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Science Fiction im Vorgarten − Roboschafe erobern Deutschlands Rasenflächen

Roboschafe erobern Deutschlands Rasenflächen
© Archiv
Roboschafe erobern Deutschlands Rasenflächen

Mai 2009 In jungen Jahren dachte ich, Maschinenmenschen seien reine Utopie und Fronarbeiten wie Spülen oder Rasenmähen gehörten bis ans Ende meiner Tage zum Pflichtprogramm. Der Geschirrspüler war ja bald verfügbar. Nur mit dem Mähen ging es grässlich langsam vorwärts. In den Achtzigern brachte der Film "Star Wars" mit R2-D2 und C-3PO den ersten Hoffnungsschimmer. Und als Androide Data in der Serie "Star Trek" Führungsoffizier wurde, konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen.


Dennoch sollte es noch bis in die frühen Neunziger dauern, bis die Rasenmäher unabhängiger wurden. Obwohl – richtig unabhängig sind sie immer noch nicht. Aber nah dran. Heute mähen die kleinen programmgesteuerten Kerlchen bereits ganze Fußballstadien. Grund genug für uns, das Angebot für den heimischen Garten zu sichten und in unserem berühmt-berüchtigten Langzeittest zu vergleichen.

Robomow RM 400
© Eckermeier, Manfred
Robomow RM 400
Roboschafe verlassen zu den ihnen einprogrammierten Tageszeiten eigenständig ihre Ladestation, um den Rasen zu mähen. Nach getaner Arbeit fahren sie von alleine dahin zurück, um sich für den nächsten Einsatz wieder aufzuladen. Fünf Testfamilien nahmen es auf sich, zu untersuchen, inwieweit Wunsch und Wirklichkeit voneinander abweichen. Und begannen, ihre Gärten mit Drähten einzuzäunen. Denn tut man das nicht, verlieren die Automaten schnell die Orientierung und erfreuen sich in Nachbars Tulpenfeldern ihrer Schneidekunst.

Aus gleichem Grund sind die eigenen Rabatten und Beete zu sichern. Auch Wege und Teiche sind Feindesland und müssen ausgespart werden. Das klingt aber alles viel komplizierter als es ist. Ich habe zum Beispiel meine 1.000 m²-Testfläche mit viel Baum- und Buschbestand in einem halben Tag eingegrenzt. Den anderen Testern ging es ähnlich. Da man das eigentlich nur einmal für viele Jahre macht, ist der Zeitaufwand akzeptabel. Die Drähte werden entweder auf dem Boden verlegt und mit den im Lieferumfang enthaltenen Kunststoff- oder Metallhaken fixiert oder in eine Rille ein bis zwei Zentimeter tief im Erdreich verlegt.

nach obenOhne Programmierung geht’s kaum

Husqvarna 210 C
© Eckermeier, Manfred
Husqvarna 210 C
Hat man dazu keine Lust, hilft der Fachhändler bei der Installation. Der berät auch beim Programmieren der Geräte. Obwohl man das gut alleine schafft – Länger als eine halbe Stunde hat kein Tester gebraucht. Ganz ohne Anleitung. Die Ausnahme war dabei der Husqvarna 210 C. Der preiswerteste Mäher kommt tatsächlich mit einem Timer und drei LEDs aus. Eingeben und Speichern entfällt völlig.

Unsere sechs Roboschafe sind Individuen wie ihre Nutzer. Jedes hat so seine Eigenheiten. Und wenn auch teilweise Familienähnlichkeiten erkennbar sind, so sind ihre Charaktere doch höchst unterschiedlich.

Ambrogio Evolution
© Eckermeier, Manfred
Ambrogio Evolution
Rasenmähen ist der eigentliche Grund, warum man sich einen Mäher kauft. Diese Anforderung bewältigen alle getesteten Geräte mehr oder weniger exzellent. Dabei gehen sie in der Regel erst mal alle gleich vor. Entweder arbeiten sie zu den ihnen vorgegebenen Zeiten oder sie durchfahren permanent das Gelände kreuz und quer nach dem Zufallsprinzip. So lange, bis der Akku fast leer ist. Mit dem letzten Stromrest suchen sie den Weg heim zur Ladestation, um sich frische Nahrung zu holen. Nur der 210 C bleibt dort stehen, wo sein Akku versiegt. Die Ambrogios merken allerdings über Sensoren, wenn’s nichts mehr zu mähen gibt oder ob es regnet. Dann reduzieren sie ihre Drehzahl und wandern in ihre Hütten zum Laden. Die Husqvarnas blieben bei Regen draußen. Unsere Tester lobten, dass sie weiter mähen konnten.

Das Wichtigste, nämlich das Mähergebnis, war bei den Husqvarnas hervorragend. Durch den permanenten Schnitt wirkte die Rasenfläche stets wie ein sattgrüner Teppich. Dem standen die Ambrogios kaum nach. Hier schwächelten die Robomows etwas. Ihre groben Messer führten zu vereinzelten Rupfergebnissen.

nach obenUnterschiedliche Akkutechnik

Ambrogio Wiper Runner
© Eckermeier, Manfred
Ambrogio Wiper Runner
Unsere drei Hersteller verwenden unterschiedliche Akku-Techniken zur Stromversorgung. Ambrogio setzt auf moderne Lithium-Ionen-Akkus. Die zeichnen sich durch hohe Energiedichte aus, sind heutzutage thermisch stabil, liefern über den Entladezeitraum eine konstante Spannung und unterliegen keinem Memory-Effekt. Sie brauchen, je nach Gerät, zwischen 150 und 300 Minuten, bis sie bei völliger Entleerung wieder betriebsbereit sind. Die Robomows von Friendly Robotics müssen da doch erheblich länger in ihre Stationen. Ihre Blei-Gel-Akkus gelten für eine Lebensdauer von einigen Jahren als zuverlässig und preisgünstig. Im Vergleich mit anderen Akkutechnologien sind sie jedoch ziemlich schwer. So wiegt der kleine RM 400 17,6 kg und der große RL 1000 sage und schreibe 35,2 kg! Den schleppt so schnell keiner weg. Zur vollen Ladung brauchen sie zwischen 960 und 1.200 Minuten.

Husqvarna schwört auf Nickel-Metallhydrid-Akkus (NiMH). Die sind erheblich leichter und haben eine mehr als doppelt so hohe Energiedichte als die Blei-Gel-Akkus. Allerdings reagieren sie empfindlich auf Überladung, Überhitzung und auch Tiefentladung. Der kleine Automower 210C muss für 720 Minuten zum "Füttern". Ganz anders der Solar-Hybrid. Der bezieht seine Kraft teilweise von der Sonne und verbraucht deutlich weniger Energie als herkömmliche Mäher. Erzielt wird dies dadurch, dass die Energie nicht nur von der Ladestation, sondern auch von großen, integrierten Solarzellen bezogen wird. So braucht er nur 45 Minuten Aufenthalt in seiner Ladestation, um wieder betriebsbereit zu sein.

Husqvarna Automower Solar Hybrid
© Eckermeier, Manfred
Husqvarna Automower Solar Hybrid
Der Automower Solar Hybrid kann nahezu rund um die Uhr den Rasen kurz halten. Das tut diesem gut und sieht auch noch prima aus. Und es ist auch gar nicht lästig. Denn mit nur 63 dB (A) liegt der Geräuschpegel auf dem Niveau eines Fernsehers mit Zimmerlautstärke. Das schafft sein kleiner Bruder ebenso. Damit sind die Husqvarnas das Maß der Dinge auch für spätere Roboschaf-Generationen. Die Friendly Robotics bringen schon erheblich mehr auf die Ohren. 85 bis 90 dB (A) entsprechen der Belastung einer Hauptverkehrsstraße. Fachleute meinen, dies führe bei langfristiger Einwirkung zu Gehörschäden. Die Ambrogios machen keine Angaben über die Lautstärke. Allein, alle Tester empfanden sie als störend. Vor allem ergaben sich Frequenzbereiche, die schon mal weh taten. Da tat es gut, wenn sie bei erreichtem Mähergebnis tatsächlich die Drehzahl reduzierten. In dem Zusammenhang: Es ist sicher auch für das fleißige Roboschaf erholsam, ihm Ruhezeiten zu gönnen.

Die Sicherheitsstandards bei den üblichen Großserienmähern sind hoch. Da sollte dies bei einem Roboter erst recht so sein. Alle sechs Probanden waren mit Stoßsensoren ausgerüstet, die an Hindernissen den Mäher zum Halt und oder Wenden brachten. Der Überfahrschutz erschien unseren Testern beim Husqvarna am optimalsten. Bei einer Gesamtbreite von 55 cm und einem Messerdurchmesser von 22 cm blieben auf jeder Seite 15 cm Abstand – so wird das direkte Eingreifen in die Messer fast unmöglich. Hier ist die Gefahr bei den anderen Herstellern etwas größer. Kippt man die Geräte mutwillig um, stoppen die Messer aller Sechs sofort.

Die Sicherheit wird sich in Zukunft noch weiter verbessern. So bietet Ambrogio bereits in diesem Jahr einen Transponder. Personen oder Tiere tragen ein kleines Funk-Kommunikationsgerät in Form eines Anhägers, das ein Signal abgibt. Dies empfängt der Mäher bei Annäherung und stoppt seinen Betrieb. Entfernt sich der Transponderträger, beginnt er wieder mit dem Mähbetrieb. Andere Hersteller arbeiten an so genannten Mensch-Tier-Sensoren, die gefährliche Annäherungen "erschnüffeln" können.

Es tut sich also viel in Sachen Roboschaf. Die im Markt verfügbaren Geräte sind eine echte Alternative zu handgeführten und Aufsitz-Mähern geworden. Und bei weiterer Verbreitung wird sicher auch die Preisgestaltung angenehmer. So wird es immer bequemer, sein Heim mit einem wohlgeschnitten Grün zu schmücken. Zwei unserer Tester haben sich direkt nach dem Testende bei ihrem Motoristen einen Roboter gekauft. Und auch meine Familie hat unser letztes Roboschaf nur unter Protest und mit einem Ansatz von Tränen abgegeben. Wir hatten es übrigens Albert getauft.

Hersteller / Vertrieb / TypAmbrogio Wiper RunnerAmbrogio EvolutionFriendly Robotics Robomow RM 400Friendly Robotics Robomow RL 1000Husqvarna Automower 210 CHusqvarna Automower Solar Hybrid
Technische Daten
MähwerkSternSternMähmesserdrei Mähmesserdrei rasiermesser-ähnliche Klingendrei rasiermesser-ähnliche Klingen
Schnittbreite in cm223020532222
Mähleistung m²1800300050020005002100
Art des AkkusLithium-IonenLithium-IonenBlei-GelBlei-GelNiMHNiMH
Laden des Akkus überDocking-StationDocking-StationDocking-StationDocking-Stationseparates LadegerätSolar / Docking-Station
Ladezeit für Akku min150300960120072045
BetriebprogrammierbarprogrammierbarprogrammierbarprogrammierbarDauerbetriebprogrammierbar
Art der MähweiseZufallsbetrieb / SchneckeZufallsbetrieb / SchneckeZufallsbetriebZufallsbetriebZufallsbetriebZufallsbetrieb
RegensensorSerieSerieSerieSerieneinnicht notwenig
Überfahrschutz durchSensorSensorSensorSensorSensorSensor
Gewicht kg9,710,717,635,210,510
Geräuschpegel dB(A)k.A.k.A.85906363
Extras Alarmsystem, Fernbedienung Kabelfernsteuerung für manuelles Mähen Diebstahl-Alarmsystem
Preis um etwa €2.0003.1001.5502.3501.2502.850
Bewertung
Abgrenzung der Mähfläche2,72,72,83,01,81,8
Verhältnis Mäher / Mähfläche2,72,33,32,72,32,3
Schnittbreite3,02,73,52,02,02,0
Schnitthöheneinstellung3,32,72,82,71,31,3
Mähleist. mit einer Akkuladung3,31,72,52,02,02,0
Ladezeit für den Akku3,02,02,52,32,52,0
Antrieb/Geschwindigkeit2,73,03,02,71,81,7
Gewicht2,32,33,34,31,51,8
Programmierung2,32,32,83,01,31,5
Mäh-/Mulchergebnis2,33,02,83,01,81,8
Gerätesicherheit2,31,72,83,02,02,0
Überfahrschutz3,02,73,33,72,32,3
Geräusch3,02,34,54,01,31,3
Chassis/Rahmen3,02,73,02,31,81,8
Verkleidung4,02,73,52,31,31,3
Regensensor2,31,72,52,02,32,3
allgem. Bedienung2,72,32,83,71,81,8
Verbrauch3,73,03,33,32,32,3
Gesamtnote2,92,43,02,91,81,8

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