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Richtig heizen: Interview / Seite 4

Dezember 2018


nach obenWelche Heizung ist die Richtige?

Dr. Johannes Spruth, Autor des Buches „Ratgeber Heizung“, ist Diplom-Physiker und hat über 25 Jahre als Energieberater bei der Verbraucherzentrale NRW viele Hauseigentümer bei der energetischen Sanierung ihrer Immobilie beraten – ebenso Bauherren bei der Planung ihrer Haustechnik für einen Neubau. Seine besonderen Interessen sind die Nutzung der Sonnenenergie mit thermischen Solaranlagen oder Photovoltaik und der Einsatz von Wärmepumpen.

FuG: Der Schornsteinfeger hat die jährliche CO2- und Abgasverlustmessung durchgeführt, doch das Ergebnis entspricht nicht der Verordnung. Was muss jetzt getan werden?

Dr. Johannes Spruth: Vermutlich handelt es sich in diesem Fall um einen betagten Heizkessel. Dann ist es wahrscheinlich sinnvoll, über einen neuen Wärmeerzeuger nachzudenken. Da gibt es dann zahlreiche Möglichkeiten vom reinen Kesselaustausch bis zum Wechsel des Energieträgers, möglichst mit Nutzung erneuerbarer Energie. Sollte der Kessel noch nicht so alt sein, könnte es sich lohnen, eine Heizungswartung durchführen zu lassen. In jedem Fall ist es sinnvoll, eine Energieberatung vor Ort zu beauftragen.

Gibt es eine goldene Regel bei der Heizungsplanung?
Rechtzeitig mit der Planung anfangen – sonst werden Sie durch den defekten Heizkessel zum Handeln gezwungen! Und ganzheitlich planen, das heißt am besten im Rahmen einer Energieberatung vor Ort auch die Chancen der baulichen Verbesserung des Hauses mitbedenken. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, aus denen Sie wählen können.

Was ist der häufigste Fehler bei der Heizungsplanung?
Früher war das eine überdimensionierte Anlage ohne hydraulischen Abgleich. Das sollte der Vergangenheit angehören. Aber oft wird auch heute nur in eine Richtung gedacht, das heißt, der vorhandene Heizkessel wird durch einen neuen mit modernerer Technik ersetzt. Dabei könnte ein Blockheizkraftwerk (BHKW), ein Holzkessel oder eine Hybrid-Wärmepumpe oft sinnvoller sein.

Neubau oder Heizungsaustausch im Altbau – was für einen Unterschied macht das?
Beim Neubau sind alle Möglichkeiten offen. Sie können relativ einfach ein Effizienzhaus mit attraktiver Förderung erreichen. Im Altbau sind dagegen meistens Heizkörper vorhanden, die hohe Vorlauftemperaturen benötigen. Und die Heizlast, also der Bedarf an Heizwärme, ist erheblich größer als im Neubau. Das schränkt die Möglichkeiten ein.

In welchen Fällen lohnt sich der Austausch einer Heizung?
Anders herum: Der Austausch lohnt sich nicht, wenn die Anlage jünger als zehn Jahre ist und es sich um ein Brennwertgerät oder einen Holzkessel handelt. Dann ist es sinnvoller, die vorhandene Anlage zu optimieren. In allen anderen Fällen sollte eine Abschätzung der Einsparmöglichkeiten erfolgen.

Ist bei Renovierung ein Wechsel der Energiequelle sinnvoll?
Das kommt darauf an: Wenn Sie bereits eine Holzfeuerung haben, so gibt es nicht viele sinnvolle Alternativen. Ganz anders, wenn Sie zurzeit mit Strom heizen. Sie finden in unserem Ratgeber dargestellt, welche Möglichkeiten es für die unterschiedlichen Ausgangslagen gibt.

Lassen sich Klimaschutz und finanzielle Einsparung eigentlich verbinden, oder sind die sauberen Techniken so teuer, dass man am Ende immer draufzahlt?
Hier ist oft eine Win-win-Situation möglich. In unserem „Ratgeber Heizung“ rechnen wir dazu einige Beispiele genauer durch. In vielen Fällen ist die wirtschaftlichste Lösung eine Kombination von Wärmepumpe und Photovoltaikanlage. Ein solches Haus entlastet sogar die Umwelt von CO2 durch Verdrängung von Kohlestrom.

Es werden ja immer mehr Wärmepumpen-Heizungen verbaut – kommt diese Technik für alle Gebäude in Frage?
Bei Wärmepumpen kommt es auf sorgfältige Planung und Ausführung an. Im Neubau ist das immer möglich. Bei Bestandsgebäuden ist eine genauere Untersuchung notwendig. Optimal wäre der Einbau von Fußbodenheizungen oder sehr großflächigen Heizkörpern. In einigen Fällen ist nur eine Hybrid-Wärmepumpe sinnvoll, die noch durch einen herkömmlichen Heizkessel unterstützt wird, oder eine Erd-Wärmepumpe.

Wie sinnvoll ist eine Solarwärmeanlage?
Thermische Solaranlagen werden interessanter, je größer der Anteil des Warmwassers am Gesamtenergiebedarf ist. Mit einer großen Anlage, kombiniert mit einer guten Dämmung, können Sie ein „Sonnenhaus“ erreichen, das über 50 Prozent seiner Wärmeenergie durch die Sonne bekommt. Hier winken sehr attraktive Fördersummen.

Kann man eine Solaranlage auch mit einer bestehenden Heizung kombinierten?
Die Kombination mit einer Photovoltaikanlage ist bei geeignetem Dach immer sinnvoll. Eine thermische Solaranlage für die Warmwasserbereitung oder Heizungsunterstützung kann nachgerüstet werden, wenn Sie ausreichend Platz für den Solarspeicher haben und davon auszugehen ist, dass Ihr derzeitiger Heizkessel noch viele Jahre hält. Ansonsten ist vermutlich eine Neuanlage sinnvoller.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Anbindung von Heizungen an vernetzte Smart-Home-Systeme?
Die Steuerung der Raumtemperaturen über vernetzte Thermos­tatventile ist immer möglich. Ob sich auch die zentrale Heizungssteuerung vernetzen lässt, muss von Fall zu Fall untersucht werden.

Ein BHKW liefert Wärme und Strom zugleich – was ist dabei zu beachten?
Ein BHKW muss sehr gut geplant werden. Die Wirtschaftlichkeit hängt vor allem davon ab, welcher Anteil des erzeugten Stroms im eigenen Hausnetz genutzt werden kann. Die Wärmeleistung muss im Ein- oder Zweifamilienhaus nur klein sein. Insbesondere Brennstoffzellenheizgeräte werden hier immer interessanter, zumal sie sehr gut gefördert werden.



nach obenBuch-Tipp

Ratgeber Heizung: Wärme und Warmwasser für mein Haus
© Verbraucherzentrale
Ratgeber Heizung: Wärme und Warmwasser für mein Haus


Ratgeber Heizung. Wärme und Warmwasser
Lohnt sich der Austausch meiner alten Heizung überhaupt? Ab wann rechnet sich meine neue Heizungsanlage? Welche Technik gilt als die beste, wirtschaftlichste und umweltverträglichste, wenn ein Neubau oder ein energetisch sanierter Altbau mit einer Heizung ausgestattet werden soll? Wer sich mit dem Thema Heizung intensiver beschäftigen und mit dem Installateur mitreden möchte, findet hier Antworten auf alle Fragen. Der Autor informiert über Vor- und Nachteile der einzelnen Techniken, rechnet verschiedene Varianten – vom Brennwertkessel über die Solarwärmeanlage bis zur Wärmepumpe – durch und zeigt anhand von Beispielgebäuden deren Wirtschaftlichkeit.

ISBN 978-3-86336-091-7, 224 Seiten, 19,90 Euro, als E-Book 15,99 Euro. Unter ratgeber-verbraucherzentrale.de, in den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen und im Buchhandel erhältlich.

nach obenKosten und Förderung für die Heizung

Der Austausch von mindestens zwei Jahre alten Heizungspumpen durch Hocheffizienzpumpen wird durch den Staat mit 30 Prozent bezuschusst. Das Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik e. V. (VdZ ) hat berechnet, dass sich diese Kosten zügig amortisieren, denn die neue Pumpe verbraucht bis zu 80 Prozent weniger Energie. Die jährliche Ersparnis beträgt bis zu 100 Euro. Der hydraulischer Abgleich wird ebenfallsmit dem 30-Prozent-Zuschuss gefördert.

Auch die Investitionskosten für die Erneuerung der Heizung müssen Hausbesitzer nicht allein stemmen. Über die aktuellen staatlichen Förderungen oder zinsgünstigen Kredite der KfW-Bank können Sie sich beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) www.bafa.de, bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau kfw-foerderbank.de oder der Deutschen Energie-Agentur dena.de informieren.


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Schlagworte dieser Seite:

Buch-Tipp, Heizen, Heizkessel, Interview, Photovoltaik, Ratgeber, Solaranlage, Solarwärmeanlage, Sonnenenergie, Wärmepumpe, Wärmepumpen-Heizungen

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