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Alternative Wärmedämmverbundsysteme

Januar 2014 Wir haben Sie in den letzten Monaten regelmäßig über die gängigen Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) informiert. In dieser Ausgabe streifen wir die Systeme mit den geringsten Marktanteilen: die so genannten alternativen WDVS.


Im Vorfeld einer Dämmung mit einem alternativen Wärmedämmverbundsystem sollten Sie sich bei dem Gesamtverband Dämmstoff-Industrie (http://www.gdi-daemmstoffe.de) informieren, welcher Fachbetrieb in Ihrer Nähe für den Dämmstoff Ihrer Wahl fit ist und die Arbeiten ausführen kann. Oft sind diese Dämmmstoffe etwas hochpreisiger, da die Nachfrage nicht so groß ist.



nach obenHanf

Hanf ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Er stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden, wächst sehr schnell (4 m in 100 Tagen), benötigt zum Anbau keine Herbizide oder Pestizide und hinterlässt einen unkrautfreien und lockeren Boden. Das daraus gewonnene Baumaterial gehört zu den organischen Dämmstoffen in der Gruppe der pflanzlichen Faserdämmstoffe. Die Dämmwirkung wird durch den Einschluss von Luft in den Faserzwischenräumen erzeugt.

Der Anbau von einigen rauschgiftarmen Hanfsorten ist seit 1996 wieder erlaubt.

Anbau

Das Hanfstroh wird nach dem Rösten im Werk in Fasern und Schäben getrennt. Die Hanffasern werden mit Flammschutzmitteln (Soda oder Ammoniumphosphat) behandelt und zu Dämmmatten oder Stopfdämmung verarbeitet, die verholzten Schäben zu Schüttdämmstoffen oder festen Platten. Für die Herstellung von Dämmmatten werden die Hanffasern in der Regel mit Kunststofffasern gemischt und durch Vliesbildner befördert. Im darauf folgenden Thermobondierofen schmilzt der PE-Mantel der Kunststofffaser und verbindet so die Hanffasern.

Einsatz

Die Matten können als Dämmmatten mit Polyesterstützfasern und Soda für Wand, Dach und im Bodenbereich eingesetzt werden. Hanffasern können als Stopfmaterial und Hanfschäben als Schüttmaterial ohne Zusätze eingesetzt werden. Lose Hanffasern mit Borsalzen sind − Zellulosefasern ähnlich − als Einblasmaterial verwendbar. Hanfschäben mit Bitumen werden als selbstverfestigendes Schüttmaterial eingesetzt. Hanffasern dürfen keiner permanenten Feuchtigkeit ausgesetzt sein.

(Informationen zu WDVS finden Sie unter Anderem auf www.caparol.de.)

Beispiel für die Montageabläufe eines WDV-Systems aus Hanf der österreichischen Firma Capatect.

  • | © Capatect
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nach obenKokosfasern

Zur Gewinnung der Kokosfaser wird die Umhüllung der Kokosnuss, welche diese Faser enthält, längere Zeit in einem größeren Sumpfbecken einem Fäulnisprozess ausgesetzt. Alle organischen fäulnisanfälligen Stoffe faulen ab. Nur die absolut fäulnisresistente, so genannte Kokosfaser bleibt zurück und wird nach einem Wasch- und Trockenprozess in den Handel gebracht.

Verarbeitung und Anwendung

Neben außerordentlicher Elastizität zeichnet diese Faser im Vergleich zu den mineralischen Fasern eine sehr hohe Bruch- und Reißfestigkeit aus. Kokosfasern sind fäulnissicher auch bei längerer Berührung mit Wasser, und geruchlos. Verfilzt haben sie gute Wärme- und Schalldämmeigenschaften. Außer auf dem Bau wird die Kokosfaser besonders in der Isolier- und Polsterindustrie eingesetzt.

nach obenKork

Als Kork wird der Rindenrohstoff der Korkeiche bzw. die daraus hergestellten Produkte bezeichnet. Der Baum ist eine immergrüne aus Nordafrika und Südwesteuropa stammende Eichenart. Der Stammumfang einer ausgewachsenen Korkeiche beträgt 2 bis 5 m, die Höhe maximal 30 m. Bei der Korkernte wird die Rinde vom Stamm geschält. Eine technisch vollwertige Ernte ist allerdings erst nach frühestens 15 Jahren möglich. Danach kann der Schälvorgang alle 8 bis 14 Jahre wiederholt werden, ohne jegliche Schädigung des Baumes. Die beste Ernte erhält man jedoch nach 50 bis 100 Jahren.

Die Korkplatten werden vor der Weiterverarbeitung sortiert und bis zu 6 Monate lang getrocknet. Nach dem Trocknen granuliert die Rinde in einer Korkmühle, wobei auch die unerwünschten Holzbestandteile entfernt werden können. Für die Herstellung von Korkdämmplatten muss das Granulat bei Temperaturen von etwa 350 °C ohne Zusätze im überhitzten Wasserdampf expandieren. Die hierbei entstehenden Korkblöcke werden auf natürliche Weise mit dem Harz Suberin gebunden. Anschließend erfolgt das Zuschneiden der Blöcke zu Platten oder die Weiterverarbeitung als Granulat. Korkprodukte sind unter normalen Bedingungen beständig gegen Ungeziefer, Fäulnis- und Schimmelbildung. Daher werden dem Material meist weder Fungizide noch Herbizide oder Flammschutzmittel zugegeben.

Anwendung

Die Verwendung von Kork als Dämmstoff ist sehr vielseitig. Im Dach wird er als Zwischensparrendämmung oder als Aufdachdämmung ausgeführt, in Wänden als Wärmedämmverbundsystem, Gefachdämmung in Holzrahmenbauweise oder Kerndämmung, in Böden ist er auch als Trittschalldämmung unter Estrichen einsetzbar. Ob Granulat oder Platten verwendet werden, richtet sich nach dem jeweiligen Anwendungszweck − im Schichtaufbau sind Dämmplatten nötig, bei Hohlräumen Granulat.

nach obenSchafwolle

Zur Wärmedämmung kommt Schafwolle in Form von Bahnenware zum Einsatz. Dafür wird die Schafwolle nach dem Scheren gewaschen, um Wollfett und Schmutz zu entfernen, und anschließend durch ein Mottenschutzmittel (Mitin FF) vor keratinfressenden Insekten geschützt. Nach dem Trocknen wird die Wolle mit einem Reißwolf aufgelockert, entknäult und zu einem sehr feinen Vlies verarbeitet. Dieses wird bis zur gewünschten Dicke übereinandergelegt und vernadelt.

Verarbeitung und Anwendung

Die so entstandenen Dämmbahnen können je nach Verarbeitung als Trittschall- oder Wärmedämmung verwendet werden. Schafwolle ist stark hygroskopisch, kann bis zu einem Drittel des Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, ohne wesentliche Einbußen bei der Wärmedämmung. Eine Besonderheit ist das Abbauvermögen von Gerüchen und Luftschadstoffen. Schafwolle eignet sich daher als Sanierungsmaterial für raumluftbelastete Gebäude und zur Fremd- und Reizstoffprävention bei Neubauten.

nach obenSchilfrohr

Schilf bzw. Schilfrohr ist eine Süßgräserart, die in verschiedenen Arten weltweit vorkommt. In ihrer Hauptwachstumszeit kann die Sumpfpflanze an einem Tag bis zu 3 cm wachsen und erreicht in Europa eine Höhe bis zu 4 m. Aufgrund ihres Wurzelkriechverhaltens ist die Pflanze ein aggressiver Verlandungspionier, der unter Umständen die übrige Vegetation vollständig verdrängt. Dieses Verhalten kann jedoch durch Pflege und Beschnitt reguliert werden. Schilf wird bereits seit der Frühsteinzeit für Bauzwecke verwendet, als Dachdeckung oder als Unterkonstruktion für Lehm- oder Kalkputze.

Das Schilfrohr wird nach dem ersten Frost geerntet, wenn das Rohr ausgetrocknet und abgestorben ist. Die Ernte wird heute überwiegend maschinell eingebracht, ist aber nach wie vor stark witterungsabhängig. Das Material muss nach dem Mähen gut austrocknen, da es ansonsten fault und unbrauchbar wird. Die Halme werden nach der Trocknung nach Größe und Einsatzzweck sortiert. Lange dicke Schilfrohre kommen für Schilfrohrdämmung, dünne Schilfrohre für Dachdeckungen (Reetdächer) zum Einsatz, alles andere dient als Ausgangsstoff für Schilfgranulat und Schilffaserplatten.

Anwendung

Die Verwendung von Schilf als Dämmstoff ist sehr vielseitig. Im Dach wird er als Zwischensparrendämmung oder als Aufdachdämmung ausgeführt, in Wänden als Wärmedämmverbundsystem (nicht im Sockelbereich), Gefachdämmung in Holzrahmenbauweise oder Kerndämmung sowie Innendämmung. Schilfrohrdämmplatten sind in Bodenaufbauten auch als Trittschalldämmung unter Estrichen einsetzbar.

Achtung: Es gibt derzeit noch keine Schilfrohrplatten mit "Allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung".

(Textquelle: www.baunetzwissen.de)

nach obenÜbersicht technische Daten

DämmstoffWärmeleitfähigkeitRohbaudichteWasserdampfdiffusionswiderstandBaustoffklasse nach DIN 4102
Hanf (Matten)0,040 – 0,048 W/(mK)24 – 42 bzw. 90 kg/m³1 – 2B2
Kokosfasern0,040 – 0,050 W/(mK)Stopfwolle: 40 – 90 kg/m³
Filze und Platten: 70 – 120 kg/m³
1B2 normal entflammbar
Kork0,0365 W/(mK)etwa 100 – 120 kg/m³5 – 10B2
Schafwolle0,040 W/(mK)20 – 140 kg/m³1 – 2B2 normal entflammbar
Schilfrohr0,038 – 0,065 W/(mK)etwa 190 – 225 kg/m³2B2

Wärmeleitfähigkeit

Die Wärmeleitfähigkeit "Lambda" (λ) ist eine Stoffeigenschaft. Sie gibt den Wärmestrom an, der bei einem Temperaturunterschied von 1 Kelvin (K) durch eine 1 m² große und 1 m dicke Schicht eines Stoffs geht. Die Einheit ist W/(mK). Je kleiner die Wärmeleitfähigkeit, umso besser ist das Dämmvermögen.

Rohdichte

Die Rohdichte wird in kg/m³ oder g/cm³ gemessen und bezeichnet das Gewicht der Raumeinheit eines porösen Stoffs einschließlich seiner Porenräume. Zu berücksichtigen ist dabei der Feuchtigkeitsgehalt des Stoffs, da er das Gewicht und das Volumen beeinflusst. Die Rohdichte beeinflusst die Wärmeleitfähigkeit und Festigkeit eines Materials in hohem Maße.

Wasserdampf-Diffusionswiderstand

Die Diffusion ist ein – ohne äußere Einwirkung eintretender – Ausgleich von unterschiedlichen Gaskonzentrationen. Die Wasserdampf-Wanderung, bzw. Diffusion, erfolgt also immer zum Stoff mit der geringeren Feuchtigkeit. Die Diffusion ist der Antrieb für die Trocknung feuchter Bauteile, gleichzeitig aber auch Ursache für die Durchfeuchtung von Stoffen.

Wichtig

WDVS sind vom Deutschen Institut für Bautechnik in Berlin (DIBt) bauaufsichtlich zugelassen und werden nur von Herstellern von WDVS geliefert. Die Anbringung sollte von qualifizierten Handwerkern erfolgen, zum Selbstbau kann nicht geraten werden.

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Aufbau eines WDVS (Wärmedämm-Verbundsystem)
Wärmedämm-Verbundsysteme
Bild 1: Dämmstoffbahn
Alternative Baustoffe - So renovieren Sie nachhaltig / Seite 2
Polyurethan-Dämmplatten werden mit Klebemörtel/-schaum auf die Außenwand aufgeklebt und/oder mit Dübeln mechanisch befestigt.
WDVS aus Polyurethan

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Dämmstoff, Hanf, Hanfstroh, Kokosfaser, Kokosnuss, Kork, Schafwolle, Schilfrohr, WDVS, Wärmedämm-Verbundsystem

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