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Können Häuser atmen?

Tobias Schellenberger, Geschäftsführer Industrieverbandes Polyurethan-Hartschaum (IVPU)
© IVPU
Tobias Schellenberger, Geschäftsführer Industrieverbandes Polyurethan-Hartschaum (IVPU)

Januar 2016 Beim Wohnen erwarten wir eine gute Raumluftqualität, ausgeglichene Temperaturen und Behaglichkeit. Dipl.-Ing. Tobias Schellenberger, Geschäftsführer des Industrieverbandes Polyurethan-Hartschaum (IVPU) erklärt, wie dieses Vorurteil entstanden ist.


Woher stammt der Mythos von "atmenden Häusern"?

Der immer noch weit verbreitete Mythos entstammt einem Messfehler, der Dr. Max von Pettenkofer unterlief, als er vor rund 150 Jahren den Luftwechsel in Wohngebäuden untersuchte. Vermutlich hatte er versäumt, bei seinen Messungen den Kamin abzudichten. Bereits 1928 wurde dieser Mythos widerlegt. Der Bauphysiker Erwin Raisch konnte in umfangreichen Versuchen nachweisen, dass ein relevanter Luftaustausch durch Fugen und Ritzen von Fenstern und Türen, aber nicht durch verputzte Wände erfolgen kann. Er stellte fest, dass der Luftdurchgang pro Stunde durch ein einziges Schlüsselloch in einem Zimmer 50-mal größer ist als durch einen Quadratmeter Außenwand. Die Bezeichnung "Atmen" ist also auf jeden Fall falsch, da sie den Eindruck erweckt, dass Luft durch Dach oder Wand ein- und ausströmt.

Was hilft dann gegen feuchte und schlechte Luft?

Gegen dicke Luft hilft im Grunde nur Lüften. In jedem Haus ist ein sogenannter Mindestluftwechsel erforderlich, damit die Bewohner mit ausreichend frischer Luft versorgt und Schadstoffe in der Luft abgeführt werden. Wie schon gesagt, im Gegensatz zu Lebewesen atmen und transpirieren Häuser nicht, sondern werden im Normalfall durch das Öffnen der Fenster belüftet. Undichte Fenster und Türen ohne Gummidichtungen führten früher zu einer unkontrollierten "Dauerbelüftung", die im Winter als unangenehme "Zugluft" wahrgenommen wurde. Heute ist die Hülle − also Dach, Wand und Fenster − moderner Gebäude sehr viel dichter, so dass Feuchtigkeit aus den Innenräumen durch gezielte Lüftung abgeführt werden muss. Vorteil ist, dass die Räume bedarfsgerecht gelüftet werden können. Wichtig ist, dass die Bewohner nach einer energetischen Sanierung auf diese "neue Situation" hingewiesen werden und ihr Lüftungsverhalten umstellen.

Wo kann Schimmel entstehen?

Schimmel entsteht beispielsweise an der Innenseite der Wand, wenn sich Feuchtigkeit an der Oberfläche niederschlägt. So sind nicht gedämmte Wände im Winter innen ziemlich kalt. Wärmebrücken sind ebenfalls ein Problem. Feuchtwarme Raumluft kühlt daran ab, es bildet sich Tauwasser. Ab einer Oberflächenfeuchte von 80 Prozent wächst dort Schimmel. Ist eine Wand auf der Außenseite gedämmt, kühlt sie an der Innenseite weniger aus. Die hochwertige Dämmung ist also der erste Schritt, um das Tauwasser- und Schimmelrisiko zu reduzieren.

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Lüften gegen Schimmelpilz und Feuchtigkeit?
Klare Sache: Neue Fenster
Frischkur für die Fassade / Seite 3

Schlagworte dieser Seite:

Behaglichkeit, Dauerbelüftung, Feuchtigkeit, Luftaustausch, Lüften, Raumluftqualität, Schadstoffe, Schimmelrisiko, Temperatur, Wärmebrücke, Zugluft

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