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Wärmedämm-Verbundsysteme

Juli 2013 Laut EU müssen ab 2021 alle Neubauten dem Passivhaus-Standard entsprechen. Damit kommen im Dachbereich Dämmschichten bis 40 cm auf uns zu, im Wandbereich bis zu 30 cm. Auch bei der Haustechnik wird sich einiges ändern und es stellt sich die Frage nach der Bezahlbarkeit. Umso wichtiger ist es, die Verbraucher rechtzeitig gut zu informieren, damit sie selbst entscheiden können, welche Maßnahmen für sie und ihr Haus in Frage kommen bzw. sich rechnen. In der Juni-Ausgabe ließen wir daher Pro- und Contra-Stimmen zum Thema "Dämmen" zu Wort kommen. Dieses Mal stellt Dipl.-Ing. Detlef Keßler das WDVS-System des deutschen Marktführers STO vor.




Aufbau eines WDVS (Wärmedämm-Verbundsystem)
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Aufbau eines WDVS (Wärmedämm-Verbundsystem)
Fassadendämmung mit Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) ist Baualltag – und doch müssen bei jedem Dämmvorhaben entsprechende Einzelheiten neu durchdacht werden. Meist geht es dabei um Fensterbankanschlüsse, Eckausbildungen, nachträgliche Befestigungen im Dämmsystem oder die Stoßfestigkeit leicht zugänglicher Fassadenbereiche. Hinzu kommen Fragen zu Brandschutz, Windlasten oder Dübelverteilung.

Eine Fassade muss in puncto Witterungs-, Wärme-, Brand- und Schallschutz zahlreichen Anforderungen gerecht werden. In jedem dieser Bereiche bieten WDVS Vorteile. Sie sind fugenlos, schlagregendicht und zeichnen sich durch hohe Wasserdampfdurchlässigkeit aus. Das Durchfeuchten des Mauerwerks wird verhindert. Die Außendämmung schützt vor Wärmebrücken und größeren Temperaturschwankungen, wodurch das Wärmespeichervermögen des Mauerwerks deutlich erhöht wird.

nach obenEinsatzgebiete

Dämmplatten aus Polystyrol-Hartschaum können in der Regel bis zur Hochhausgrenze angewendet werden, bei höheren Gebäuden kommen nichtbrennbare Systeme zum Einsatz – beispielsweise mit Dämmstoffen aus Mineralwolle oder Mineralschaum. Schallschutzverbesserungen sind durch den Einsatz von elastifizierten Polystyrol-Hartschaum-Dämmplatten oder Mineralwolle-Dämmplatten der Wärmeleitfähigkeitsgruppe (WLG) 035 zu erzielen.

WDVS können auf nahezu allen massiven Untergründen, bestehend aus Mauerwerk oder Beton, verputzt oder unverputzt eingesetzt werden. Grundbedingung ist jedoch, dass die Oberfläche des Untergrundes fest, trocken, fett- und staubfrei ist. Eine Überbrückung von Gebäude-Dehnfugen oder von sich bewegenden, statischen Rissen im Untergrund ist mit einem WDVS nicht möglich. Gebäude-Dehnfugen sind in das Dämmsystem zu übernehmen!

Auch auf Plattenwerkstoffen im Holzbau, z. B. auf organisch gebundenen Holzwerkstoffplatten, zement- oder gipsgebundenen Flachpressplatten sind WDVS in vielen Ländern Europas zugelassen. Sonstige Untergründe, die nicht in den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen beschrieben sind, sind für WDVS zunächst einmal nicht geeignet.

nach obenZulassung

WDVS gibt es seit mehr als 50 Jahren. Seit Mitte der 1990er-Jahre sind sie bauaufsichtlich zugelassen. Allerdings hat sich die durchschnittliche Dämmstoffdicke aufgrund steigender Anforderungen an die Gebäude-Energieeffizienz von rund 5 cm in den 1970er-Jahren auf heute durchschnittlich 10 cm erhöht. Dies hat deutliche Auswirkungen auf die Systemanschlüsse beziehungsweise -abschlüsse und den Brandschutz.

Jedes WDVS mit all seinen Systemkomponenten wird gemäß der europäischen Prüfleitlinie ETAG 004 untersucht. Nach bestandener Prüfung erhält es eine europäische technische Zulassung (ETZ), die den Verkauf des WDVS erlaubt. Um es dann auch montieren zu dürfen, benötigt man zusätzlich ein nationales Anwendungsdokument, in dem die länderspezifischen Verarbeitungsvorgaben und Sicherheitsbeiwerte berücksichtigt werden. In Deutschland werden derzeit auch noch allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen ausgestellt, die gleichwertig zu europäisch technischen Zulassungen mit nationalem Anwendungsdokument sind. Um baurechtlich korrekt zu sein, dürfen nur geprüfte Komponenten, die in der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung ausgewiesen sind, verwendet werden.

nach obenBefestigung

WDVS unterscheiden sich gemäß der verwendeten Dämmstoffe (siehe Kasten) sowie der unterschiedlichen Befestigungsarten:

  • ausschließlich geklebt
  • geklebt und zusätzlich gedübelt
  • mechanisch befestigt

Ausschließlich geklebte WDVS sind dann möglich, wenn der Untergrund für eine dauerhafte Verklebung, bei einer Zugfestigkeit von mindestens 0,08 N/mm², dies entspricht etwa 8 t/m², geeignet ist. Neben der Zugfestigkeit ist die Verträglichkeit zwischen einer möglichen Untergrundbeschichtung und dem Klebemörtel nachzuweisen. Bei einem sauberen, unbeschichteten Mauerwerk oder bei sauberem, unbeschichtetem Beton kann von einem klebegeeigneten Untergrund ausgegangen werden. Als lediglich zu verklebende Dämmstoffe kommen Polystyrol-Hartschaumplatten und Mineralwolle-Lamellen in Frage.

Geklebt und gedübelte WDVS kommen dann zur Anwendung, wenn der Untergrund nicht für eine dauerhafte Verklebung geeignet ist oder die Systeme aufgrund der eingesetzten Dämmstoffe oder Systemaufbauten immer statisch relevant gedübelt werden müssen.

Ausschließlich mechanisch befestigte WDVS sind in der Regel Problemlöser, um zum Beispiel große Untergrundunebenheiten auszugleichen.

nach obenGebäudeöffnungen

Anschluss Fensterbank
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Anschluss Fensterbank
WDVS müssen schlagregendicht ausgeführt werden. Das heißt, Fensterbänke müssen so ausgewählt werden, dass sie thermisch bedingte Längenänderungen problemlos aufnehmen und den Wassereintritt in das WDVS verhindern. Geeignete WDVS-Fensterbänke bestehen aus Fensterbank- und Bordprofil, die allseitig fest miteinander verschweißt und somit absolut wasserdicht sind. Spannungsfreiheit gewährleisten Dehnungskeder an den Seiten der Bordprofile. Diese elastische Lagerung nimmt thermisch bedingte Längenänderungen auf. Bei der Verarbeitung und Planung ist zu beachten: Anschlüsse an andere Bauteile müssen durch eine Anschlussfuge mit einem Fugendichtband ausgebildet werden. Hohlräume am Bordprofil und unter der Fensterbank sind mit Dämmstoff oder Füllschaum auszufüllen. Die spätere Oberfläche der Fensterlaibung muss mit der Innenseite des Bordprofils abschließen.

Sturzeckwinkel
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Sturzeckwinkel
Um Risse an Laibungskanten oder Innenecken wirkungsvoll zu verhindern, ist der Einsatz von Sturzeckwinkeln sinnvoll. Der vorgefertigte Winkel dient als Armierung der Innenecke und gleichzeitig als Diagonalarmierung. Die optimale Lage der Armierung in diesem kritischen Bereich ist somit gewährleistet.

nach obenLastabtragung

Am WDVS direkt können Anbauteile wie z. B. Außenlampen, Schilder, Geländer oder Briefkästen nur mit speziellen Montageelementen befestigt werden, die vor dem Verputzen der Fassade in den Dämmstoff eingebracht werden. Sie ermöglichen in der Regel eine wärmebrückenarme Befestigung von Anbauteilen. Leichte Lasten wie Außenlampen können an Kunststoffrondellen befestigt werden, die nach dem Einfräsen einer Vertiefung in den Dämmstoff eingeklebt werden. Für schwerere Lasten gibt es Quader aus PUR-Schaum, die direkt auf dem tragenden Untergrund befestigt werden und beispielsweise als Druckwiderlager für Markisen oder Vordächer dienen. Schließlich können für zugfeste Anschlüsse am Untergrund verklebte und zusätzlich verdübelte Montageelemente verwendet werden. Sie eignen sich unter anderem für Geländer zwischen Fenstern und Türen (französische Balkone) oder auch für Jalousiekästen bei Passivhäusern.

nach obenStoßsicherheit

Hagelschaden in Österreich. Bei der Fassade kam im Erdgeschoss ein mineralisches im Obergeschoss ein organisches Wärmedämm-Verbundsystem zum Einsatz.
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Hagelschaden in Österreich. Bei der Fassade kam im Erdgeschoss ein mineralisches im Obergeschoss ein organisches Wärmedämm-Verbundsystem zum Einsatz.
Rein organische Systeme bietet den größten Widerstand gegen einen harten Stoß. Sie erreichen Stoßfestigkeiten von mehr als zehn Joules. Putzsysteme mit mineralischem Aufbau erreichen aufgrund ihrer geringeren Elastizität bei vergleichbaren Schichtstärken nur Stoßfestigkeiten zwischen 2 und 3 Joule. Soll die Unempfindlichkeit gegenüber Stößen weiter gesteigert werden, sorgt bei organischen Systemen bereits eine simple Erhöhung der Unterputzdicke für noch höhere Stoßfestigkeiten.

nach obenBrandschutz

Über jeder Fassadenöffnung ein separater Mineralwollestreifen – das ist ein Muss bei Gebäuden, die höher sind als 7 m und eine Möglichkeit auch bei niedrigeren Bauten. Eine Alternative dazu bietet der "durchlaufende Brandriegel". Sobald die Polystyrol-Hartschaumplatten eine Dicke von 100 mm überschreiten, schreiben die Brandschutzverordnungen so genannte Brandüberschlagsstreifen aus Mineralwolle über den Fensteröffnungen vor. Die Streifen sollen bis zum Eintreffen der Löschmannschaften die Ausbreitung des Feuers über mehr als zwei Geschosse oberhalb der Brandquelle verhindern. Außerdem tragen sie dazu bei, die Gefährdung der Rettungskräfte durch abstürzende Fassadenteile beziehungsweise brennendes Abtropfen zu verringern.

Allerdings ist die Montage der Einzelstreifen besonders bei Fassaden mit vielen Fenstern zeit- und kostenintensiv. Zudem kommt es immer wieder zu Konflikten mit ebenfalls direkt über den Öffnungen angebrachten Rollladenkästen oder Jalousien, was oft aufwendige Sonderlösungen verlangt. Eine wesentliche Vereinfachung – ohne Abstriche bei der Brandsicherheit – bietet der "durchlaufende Brandriegel". Diese Alternative zu Einzelriegeln ist für alle WDVS mit Polystyrol-Hartschaumdämmung offiziell möglich.

nach obenWindsoglasten

WDVS müssen alle äußeren Einwirkungen aus Windsog und Eigengewicht sowie hygrothermische Einflüsse an den tragenden Untergrund weiterleiten. Der Lastabtrag wird dabei von den Dübeln und der schubsteifen Dämmschicht übernommen. Die angreifenden Windsoglasten werden einzig und alleine den Dübeln zugewiesen. Bei Verwendung zugfester Dämmstoffe wie zum Beispiel Polystyrol-Hartschaumdämmplatten oder Mineralwolle-Lamellen, übernehmen diese auch den Lastabtrag von Eigengewicht und hygrothermischen Einwirkungen.

nach obenDämmstoffe

Wärmedämmstoffe lassen sich anhand ihrer Rohstoffe in anorganische und organische Dämmstoffe unterteilen. Letztere vereinigen natürliche und synthetische Materialien. Für einen Großteil dieser Dämmstofftypen bestehen bereits europäische Produkt-Normen.

  • Mineralwolle (EN 13 162) (= Glaswolle oder Steinwolle)
  • Expandierter Polystyrol-Hartschaum (EPS) (EN 13 163)
  • Extrudierter Polystyrol-Hartschaum (XPS) (EN 13 164)
  • Polyurethan-Hartschaum (PUR) (EN 13 165)
  • Mineralschaumplatten
  • Holzwolle-Platten und Holzwolle-Mehrschichtplatten (nach EN 13 168)

Neben diesen "typischen" und seit Jahren im europäischen Hochbau eingesetzten Dämmstoffen (Marktanteil bis zu 95 Prozent) gibt es noch eine Reihe von sogenannten "ökologischen" oder "nachwachsenden Dämmstoffen" wie Baumwolle, Flachs, Hanf oder Kork. Gemessen an den Verkaufszahlen der oben genannten Dämmstoffe spielen diese jedoch eine untergeordnete Rolle. Die wesentlichen Produkteigenschaften wie Brandschutzklasse oder Wärmeleitfähigkeit führen meist dazu, dass werkmäßig hergestellten Dämmstoffen der Vorrang gegeben wird.

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Alternative Wärmedämmverbundsysteme
Bild 1: Dämmstoffbahn
Alternative Baustoffe - So renovieren Sie nachhaltig / Seite 2
Schafe
Dämmung mit Naturstoffen

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