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Vögel im Winterwald (Teil 1) –
Überlebenskünstler mit vielseitigen Talenten

Februar 2004 Im Winter lassen sich Vögel sehr einfach am Futterhäuschen beobachten. Für angehende Naturbeobachter ist es eine hervorragende Gelegenheit, die einzelnen Arten von Meisen oder Finken unterscheiden zu lernen und ihr Verhalten zu beobachten. Als besondere Gäste können wir dann manchmal etwa den Buntspecht oder den Eichelhäher begrüßen.


Allen gemeinsam ist, dass der ursprüngliche Lebensraum dieser Vögel unser heimischer Wald ist. Dort erst zeigen sie, welche erstaunlichen Überlebenstechniken sie entwickelt haben, um die kalte Jahreszeit auch ohne die Hilfe des Menschen zu überstehen.

Viele Waldvögel, die sich von Insekten ernähren, sind ja im zeitigen Herbst gen Süden gezogen, um der drohenden Nahrungsknappheit zu entfliehen. Doch auch im Winterwald gibt es Nahrung. Die Samen und Früchte von Bäumen und Sträuchern gehören in dieser Jahreszeit zu den wichtigsten Nahrungsquellen. In den Samen der verschiedenen Waldbäume sind als Vorratsstoffe für die Keimlinge kalorienreiche Fette und Öle eingelagert, deren eigentlicher Zweck die Ernährung des Keimlings bis zum Frühjahr ist.

Früchte dagegen sind schon eigens für den Verzehr durch Tiere "konstruiert". Die oftmals auch optisch sehr auffälligen Früchte von Weißdorn, Hagebutte oder Vogelbeere sollen die verschiedenen Vögel anlocken und sie zum Verzehr der Früchte mit dem zuckerhaltigen Fruchtfleisch animieren. Als Gegenleistung verbreiten die Vögel die darin eingebetteten, unverdaulichen Samen über ihren Kot.

nach obenKörnerfresser

Dompfaff
© Wimmer
Dompfaff
Kernbeißer
© Wimmer
Kernbeißer
Zu diesen Samen- und Früchtefressern gehören viele Vertreter aus der Familie der Finkenvögel. Buchfink, Kreuzschnabel sowie Dompfaff und Kernbeißer sind typische Arten. Ihre kräftigen Schnäbel weisen sie als "Körnerfresser" aus. Jede Art hat eigene Methoden des Nahrungserwerbes herausgebildet und sich so eine ökologische Nische geschaffen.

Den kräftigsten Schnabel hat der Kernbeißer. Hoch oben in den Kronen von Hainbuchen kann man kleine Gruppen von ihnen bei der Nahrungssuche beobachten. Unermüdlich werden zuerst die wenig nahrhaften Flügelchen der Hainbuchensamen weggezwickt, bevor dann das Samennüsschen geknackt wird und der nahrhafte Inhalt verzehrt wird. Bei näherem Hinsehen erinnern gerade die prächtiger gefärbten Männchen mit ihren dicken Schnäbeln an kleine Papageien.

Schwärme von Buch- und Bergfinken suchen im Laub am Boden von Buchenwäldern nach den ebenfalls sehr nahrhaften Bucheckern. Nur alle vier bis sechs Jahre produziert die Buche wie viele unserer Waldbäume reichlich Samen. Dann lassen sich große Schwärme von Buch- und Bergfinken beobachten, die am Waldboden nach Bucheckern suchen. Sehr beliebt für die Nahrungssuche sind befahrene Waldwege oder Straßen, denn dort werden die Bucheckern von den darüber fahrenden Autos geknackt und ersparen so den Vögeln die anstrengende Arbeit des Öffnens.

Für Meisen mit ihren weniger kräftigen Schnäbel bedeutet es Schwerstarbeit, an das Innere der Bucheckern zu gelangen. Wie mit einem Sonnenblumenkern am Futterhäuschen fliegen sie mit einer Buchecker auf einen Ast und hacken ihn dort auf.

nach obenEichelhäher als Forstgehilfe

Eichelhäher
© Wimmer
Eichelhäher
Eine besonders faszinierende Verhaltensweise hat der Eichelhäher. Im Herbst hat er in Zeiten des Überflusses unermüdlich Eicheln und Bucheckern in seinem Kropf gesammelt und sie in kleinen Depots am Stammfuß von Bäumen vergraben. Jetzt im Winter sucht er zielstrebig diese Stellen wieder auf und gräbt sich seine Mahlzeiten aus. Viele dieser Vorräte werden natürlich von Mäusen oder Wildschweinen geplündert und manche vergisst er sogar oder benötigt sie nicht. Daraus wachsen dann im Frühjahr neue Eichen und Buchen. Der Eichelhäher trägt somit auch zur Verbreitung von Eiche und Buche bei und hilft so mit, reine Nadelholzbestände wieder in Mischwälder umzuwandeln.

nach obenEinige benötigen tierische Kost

Es gibt jedoch in unseren Wäldern auch eine ganze Reihe von Vogelarten, die auch im Winter auf tierische Kost angewiesen sind. Dazu gehören sowohl unsere Greifvögel wie Bussard, Sperber oder Habicht als auch die heimischen Eulen – vom winzigen Sperlingskauz bis zum mächtigen Uhu.

Mit ihren unterschiedlichen Jagdtechniken und ihrer unterschiedlichen Größe nutzen sie das gesamte Nahrungsangebot aus und vermeiden übermäßige Nahrungskonkurrenz. So jagt der Mäusebussard am Waldrand oder auf Lichtungen, während der Habicht im pfeilschnellen Flug durch den Wald Eichelhäher, Eichhörnchen und Spechte erbeutet. Der Sperber ist wegen seiner geringeren Größe noch wendiger und kann sogar Singvögel erbeuten.

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Schlagworte dieser Seite:

Bergfink, Buchfink, Bussard, Dompfaff, Eichelhäher, Eule, Habicht, Kernbeißer, Kreuzschnabel, Mäusebussard, Sperber, Sperlingskauz, Uhu, Vogel, Wildtiere

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