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Nachtwanderung im Winterwald

Februar 2005 Es ist schon eine besonders spannende Naturerfahrung, einmal den nächtlichen Wald zu erkunden und den unterschiedlichen Geräuschen zu lauschen. Im Januar lässt sich das heisere Bellen der Füchse vernehmen, die nun Paarungszeit haben. Das gellende kju-wik und das wohltönende hu-hu-u der Waldkäuze gehören ebenso zur Klangkulisse des Winterwaldes.


Unsere häufigste Eulenart beginnt bereits im Februar mit der Brut in einer geräumigen Baumhöhle. Waldkäuze haben von Mäusen über Eichhörnchen bis zu taubengroßen Vögeln ein sehr breites Nahrungsspektrum und benötigen deshalb nur ein relativ kleines Revier.

Uhu
© Wimmer
Uhu
Dagegen braucht der Uhu als unsere größte und zugleich seltenste Eulenart ein erheblich größeres Revier, um seinem viel größeren Beutebedarf gerecht zu werden. Mit über zwei Kilogramm Körpergewicht und einer Flügelspannweite von 170 cm kann er Tiere bis Hasengröße erbeuten. Seine langen, sehr kräftigen Krallen befähigen ihn sogar Igel zu töten. Seine weithin hörbaren dumpfen buho-buho-Rufe gehören zu den aufregendsten Erlebnissen einer Nachtwanderung.

Wie ein Zwerg nimmt sich da der Sperlingskauz mit seinen 60 g Körpergewicht aus. Tatsächlich ist er die kleinste Eule Europas und jagt vorwiegend in der Dämmerung nach Singvögeln wie Meisen, Kleibern und Finken. Sein Ruf besteht aus einem monoton wiederholten djühb djühb. Aufgrund seiner Größe kann er als einzige Eulenart die Höhlen des Buntspechtes nutzen. In ihnen zieht er nicht nur seine Jungen auf sondern legt auch regelrechte Nahrungsdepots mit erbeuteten Vögeln an. Einer seiner ärgsten Feinde ist sein großer Verwandter – der Waldkauz. Deshalb findet man den Sperlingskauz oft nur in hochgelegenen oder sehr großen, dichten Wäldern, die vom Waldkauz gemieden werden.

Rauhfußkauz im Anflug an seine Bruthöhle
© Wimmer
Rauhfußkauz im Anflug an seine Bruthöhle
In diesem Lebensraum kommt auch der Rauhfußkauz vor. Obwohl er doppelt so groß wie der Sperlingskauz ist, kann er doch auch vom Waldkauz überwältigt werden und weicht diesem, wo immer möglich, ebenfalls aus. Er ist ein Höhlenbrüter, benötigt aber wegen seiner Größe die Höhlen des krähengroßen Schwarzspechtes. Eine Nahrungskonkurrenz zum Sperlingskauz wird vermieden, da der Rauhfußkauz sich bevorzugt von Mäusen ernährt.

Dies ist auch die Hauptbeute der Waldohreule, wobei diese ihre Beute über freiem Gelände im niedrigen Suchflug jagt. Sie bewohnt Waldränder und kleine Feldgehölze, wo sie in verlassenen Krähennestern nistet. Ihre Anwesenheit verrät sie durch ihre dumpfen, weichen huh-huh-Rufe.

nach obenTagjäger und Nachtjäger

Am Beispiel der heimischen Eulen kann man gut erkennen, wie einzelne Arten verschiedene ökologische Nischen besetzten und sich auf die verschiedenen Gegebenheiten eingestellt haben. So liegt es auf der Hand, dass die Waldohreule kein Höhlenbrüter sein kann, weil sie diese in ihrem Lebensraum nicht finden würde und so muss sie mit den viel unsichereren Krähennestern vorlieb nehmen, um das große Mäuseangebot der Feldflur zu nutzen. Und der Sperlingskauz arrangiert sich mit dem Rauhfußkauz im gemeinsamen Lebensraum durch die Nutzung unterschiedlicher Beutetiere.

Allen Eulen gemeinsam sind jedoch die außergewöhnlichen Fähigkeiten, die es ihnen ermöglichen in der Nacht erfolgreich auf Jagd zu gehen. Ihr extrem gut ausgeprägter Gehörsinn und ihre Fähigkeit auch bei Dunkelheit noch Bewegungen mit ihren großen Augen zu erkennen, machen sie zu äußerst effizienten Nachtjägern. Um ihre Beutetiere nicht zu warnen, muss ihr Flug nahezu lautlos sein. Hierzu sind die Federn der Flügel ausgefranst. Dadurch werden Fluggeräusche fast vollständig vermieden. Schwungfedern von Eulen lassen sich somit eindeutig von Federn eines Taggreifvogels wie Habicht oder Bussard unterscheiden.

Neben den Rufen und Federn von Eulen gibt es noch eine Möglichkeit, ihre Anwesenheit nachzuweisen. Eulen verschlingen ihre Beute im Ganzen. Die unverdaulichen Reste wie Knochen, Haare und Federn werden in sogenannten Gewöllen wieder ausgewürgt. Für Forscher geben diese Gewölle, die sich an den Ruheplätzen ansammeln, wichtige Hinweise über das Nahrungsspektrum der einzelnen Eulenarten. Die Existenz von Kleinsäugern wie Spitzmäusen kann manchmal sogar nur über die Knochenreste in Eulengewöllen nachgewiesen werden.

Es gibt noch mehr im winterlichen Wald zu entdecken, wenngleich sich vieles nur erahnen oder schemenhaft beobachten lässt. Eine herannahende Wildschweinrotte mit ihrem dumpfen Grunzen, den knackenden Ästen und dem Quieken der Ferkel flößt anfangs sogar etwas Angst ein. Unwillkürlich stellt man sich nahe an einen Baumstamm, um etwas geschützt zu sein. Doch beim leisesten Verdacht auf die Anwesenheit eines Menschen warnt die Leitbache mit einem lauten Grunzen; lautes Knacken und Rascheln bestätigt die Flucht der urtümlichen Tiere. Vielleicht erschrecken die Wildschweine bei ihrer Flucht auch ein Reh, das dann ein lang anhaltendes, warnendes Bellen von sich gibt.

nach obenDie Nacht ist auch zum Schlafen da

Schlafender Baumläufer in einer Stammnische
© Wimmer
Schlafender Baumläufer in einer Stammnische
Viele tagaktive Tiere verbringen die Nacht im Wald natürlich schlafend. Meist sind sie so gut versteckt, dass sie nur mit viel Glück zu entdecken sind. So suchen sich die unscheinbaren Baumläufer Risse und Nischen, wo sie dann dick aufgeplustert die Nacht verbringen. Solche Stellen lassen sich manchmal schon am Tag erkennen, da sich dort kleine Kotwürstchen ansammeln. Selbst wenn der Vogel mit der Taschenlampe angestrahlt wird, rührt er sich nicht und vertraut auf seine Tarnfärbung. In strengen Winternächten bilden sie sogar regelrechte Schlafgemeinschaften, um Energie zu sparen. Dann kann man mehrere Tiere eng aneinander geschmiegt in einer solchen Nische entdecken.

Schlafender Buntspechte in seiner Höhle
© Wimmer
Schlafender Buntspechte in seiner Höhle
Steinmarder im nächtlichen Wald
© Wimmer
Steinmarder im nächtlichen Wald
Spechte benutzen ihre selbstgezimmerten Höhlen auch zum Schlafen. Sie legen sich dazu aber nicht auf den Höhlenboden, sondern klammern sich mit ihren Kletterfüßen an die Innenwand der Höhle, um so gut geschützt die Nacht zu verbringen. Beim leisesten Kratzen an ihrem Höhlenbaum schauen sie aus der Höhle hervor um bei Gefahr, etwa durch einen Marder, aus ihrer Behausung flüchten zu können.

Irgendwann kriecht selbst durch die dickste Daunenjacke die Kälte und führt uns unmittelbar vor Augen, wie hart der Kampf gegen die Unbilden des Winters für viele Lebewesen des Waldes ist. Die Atmosphäre einer Vollmondnacht im Spätwinter mit einem funkelnden Sternenhimmel über dem Kronendach, der klaren, ja fast schon berauschenden Luft und der Stille in einem so komplexen Lebensraum, welcher schon wenige Wochen später an sichtbarem Leben und Wachsen so reich sein wird, sollte bei uns immer wieder Ehrfurcht und Staunen über das Wunder der Schöpfung hervorrufen.

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Schlagworte dieser Seite:

Baumläufer, Eule, Rauhfußkauz, Specht, Sperlingskauz, Uhu, Vogel, Waldkauz, Waldohreule, Wildschwein, Wildtiere

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