertkesseln kombiniert. Aber auch eine Kombination mit einem Pelletkessel oder einer Wärmepumpe kann sinnvoll sein. Der Ertrag einer Solaranlage hängt von Fläche, Ausrichtung und Neigung der Kollektoren ab. Die Solaranlage sollte für den tatsächlichen Warmwasser- oder Heizwärmebedarf genau geplant werden. Dieser ist wiederum abhängig von der Anzahl der Personen, die in dem Haushalt leben sowie der Wohnfläche des Gebäudes. Bei der Installation müssen Sie bedenken, dass Leitungen und Kabel verlegt werden müssen, um die Wärme vom Dach zum Heizungskeller oder Haustechnikraum zu bringen. Dabei werden oft alte Schornsteinschächte genutzt – dennoch müssen Sie die Leitungen bei den Investitionskosten einplanen.

Eine gute Lösung für Altbauten ist die Hybrid­heizung.
© epr/Thermondo
Eine gute Lösung für Altbauten ist die Hybrid­heizung.
Solarthermieanlage
© epr/Thermondo
Solarthermieanlage

nach obenHeizen mit Öl und Gas?

Nachdem im letzten Jahr das Klimapaket beschlossen wurde, wuchs die Sorge, dass es künftig keine öl- oder gasbetriebenen Heizungen mehr geben wird. Tatsächlich werden beide Heizsysteme auch in Zukunft noch erlaubt sein – wie der Blick in die neuen Förderrichtlinien für den Heizungsbereich zeigt. Wer heute einen Öl- oder Gaskessel kauft, wird ihn voraussichtlich noch bis zum Ende der Gerätelebensdauer betreiben können. Ab Mitte des nächsten Jahrzehnts sind neu eingebaute Heizölkessel aber vermutlich nur noch in Verbindung mit erneuerbaren Energien zulässig. Allerdings unterstützt die neue Förderrichtlinie den Kauf von Ölheizungen nicht mehr.

Gasheizungen sind nach wie vor mit Abstand das meist genutzte Heizungssystem in deutschen Haushalten. Gas-Brennwertkessel überzeugen durch moderate Kosten sowohl in der Anschaffung als auch im laufenden Betrieb. Hinzu kommt ein ökologischer Betrieb dank moderner Brennwerttechnik. Dabei nutzen Gasheizungen zwar einen fossilen Energieträger, moderne Geräte sind jedoch in der Lage diese bestmöglich auszunutzen. So lassen sich gegenüber veralteten Modellen 30 Prozent des Energiebedarfs sparen.

nach obenFörderung erneuerbarer Energien

Die Förderbedingungen wurden Anfang 2021 mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) vereinheitlich, vereinfacht und verbessert. Reine Gas- und Öl-Kessel werden allerdings gar nicht mehr gefördert.

Vollständig erneuerbare Energien: Hausbesitzer*innen, die vollständig auf erneuerbare Energie setzen, etwa mit einer Pelletheizung oder einer Wärmepumpe, können mit 35 Prozent hohe Zuschüsse bekommen. Der Austausch einer alten Ölheizung bringt nochmal 10 Prozent zusätzlich, also 45 Prozent für die Pelletheizung oder die Wärmepumpe.

Gas-Hybridheizung: Wer etwa auf eine Gasheizung in Kombination mit erneuerbaren Energien (z. B. mit Solarkollektoren) umsteigt, bekommt für diese so genannte Gas-Hybridheizung einen Zuschuss von 30 Prozent der Kosten. Bei einer Investition von beispielsweise 20.000 Euro beträgt der Zuschuss 6.000 Euro. So wird ein erheblicher Teil der Mehrinvestition für die Solarkollektoren durch den Zuschuss finanziert. Auch bei der Gas-Hybridheizung erhalten Verbraucher*innen einen zusätzlichen 10-prozentigen Ölaustauschbonus.

Gas-Brennwertkessel: Der Austausch einer Heizung durch einen Gas-Brennwertkessel kann mit 20 Prozent Zuschuss gefördert werden, wenn nach spätestens zwei Jahren eine Komponente mit erneuerbaren Energien dazukommt. Das können zum Beispiel Solarkollektoren oder eine Wärmepumpe sein. Die später zu ergänzende Komponente kann dann ebenfalls bezuschusst werden.

nach obenBeratung

Die Förderung für Heizungen mit erneuerbaren Energien ist immer vor Abschluss des Liefer- und/oder Leistungsvertrages (etwa bei Ihrer Installationsfirma) zu beantragen. Informieren Sie sich daher frühzeitig über mögliche Förderprogramme, die damit verbundenen Bedingungen, und lassen Sie sich unabhängig beraten. Die Verbraucherzentrale bietet seit Anfang 2021 den „Eignungs-Check Heizung“ an, eine bundesweite individuelle Beratung zum Heizungstausch und die jeweilige passende Heiztechnik. Die Beratung erfolgt in drei Schritten:

  1. Zuerst checkt eine Energieberatung vor Ort die vorhandene Heiztechnik. Im Gespräch werden die vorliegenden technischen Randbedingungen geprüft. Dazu geben Sie ihre Präferenzen in Bezug auf die zukünftige Heiztechnik an.
  2. Es wird ermittelt, welche Energieanschlüsse und Möglichkeiten zur Brennstofflagerung auf dem Grundstück vorhanden sind. Die Klärung dieser Fragen hilft zu prüfen, welche Heiztechniken überhaupt realisierbar sind.
  3. Ist die Bestandsaufnahme abgeschlossen, gibt es einen Vergleich der infrage kommenden Heiztechniken anhand verschiedener Faktoren und Kriterien wie CO2-Emissionen, Investitionskosten, Förderung und anfallende Betriebskosten. Als Ergebnis erhalten Sie eine grafische Darstellung der drei am besten geeigneten Heiztechniken und eine Gesamtübersicht mit allen geprüften Techniken.

„Durch unsere Unabhängigkeit können wir den Ratsuchenden die für ihre individuelle Situation am besten geeignete Heiztechnik empfehlen. Wir beraten produktoffen und beziehen alle relevanten Heiztechniken mit ein“, erläutert Stefan Materne, Referent für Versorgungstechnik der Energieberatung der Verbraucherzentrale. Dank der Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium kostet diese Beratung nur 30 Euro. Infos gibt es auf www.verbraucherzentrale-energieberatung.de oder unter 0800 – 809 802 400 (kostenfrei).

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Beratung, Erneuerbare Energie, Heizung, Heizöl, Heizölpreise, Hybridheizung, KfW, Pelletheizung
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