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Zuflucht Garten: Das letzte Paradies für Igel?

Igel im Garten
© Annemarie Ponto

Oktober 2002 Igel sind durch ihr Stachelkleid unverwechselbar und bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen beliebt. Die Stacheltiere waren ursprünglich Wald- und Waldsaum-Bewohner. In unserer heutigen Kulturlandschaft, die von großflächiger Land- und Forstwirtschaft geprägt ist, sind Lebensräume, nicht nur für Igel, knapp geworden.


In trockenen Sommermonaten ist eine flache Schale mit frischem Trinkwasser nicht nur für durstige Igel die Rettung.
© Annemarie Ponto
In trockenen Sommermonaten ist eine flache Schale mit frischem Trinkwasser nicht nur für durstige Igel die Rettung.
Eine mannigfaltige Vegetation aus kurz gehaltenen Rasenflächen, aber auch Altgras, ein großes Spektrum zu unterschiedlichen Zeitpunkten wachsender, blühender und reifender Pflanzen, mit Hecken, Gebüschen und kleinen Gehölzen, finden Igel in menschlichen Siedlungen vor. Damit große zusammenhängende Gartengebiete aber ein Garten Eden für die insektenfressenden Nachttiere werden, bedarf es einiger Kenntnisse um ihre Bedürfnisse.

Als Insektenfresser besteht ihre Hauptnahrung aus wirbellosen Tieren wie Käfern, Raupen von Nachtfaltern, Asseln und Würmern. Diese Nahrung ist sehr eiweiß- und fettreich und somit eine hervorragende Energiequelle.

Lebensgefahr besteht allerdings in Gärten in denen Giftköder eingesetzt werden. Der tierfreundliche Gartenbesitzer sollte auf den Gebrauch von Insektiziden verzichten, denn zu einem naturnahen Garten gehört der nächtliche Besuch eines Igels einfach dazu.

Bis zu 80 Prozent des Igelnachwuchses kommt in unseren Breiten im August und September auf die Welt. Die Babies wiegen bei der Geburt zwischen 12 und 25 g und haben noch geschlossene Augen und Ohren. Erst im Alter von 14 Tagen beginnen diese sich zu öffnen. Bis zu diesem Alter wurden die Kleinen ausschließlich gesäugt. Die Wurfgröße liegt zwischen zwei und zehn Jungen. Eine anstrengende Zeit für die Igelin, die ihre Jungen ohne männliche Unterstützung bis zur Selbstständigkeit betreut und bis zur sechsten Lebenswoche säugt.

Die gesamte Aufzucht findet im und am Wurfnest statt. Die Igelin verlässt das Wurfnest nachts, um auf Beutefang zu gehen. Ab der vierten Lebenswoche erkunden die Jungen ebenfalls die nähere Umgebung auf der Suche nach tierischer Nahrung. Die Jagd nach Insekten ist bei Igeln angeboren und die Mutter muss keine Anleitung geben.

nach obenDie Todesrate unter Jungigeln ist enorm hoch

60 bis 80 Prozent erleben ihren ersten Geburtstag nicht. Die meisten gehen während des Winterschlafs ein. Je nach Geschlecht, Alter und Witterung halten Igel Winterschlaf von Ende Oktober bis Dezember bis in den März und April hinein. Um diese von Wachphasen durchbrochene Schlafzeit in ihrem Nest gut zu überstehen, benötigen die Tiere ein ausreichendes Gewicht. Die Körpertemperatur sinkt hormonell ausgelöst von 35 °C auf Werte zwischen 1 und 5 °C. Die Atemfrequenz liegt bei 13-mal pro Minute statt 50-mal pro Minute im Sommer und das Herz schlägt nur noch 2- bis 12-mal statt 200- bis 280-mal in der Minute. Diesen "kleinen Tod” überleben die Tiere nur, wenn sie ungestört in einem geschützten Nest ruhen können und ein Anfangsgewicht von über 550 g haben. Denn während des Winterschlafs verliert ein Igel bis 40 Prozent seines Gewichts.

© Annemarie Ponto
Um sich ausreichende Fettreserven anfuttern zu können, ist ein breites Nahrungsangebot notwendig. Kleine Laub- und Gestrüpphaufen bieten dem Igel Schutz. Allerdings reicht die Fläche eines Gartens niemals für die Ernährung auch nur eines einzigen Igels aus. Der Aktionsradius beispielsweise eines erwachsenen Igelweibchens im städtischen Raum, liegt zwischen 6 und 12 Hektar. Damit wird einem leicht die Bedeutung von Gartendurchlässen für Igel klar. Auch sollten Laubsauger, Tellersensen, Kantenschneider und Rasenmäher ausschließlich eingesetzt werden, nachdem sorgfältig nach Igeln und Igelnestern gesucht wurde.

Eine besonders tückische Igelfalle stellen Gartenfeuer dar, wenn zuvor aufgeschichtetes Gartenmaterial tagelang liegen gelassen wurde. Igel bauen sich auch im Sommer Tagesschlafnester und ein solcher Haufen stellt ein vermeintlich attraktives Nest dar.

Vogelnetze in Obstbäumen und Netze über Beerensträuchern sollten straff gespannt werden und einen Abstand von 40 cm zum Boden nicht unterschreiten. Sonst können sich Igel und Vögel leicht darin verheddern.

Auch wenn Igel schwimmen können, so sind sie nicht besonders ausdauernde Schwimmer und bei hohen, steilen Uferkanten nach dem Abrutschen vor dem Ertrinken nicht sicher. Deshalb sollten in steilwandigen Gräben, Gartenteichen und Schwimmbecken Aufstiegshilfen für Igel vorhanden sein.

Ein igelfreundlicher Garten ist ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz und kann ein Paradies nicht nur für Igel sein.

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