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Der Wolf

März 2003 In Deutschland wurde der Wolf als Standwild im vorigen Jahrhundert ausgerottet. Der letzte kam 1802 bei Dippoldiswalde zur Strecke. Nach den beiden Weltkriegen konnte der Wolf seinen osteuropäischen Bestand vermehren, sein Verbreitungsgebiet westwärts ausdehnen und vorübergehend bis nach Niedersachsen vordringen. Dort wurden diese Raubtiere jedoch rasch erlegt.


nach obenDer Stammvater unserer Haushunde

Verhaltensforscher Dr. Erik Zimen mit einem Wolf
© Unfricht
Verhaltensforscher Dr. Erik Zimen mit einem Wolf
In den siebziger Jahren sorgten Wölfe in Deutschland nochmals für Aufregung. Am 28.1.1976 entkamen nämlich acht Wölfe aus dem rund 60.000 m2 großen Schau- und Forschungsgehege des Nationalparks Bayerischer Wald, unter den Augen von Dr. Erik Zimen vom Institut für Haustierkunde, der dort einige Jahre mit den Wölfen zusammenlebte und Verhaltensforschung betrieb. Die Wölfe verstreuten sich sofort in verschiedene Richtungen. Eine hysterische Wolfs-Jagd setzte daraufhin ein. Der erste Wolf wurde bereits am 30.1.1976 von einem Jäger bei Frauenau erschossen, der zweite am 25.2.1976 in Pichendorf. Unter dem Eindruck der öffentlichen Meinung hob Bayerns damaliger Innenminister Dr. Merck die Tötungsanordnung wieder auf, sodass sich die verbliebenen sechs Wölfe nach Osteuropa absetzen konnten.

Gegenwärtig ist der Wolf, der früher in ganz Europa, in Asien nördlich der Tropen und in Nordamerika beheimatet war, in Europa nur noch im Osten und in den Gebirgen des hohen Nordens, Spaniens, Italiens und des Balkans als Standwild anzutreffen. Dass er früher jedermann bekannt war, wird nicht nur durch Märchen, Fabeln und Sagen bezeugt, sondern auch durch die zahlreichen Orts- und Flurnamen, die in ihren Zusammensetzungen das Wort Wolf enthalten.

nach obenHaushund stammt vom Wolf ab

Wolf
© Unfricht
Wolf
Als Stammvater des Haushundes gleicht er in der Gestalt einem starken Schäferhund. Doch ist der Querschnitt des Brustkorbes mehr oval, der eines Schäferhundes mehr rund. Außerdem sind die Augen des Wolfes schräger gestellt. Das Gebiss übertrifft an Stärke selbst das der größten Hunderassen, wobei die Eckzähne besonders stark entwickelt sind. Rüden sind kräftiger und schwerer als Weibchen.

Der Wolf bewohnt einsame, stille Gegenden mit aufgelockerten Waldungen, auch Brüche, sofern sie trockene Stellen aufweisen. Er meidet durchaus nicht die Nähe der Ortschaften, doch macht er sich dort nach Möglichkeit wenig bemerkbar. Hier jagt er nur in der Dämmerung und des Nachts. In menschenleeren Gegenden, wo er nicht verfolgt wird, jagt er auch bei Tage. Er ist ein ausdauernder Läufer, der in einer Nacht Dutzende von Kilometern zurücklegt und die Beute zu Tode hetzen kann. Natürlich versteht er es auch, sich einem Tier mit äußerster Vorsicht so weit zu nähern, dass er es mit einem mächtigen Satz erreichen, an der Kehle fassen und niederreißen kann. Bei der Jagd kommen ihm seine scharf ausgeprägten Sinne Geruch, Gehör und Gesicht sehr zustatten.

Die Jagdweise des Wolfes, die besonders im Winter ein vielstündiges Umherstreifen bedingt, erfordert einen großen Kraftaufwand, der durch den Verzehr erheblicher Nahrungsmengen ausgeglichen werden muss. Neben kleinen Wirbeltieren wie Mäusen, Ratten, Hasen, Kaninchen und am Boden lebende Vögel, fallen ihm die größten Vertreter der heimischen Tierwelt zum Opfer, nämlich Rehe, Hirsche, Elche und Wildschweine, von Haustieren Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde, und Esel. Diese greift er allerdings nur an, wenn sie einzeln sind, er aber zu einem Rudel vereint.

nach obenIm Rudel erfolgreich

Heulender Wolf
© Unfricht
Heulender Wolf
Im Frühling und Sommer leben die Wölfe einzeln, paarweise oder in kleinen Familiengruppen. Im Herbst und vor allem in nahrungsarmen Wintern rotten sie sich zu größeren Rudeln zusammen, die unter der Leitung einer geschlechtsreifen Wölfin und des mit ihr verpaarten Leitwolfes stehen. Die gemeinsame Jagd gestaltet sich erfolgreicher als die Einzeljagd. Bezeichnend für das Rudel ist das gemeinsame Heulen.

Die Rangordnung im Rudel wird durch Kämpfe hergestellt. Der Leitwolf und seine Partnerin wahren ihre soziale Stellung durch unablässige Kontrollen und Unterdrücken gleichgeschlechtlicher Tiere. Freilich ist auch die Rangordnung dem Wechsel unterworfen. Änderungen im Bestand der Meute oder in den Lebensbedingungen lassen immer wieder Kämpfe aufflammen, die Auf- und Abstiege bewirken können. Die Ranghohen benutzen jede Gelegenheit, um Rangniedere zu ängstigen oder gar anzugreifen. Mitunter richten sich gemeinsame Kämpfe gegen Schwächere, wobei diese sogar tödlich verletzt werden können. Die Mitglieder des Rudels beschnuppern sich immer wieder an bestimmten Körperstellen. Nach vorn gerichtete Ohren und ein sicherer Blick zeugen von Überlegenheit; nach hinten gerichtete Ohren lassen Unsicherheit und Gehemmtheit erkennen. Das Sträuben der Rückenhaare verrät äußerste Gereiztheit und Kampfstimmung. Dass es trotz der Kämpfe zwischen zwei Wölfen, die ja mit einem mörderischen Gebiss bewaffnet sind, selten zu Todesfällen kommt, hängt mit der "Demutsstellung" des Unterlegenen zusammen: Der Verlierer bietet dem Sieger die Krümmung seines Halses, die verwundbarste Stelle seines Körpers, schutzlos dar. Die Schonung des Unterlegenen, bedingt durch eine triebhafte Beißhemmung, dient der Arterhaltung.

nach obenSechs bis acht Junge

Nach der Paarung leben die Wölfe in Familiengruppen – die aus dem Elternpaar und den noch nicht geschlechtsreifen Jungen des Vorjahres bestehen – und beziehen für den Sommer ein Revier. Dieses Wohngebiet wird gegen andere Artgenossen verteidigt, nicht aber das weitere Jagdgebiet. Die Tragzeit beträgt 62 bis 75 Tage, die meisten Geburten finden im späten Frühjahr statt. Vor dem "Wölfen" sucht sich die Wölfin ein geeignetes Versteck im Dickicht oder in einem erweiterten Fuchs- oder Dachsbau. Eine gesunde Wölfin bringt in einem Wurf 6 bis 8 Junge zur Welt; jährlich findet nur ein Wurf statt. Bei der Geburt sind die Jungen dunkel- bis rußbraun und erst nach dem ersten Haarwechsel zeigt sich das gelbbraune Kleid. Die Jungen werden etwa sechs Wochen lang gesäugt. Wenn die Milch der Mutter langsam versiegt, beteiligt sich auch der Rüde an der Nahrungsbeschaffung für seine Sprösslinge. Man kann also beim Wolf von einem Familienleben sprechen.

Der Verhaltensforscher Dr. Erik Zimen rät jedem Tierfreund davon ab, einen Wolf als Haustier zu halten. Eine gewisse Feindschaft gegen Fremde konnte der Wolfsexperte, der ja von den Tieren als ihresgleichen anerkannt wurde, immer wieder feststellen. Waren sie als Jungtiere noch überschwenglich freundlich gegen jedermann, änderte sich dies mit zunehmendem Alter völlig. Die Tiere hatten ihre angeborene Scheu vor Menschen überwunden und sahen neben fremden Hunden auch fremde Menschen als Eindringlinge an, die, sobald sie ihr Gehege betraten, angegriffen wurden. Eine natürliche Reaktion für einen erwachsenen Wolf, aber, wenn dieser auf Menschen geprägt ist, eine bedrohliche Situation. So nett die Welpen sind, jeder Wolf wird einmal erwachsen und damit sehr gefährlich.

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