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Energierohstoffe − wie lange sind sie noch verfügbar?

Januar 2012 Es ist nicht einfach zu prognostizieren, wann unsere Energierohstoffe – ohne die könnten wir heute nicht mehr leben – versiegen. Darüber gab es schon immer Spekulationen, ja sogar Kriege. Und da unser Rohstoffverbrauch mit der steigenden Weltbevölkerung zunimmt, bedarf es einer genauen Beobachtung weltweit. Die wohl seriöseste Informationsquelle für die Verfügbarkeit der Rohstoffe ist die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover, deren Studien im Dezember 2011 veröffentlicht wurden.


Warum sollten Sie das in "Familienheim und Garten" lesen? Damit Sie sich für die Zukunft einrichten können.

Wir werden Ihnen mit der hier beginnenden Serie die Situation auf dem Rohstoffmarkt erläutern und Ihnen Alternativen zu den fossilen Rohstoffen aufzeigen. Keinesfalls können wir aber prognostizieren, wie sich die Preise für den Verbraucher auf dem Energiemarkt entwickeln. Mit Sicherheit werden sie weiter steigen und Sie müssen für sich selbst entscheiden, welche Energie für Sie die wichtigste ist.

Auch wollen wir Ihnen helfen, mit neuer Technik Geld zu sparen. In der Februar­-Ausgabe werden wir zum Beispiel Grundsätzliches über das Heizen mit der Brennwert­-Technik erklären.

  • Aktuelle und mögliche Entwicklung des globalen Primärenergieverbrauchs. | © DERA Hannover
  • Vergleich des Einsatzes der Primärenergieträger und des Verhältnisses der Eigenversorgung (inländische Produktion) und des Importanteils für Deutschland. | © DERA Hannover
  • Entwicklung der auf Europa bezogenen nominalen Preise der Energierohstoffe in US-Dollar. | © DERA Hannover
  • Anteile der nicht erneuerbaren Energierohstoffe an Förderung, Reserven und Ressourcen weltweit Ende 2010 (EJ=Exajoule) | © DERA Hannover

Gesamtpotenzial der Energierohstoffe 2010: Regionale Verteilung (ohne Kohleressourcen der Antarktis sowie ohne Ressourcen von Aquifergas, Erdgas aus Gashydrat und Thorium, da nicht regional zuordenbar), (kumulierte Förderung der Kohle ab 1950).
© DERA Hannover
Gesamtpotenzial der Energierohstoffe 2010: Regionale Verteilung (ohne Kohleressourcen der Antarktis sowie ohne Ressourcen von Aquifergas, Erdgas aus Gashydrat und Thorium, da nicht regional zuordenbar), (kumulierte Förderung der Kohle ab 1950).

Begriffserklärungen

Aquifergas: in Wasser gelöstes Gas
EJ: Exajoule (1 EJ = 1018 J = 278 x 109 kWh = 34,1 x 10⁶ t SKE)
Gashydrat: natürlich vorkommende Verbindung aus Gasen und Wasser, das sich in einer eisähnliche Struktur befindet und somit fest ist.
Kumulierte Förderung: Summe der Förderung seit Förderbeginn.
Reserven: nachgewiesene, zu heutigen Preisen und mit heutiger Technik wirtschaftlich gewinnbare Energierohstoffmengen.
Ressourcen: nachgewiesene, aber derzeit technisch und/oder wirtschaftlich nicht gewinnbare sowie nicht nachgewiesene, aber geologisch mögliche, künftig gewinnbare Energierohstoffmengen.
SKE: Steinkohleeinheit; entspricht der Energiemenge, die beim Verbrennen von 1 kg Steinkohle frei wird.
Thorium: radioaktives chemisches Element, welches als mögliche Alternative zum Uran gilt.



nach obenErdöl

Weltweit ist Erdöl mit einem Anteil von etwa 34 Prozent am Primärenergieverbrauch weiterhin der wichtigste Energieträger und wird dies auch auf absehbare Zeit bleiben. Die Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko 2010 und der unkontrollierte Austritt von Erdöl und Erdgas zeigten drastisch die Risiken der Suche nach Kohlenwasserstoffen, besonders in großen Wassertiefen. Die US-Behörden verlangten damals deutlich erhöhte Sicherheitsstandards für Tiefseebohrungen. Nach heutigem Stand scheinen diese Maßnahmen gegriffen zu haben, sodass auch wieder im Golf von Mexiko die Suche nach Erdöl fortgesetzt wird.

Knapp 70 Prozent der Erdölreserven befinden sich in einem relativ eng begrenzten Gebiet. Dieses Gebiet, die so genannte "Strategische Ellipse", reicht vom Nahen Osten über den Kaspischen Raum bis nach Nordwest­-Sibirien. Nicht­konventionelle Erdöle wie Schweröl, Schwerstöl, Ölsand oder Ölschiefer werden in Zukunft eine immer größere Rolle bei der Energieversorgung spielen. Besonders große Vorkommen dieser Rohstoffe finden sich zum Beispiel in Venezuela (Schwerstöle) und Kanada (Ölsande), die wirtschaftliche Gewinnbarkeit hängt jedoch in hohem Maße von der Entwicklung des Ölpreises ab.

Der Bedarf von Erdöl stieg mit dem Wirtschaftsaufschwung in 2010 gegenüber den Vorjahren. Die Förderung wurde deutlich gesteigert und hat 2010 den bisherigen Höchststand von 2008 um über 40 Millionen Tonnen übertroffen. Die Russische Föderation liegt weiterhin als größter Produzent vor Saudi-Arabien und den Vereinigten Staaten.

Basierend auf dem neuen Datenstand für Erdöl, wurde von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe eine mögliche Erdölförderung bis 2050 aktualisiert. Nicht berücksichtigt ist die zukünftige Förderentwicklung für Schwerstöle, Öl aus Ölschiefern, Öl aus Kohleverflüssigung und Kohlenwasserstoffe aus Biomasse.

Aufgrund dieser Rahmenbedingungen wäre eine moderate Steigerung der Erdölförderung bis maximal 2036 möglich. Eine erhöhte Förderung konventionellen Erdöls ist nicht zu erwarten. Zuwächse gibt es nur bei Kondensat und nicht­konventionellem Erdöl.

Erdöl ist der einzige nicht erneuerbare Energierohstoff, bei dem in den kommenden Jahrzehnten eine steigende Nachfrage nicht mehr gedeckt werden kann. Deshalb ist die rechtzeitige Entwicklung alternativer Energiesysteme unumgänglich.

Gesamtpotenzial an Erdöl 2010 — 678 Milliarden Tonnen (Mrd. t): Regionale Verteilung
© DERA Hannover
Gesamtpotenzial an Erdöl 2010 — 678 Milliarden Tonnen (Mrd. t): Regionale Verteilung

Begriffserklärungen

Kumulierte Förderung: Summe der Förderung seit Förderbeginn.
Reserven: nachgewiesene, zu heutigen Preisen und mit heutiger Technik wirtschaftlich gewinnbare Energierohstoffmengen.
Ressourcen: nachgewiesene, aber derzeit technisch und/oder wirtschaftlich nicht gewinnbare sowie nicht nachgewiesene, aber geologisch mögliche, künftig gewinnbare Energierohstoffmengen.

nach obenErdgas

Mit einem Anteil von 24 Prozent war Erdgas im Jahr 2010 am weltweiten Primärenergieverbrauch nach Erdöl und Hartkohle wieder drittwichtigster Energieträger. Die Erdgasförderung stieg auf den Rekordstand von 3,2 Billionen Kubikmetern an. Dieser deutliche Anstieg basiert auf einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung und dem kalten Winter in Europa – entsprechend zogen die Preise an. Die größten Erdgasproduzenten sind die Vereinigten Staaten gleichauf mit der Russischen Föderation. Deutschland ist als fünftgrößter Verbraucher auf Erdgasimporte, vor allem aus der Russischen Föderation und Norwegen, angewiesen.

Die Globalen Erdgasreserven haben sich nur unwesentlich erhöht und wurden mit Ende 2010 auf etwa 192 Billionen Kubikmeter geschätzt. Über die Hälfte der Erdgasreserven der Welt sind in der Russischen Föderation, Iran und Katar konzentriert. Mehr als 70 Prozent der weltweiten Reserven befinden sich in der Hand von staatlichen Gesellschaften, nur die fünf größten Ölgesellschaften haben Zugriff auf etwa 3 Prozent der Erdgasreserven. Da die konventionelle Erdgasförderung in Deutschland stagniert, besteht aus geologischer Sicht die Möglichkeit, die Erdgasförderung durch Schiefergas- und Kohleflözgasvorkommen zu erhöhen, um so die Versorgungssicherheit auszugleichen.

Erdgas ist aus geologischer Sicht noch in sehr großen Mengen vorhanden und trotz des absehbaren steigenden Verbrauchs noch über Jahrzehnte verfügbar. Die europäische Gasförderung hat ihr Maximum bereits überschritten und ist zunehmend auf Importe aus der GUS, Afrika und dem Mittleren Osten angewiesen.

Gesamtpotenzial Erdgas 2010 — 819 Billionen Kubikmeter (Bill. m³): Regionale Verteilung.
© DERA Hannover
Gesamtpotenzial Erdgas 2010 — 819 Billionen Kubikmeter (Bill. m³): Regionale Verteilung.

Begriffserklärungen

Kumulierte Förderung: Summe der Förderung seit Förderbeginn.
Konventionelles Erdgas: freies Erdgas oder Erdölgas
Nicht-konventionelles Erdgas: Tight Gas, Schiefergas, Kohleflözgas, Aquifergas und Erdgas aus Gashydrat
Reserven: nachgewiesene, zu heutigen Preisen und mit heutiger Technik wirtschaftlich gewinnbare Energierohstoffmengen.
Ressourcen: nachgewiesene, aber derzeit technisch und/oder wirtschaftlich nicht gewinnbare sowie nicht nachgewiesene, aber geologisch mögliche, künftig gewinnbare Energierohstoffmengen.

nach obenKohle

Die größten Reserven und Ressourcen unter den Energierohstoffen weist die Kohle auf. Damit ist sie der zweitwichtigste Energieträger nach dem Erdöl. Bei der Stromerzeugung ist Kohle aktuell mit einem Anteil von 40 Prozent weltweit der wichtigste Energierohstoff. Seit Beginn des Millenniums erhöhte sich der Kohleverbrauch insgesamt auf etwa 49 Prozent.

Man unterscheidet zwischen Hartkohle und Weichbraunkohle. Hartkohle wird weltweit gehandelt. Dagegen wird Weich­braunkohle aufgrund des geringen Energie- und höheren Wassergehaltes hauptsächlich für eine lagerstättennahe Verstromung eingesetzt.

Kohle entstand im Laufe von Jahrmillionen aus abgestorbenem organischen Material. Durch den Inkohlungsprozess verwandelte sich Torf unter hohen, lange einwirkenden Temperaturen zu Weichbraunkohle und schließlich zu Hartkohle. Während dieses Prozesses stiegen der Kohlestoffanteil und auch der Brennwert. Hartkohlen haben einen sehr hohen Energiegehalt. Sie werden weltweit in unterschiedlichen Qualitäten gehandelt. Je nach ihrer Verwendung werden Hartkohlen in Kesselkohlen und Kokskohlen unterteilt.

Hartkohle

Bei den Staaten mit den größten Hartkohlereserven führen die USA die Tabelle an mit 31 Prozent Weltanteil, gefolgt von China mit 25 Prozent sowie Indien mit 10 Prozent. In Deutschland betragen die bis 2018 subventioniert förderbaren Mengen 0,06 Gigatonnen Hartkohle.

In 2010 waren die größten Hartkohleförderer China mit einem Anteil von 49 Prozent, die USA mit 14 Prozent und Indien mit 8,5 Prozent.

Australien dominiert den Hartkohleweltmarkt mit 28 Prozent vor Indonesien mit 26 Prozent und der Russischen Föderation mit 11 Prozent.

Weichbraunkohle

Nordamerika besitzt das größte Potential an Weichbraunkohle, gefolgt von der GUS und Australasien. Von den weltweit bekannten Weichbraunkohlereserven lagert rund ein Drittel in der Russischen Föderation, gefolgt von Deutschland mit 15 Prozent.

Deutschland ist mit einem Anteil von 17 Prozent der größte Weichbraunkohleproduzent vor China mit 13 Prozent und der Russischen Föderation mit 7,6 Prozent.

Das restliche Potential an Hartkohle und Weichbraunkohle ist ausreichend, um den absehbaren Bedarf für viele Jahrzehnte zu decken. Auch zukünftig wird Kohle also eine bedeutende Rolle bei der weltweiten Energieversorgung einnehmen.

Die steigenden chinesischen und indischen Kohleimporte beeinflussen die globalen und damit auch die europäischen Kohlepreise.

nach obenKernbrennstoffe/Uran

Die Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima hat zu einer weltweiten Diskussion über die Entwicklung der Kernenergie geführt. In vielen Ländern wurden daraufhin Kernkraftwerke auf ihre Sicherheit überprüft und die Rolle der Kernenergie überdacht. Deutschland hat mit der Verabschiedung des 13. Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes am 30. Juni 2011 beschlossen, vollständig auf die Nutzung von Kernenergie zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität ab 2022 zu verzichten. In Europa haben Italien, die Schweiz und Belgien ihre Pläne zum Ausbau der Kernenergie gestoppt. Auf der anderen Seite halten Länder wie die USA, Großbritannien, die Russische Föderation, Tschechien, Finnland, Frankreich, Ungarn, Slowenien, Slowakei, Schweden und Südkorea an der Kernenergie als einem wichtigen Teil ihres nationalen Energiemixes fest. Somit ist auch weiterhin ein weltweit wachsendes Interesse am Ausbau der Kernenergie zu erkennen.

Ende 2010 befanden sich 62 Kernkraftanlagen in 15 Ländern im Bau. Von den weltweit 443 in Betrieb befindlichen Kernkraftwerken wurden rund 68.971 Tonnen Natururan verbraucht. Der Hauptteil stammt aus der Bergwerksproduktion. Bei den Uranreserven steht aus geologischer Sicht auch bei einem absehbar steigenden Bedarf ein ausreichendes Potential für die nächsten Jahrzehnte zur Verfügung.

Uranvorkommen gibt es in nahezu allen Regionen der Welt. Dennoch sind die definierten Reserven an Uran derzeit auf eine begrenzte Anzahl von Ländern konzentriert.

Basiswissen Energie

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1
|
8. November 2013

Cathleen

anbei der Bericht zur Energiesituation

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