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Alle unsere Igel ... und ihre Geschichten

Hier mein Alter: 50 Mio Jahre!
© von Soosten, Rolf
Hier mein Alter: 50 Mio Jahre!

Oktober 2011 Wie hilft man jungen, untergewichtigen Igeln über den Winter? Unsere Autoren berichten von ihren persönlichen Erlebnissen mit den possierlichen Tieren.


Sicher haben Sie in Ihrem Garten schon mal einen Igel gesehen oder gehört. Ein schönes Geräusch, wenn sie die Schneckenhäuser knacken oder Obst schmatzend verzehren. Wussten Sie, dass es Igel seit 50 Millionen Jahren auf unserer Erde gibt? Wahre Überlebenskünstler! Leider haben sie sich noch nicht an die Autos angepasst, denn da hilft Zusammenrollen nichts.

Igel sind Einzelgänger? Wir haben andere Erfahrungen gemacht. Unsere Igelkinder, die wir aufpäppeln und überwintern, kuscheln gern zusammen. Wenn im Frühjahr, Ende April/Anfang Mai, die Igel unseres Gartens ihren Winterschlaf beenden, wissen sie, dass auf der Küchenterrasse Igelfutter und Wasser zu finden sind. Sie kommen regelmäßig spätabends und in der Nacht, haben ihre Igelpfade und futtern gemeinsam, meistens in Eintracht. Oft wird auch interessiert geschnuppert: "Wäre das ein Weibchen für mich?" Manche haben Zecken, die wir ihnen entfernen. Die Tiere haben volles Vertrauen und rollen sich nicht zusammen.

  • Die erste Mahlzeit bei uns! | © von Soosten, Rolf
  • Umwelt? Nein, mein Zuhause! | © von Soosten, Rolf
  • Nach 14 Tagen und gutem Futter! | © von Soosten, Rolf
  • Das glänzende Stachelkleid, das weiche Bauchfell und die gesunde Neugier – das ist Wohlbefinden pur! | © von Soosten, Rolf
  • Bei so leckerem Futter wird der Appetit immer größer! | © von Soosten, Rolf
  • Biene beginnt, mit trockenem Laub ihr Heim einzurichten. | © von Soosten, Rolf
  • Umwelt? Nein, mein Zuhause! | © von Soosten, Rolf
  • Igelauflauf! | © von Soosten, Rolf

nach obenVerschmuste Findlinge

Bekanntlich bestehen Igel nicht nur aus Stacheln. Die tragen sie nur auf dem Rücken. Ansonsten ist er (oder sie) absolut kuschelig mit Fell bewachsen. Beim Streicheln sind die Stacheln angelegt und weich wie Seide. Igel sind große Schmuser und sehr liebebedürftig.

Wir möchten Ihnen gern von "unseren" Igeln erzählen: Biene, Großer und Kleines Brüderchen. Ende September erhielten wir einen Anruf von einem unserer Tierärzte. Kinder hätten ein Igelbaby gebracht, das seit zwei Tagen auf dem Rasen lag. Gewicht: 90 g. Beim Abholen "weinte" das Baby herzzerreißend! Dann, mit Wärmflasche und Rotlicht, wurde es ruhig. Die Augen waren noch geschlossen, das Kleine war kalt und dehydriert. Auf zum nächsten Supermarkt, um laktosefreie und fettreduzierte Milch zu holen! Mit der Einmalspritze verabreicht, nahm es die leicht temperierte Nahrung gut an. Anschließend wurde das Bäuchlein mit einem feuchten Papiertaschentuch massiert – die Zunge, wie die Igelmama es macht, wollten wir doch nicht nehmen. Mini-Igel müssen 24 Stunden täglich alle zwei Stunden gefüttert und ihr Bäuchlein massiert werden. Nach einer Woche öffnete das Igelkind die Augen und sein Gewicht hatte sich positiv entwickelt. Auch sein Hunger war erfreulich und die Verdauung funktionierte. Kleine Igel brauchen Wärme (Wärmeflasche), aber es ist auch überaus wichtig, dass sie in ihrem Kasten oder Karton ebenfalls eine kühlere Zone haben.

Nach einer guten Gewichtszunahme, kam der Versuch, die kleine Biene an feste Nahrung zu gewöhnen: Erst wurde die Milch mit Tatar gemischt. Dann versuchten wir, ihr das Essen und Trinken aus dem Näpfchen beizubringen. (Reaktion: Nee, ich will nicht. So was Blödes!) Igelchen an normale Kost zu gewöhnen, erfordert Geduld. Wenn man keine hat, muss man sie erlernen. Nach einigen Rückschlägen nahm sie es an, festes Futter und nur noch Wasser zu bekommen. Die Gewichtszunahme war weiter positiv, ihre Anhänglichkeit an uns auch.

Dann kam Großes Brüderchen. Auf der Küchenterrasse liegen unter unserem Vogelfutterspender immer Kerne und Erdnüsse. An einem frühen Abend Ende Oktober futterte ein kleines Igelkind Nüsse. Wir holten es in Haus, stellten Gewicht (180 g) und Geschlecht (männlich) fest und der Kleine bekam seine Erstbehausung, Futter sowie Wasser. Das schien zu schmecken!

Einen Tag später die gleiche Situation – Kleines Brüderchen (160 g) zog bei uns ein. Am nächsten Morgen wurden beide "Jungs" in einen Korb gepackt. Wir fuhren zu einer Tierärztin, die langjährige Erfahrung mit Igeln und selber auch schon viele großgezogen hat. Alle unsere Igel werden dem Tierarzt vorgestellt, gegen Lungenwürmer, Darmparasiten und Flöhe behandelt, untersucht und abgehört.

nach obenGesund und munter

Die beiden Brüder in ihrer zukünftigen Umgebung
© von Soosten, Rolf
Die beiden Brüder in ihrer zukünftigen Umgebung
Schließlich wurden die drei Igel, nach behüteter Eingewöhnungsphase auf dem Rasen, dick und rund in die Freiheit entlassen. Zugegeben, das Auswildern ist immer schmerzlich für die Pflegeeltern. Zum Glück vergessen die meisten Igel ihre Pflegefamilie aber sofort.

Sollten Sie in Ihrem Garten mal wieder einem Igel begegnen: liebe Grüße! Und denken Sie daran, den Tieren ausschließlich Wasser zum Trinken zu geben, niemals Milch! Nur die Babys erhalten laktosefreie Milch mit reduziertem Fettgehalt.

Übrigens: Im Jahr 2009 war der Igel Wildtier des Jahres! Er steht unter besonderem Naturschutz, kommen doch viele Tausend Tiere im Laufe eines Jahres durch den Verkehr unschuldig ums Leben.

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Schlagworte dieser Seite:

Fütterung, Igel, Igelfutter, Pflege, Wildtiere, Zecken

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Diesen Artikel kommentieren (1)

1
|
17. Dezember 2015

Wolfgang Brandt

Igel und Obst:
Achtung, Igel sind ausschließlich Fleischfresser und fressen kein Obst, allenfalls Nüsse (Erdnüsse). Wenn sie sich an heruntergefallenes Obst heranmachen, dann lediglich, um die darin befindlichen Maden oder Würmer zu vertilgen. Dass sich dabei die eine oder andere "Obstbeigabe" nicht vermeiden lässt, dürfte einleuchten....

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