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Der Grünspecht – ein Ameisengourmet

November 2002 Unsere heimischen Spechte sind im allgemeinen Vogelarten, die streng an Wälder und größere Parkanlagen gebunden sind. Nur Bunt- und Grünspecht besuchen regelmäßig auch Gärten, um dort nach Nahrung zu suchen. Dabei kann man im Spätsommer und Herbst gerade den in der Regel sehr heimlichen Grünspecht gut beobachten, wenn er hüpfend auf Rasenflächen nach Wiesenameisen sucht. Mit seiner feuerroten Kopfhaube und seinem gelb- und olivgrünen Gefieder ist er ein prächtiger Vogel.


Während der Brutzeit im Frühjahr ist er an laubholzreichen Waldrändern und in größeren Streuobstanlagen zu finden. Dort verrät er sich durch seine weithin hörbaren, lachenden Balzrufe. Nur in ameisenreichen Biotopen gelingt es ihm, erfolgreich zu brüten. Er ist zusammen mit dem Wendehals die am meisten auf diese Insekten spezialisierte heimische Vogelart. Für die Ameisenjagd ist der Grünspecht mit seiner Klebezunge, die die dreifache Länge seines Schnabels erreicht, bestens gerüstet. Mit ihrer Hilfe kann er tief in die Gänge der Ameisenburgen eindringen und somit auch die eiweißreichen Larven erbeuten.

Grünspechtweibchen auf Hügel der Roten Waldameise
© Wimmer
Grünspechtweibchen auf Hügel der Roten Waldameise
Vom Grünspecht gegrabene Gänge in einem Ameisenhaufen der Roten Waldameise.
© Wimmer
Vom Grünspecht gegrabene Gänge in einem Ameisenhaufen der Roten Waldameise.
Im Winter findet man ihn regelmäßig auch inmitten größerer Wälder. Dort gilt sein Interesse den Bauen der Roten Waldameise. Um an die tief im Inneren des Baus verborgenen Ameisen zu kommen, gräbt er sich Stollen bis zu einem Meter Länge. An diesen Nahrungsorten ist er äußerst vorsichtig und fliegt bei der kleinsten Beunruhigung fluchtartig davon. Bevor er sich an die Nahrungsaufnahme macht, sichert von einem sogenannten Wetzbaum immer wieder nach Feinden wie Habicht oder Sperber. Der Wetzbaum ist an den abgehackten Rindenschuppen zu erkennen. Das Abhacken gilt als eine sogenannte Übersprungshandlung. Während dieses Verhaltens ist der Specht im Zwiespalt, ob es besser ist, Nahrung aufzunehmen oder zu flüchten. In der Umgebung dieses Baumes findet man auch den typischen hakenförmigen Spechtkot in größeren Mengen. Er besteht jeweils aus Hunderten von unverdaulichen Chitinpanzern und Ameisenköpfen. Erst wenn sich der Grünspecht absolut sicher fühlt, schlüpft er ins Innere der Ameisenburg. Er kann dann fast eine halbe Stunde in einem solchen Ameisenhügel verbringen. Sich nähernde Menschen nimmt er durch die Erschütterung wahr und flüchtet dann wie der Blitz aus seinem Stollen. Die Rote Waldameise ist für den Grünspecht nur im Winter genießbar, da sie dann eine geringere Konzentration von Ameisensäure im Körper hat und diese auch nicht versprühen kann.

nach obenDes einen Freud …

Der Grünspecht ist ein Bewohner von Obstgärten und Waldrändern.
© Wimmer
Der Grünspecht ist ein Bewohner von Obstgärten und Waldrändern.
Die Kolonien der Roten Waldameisen werden aber nicht so stark ausgeplündert, dass die Ameisenvölker zugrunde gingen. An den meisten vom Grünspecht besuchten Ameisenhügeln lässt sich schon im zeitigen Frühjahr rege Bautätigkeit beobachten. Nach wenigen Wochen sind die Schäden dann behoben. Deshalb sollten nie alle Ameisennester in einem Gebiet mit den bekannten Schutzhauben versehen werden, da sonst dem Grünspecht eine wichtige Winternahrung entzogen wird. Doch auch der Mangel an Wiesenameisen als Sommernahrung ist eine Hauptbedrohung für den Grünspecht. Denn nur auf extensiv bewirtschafteten Wiesen kommen genügend Ameisen in erreichbarer Umgebung vor. Entscheidend ist nicht nur das Vorhandensein, sondern auch die Erreichbarkeit der Wiesenameisen. Nur sporadisch gemähte Wiesen mit langer verfilzter Grasdecke scheiden für den Grünspecht als Nahrungsgebiet aus. Optimal sind zweischürige, nur wenig gedüngte Wiesen an Waldrändern oder in Obstgärten. Leider verbuschen viele dieser Habitate durch mangelnde Pflege immer mehr. Die damit einhergehende Verbrachung vermindert die Biotopqualität für den Grünspecht drastisch, da sich sowohl die Zahl der verschiedenen Ameisenarten als auch deren Dichte stark verringert.

Der Wechsel des Grünspechtes vom Sommer- zum Winterkleid ist eine interessante Anpassung und zeigt einmal mehr, dass einzelne Lebensräume (und dazu gehören auch unsere Gärten) oftmals in enger Verbindung stehen.

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