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Unsere Sängerkönigin: Die Nachtigall

August 2002 Der seit alters her wohl berühmteste Singvogel ist die Nachtigall, deren schlichtes, oberseits rötlichbraunes, unterseits blau-gelblichgraues Gefieder so gar nicht zu dieser Sängerin mit der "goldenen Kehle" zu passen scheint.


Nachtigall
© Unfricht
Nachtigall
Die Nachtigall, deren Verbreitungsgebiet – außerhalb Europas – noch das südwestliche Asien sowie Nordwestafrika umfasst, überwintert in den Gebieten von der Westküste Mittel-Afrikas bis zum Sudan. Sie erscheint bei uns wieder in der zweiten April-Hälfte, je nach der Witterung etwas früher oder später, ungefähr um die Zeit, in welcher der Weißdorn zu grünen beginnt. Diese Gefiederten reisen einzeln während der Nacht; die alten Männchen voran, die Weibchen einige Tage später. Jeder dieser Vögel sucht in der Regel wieder das gleiche Gebiet auf, in welchem er den vergangenen Sommer verlebte, und vor allem jüngere Männchen sind bestrebt, sich möglichst in der Nähe jener Stelle anzusiedeln, wo ihre Wiege stand.

Der Gesang der Nachtigall gehört zu den eindrucksvollsten Vogelliedern überhaupt. Einmal klingt ihre Stimme metallisch-hell, ein andermal tief und flötenartig klagend, je nachdem ob sie schmetternde Lautgebilde mit flötenden, fröhliche mit klagenden, schmelzende mit wirbelnden verbindet und zu längeren Gesangsstrophen harmonisch aneinanderfügt. Ihr nächtlicher Vortrag hört sich, wenn alle anderen Vögel schweigen, am schönsten an. Während des ersten Liebeswerbens, bevor noch das Weibchen seine Eier gelegt hat, vernimmt man ihren herrlichen "Schlag" zu allen Stunden der Nacht.

Das Pärchen findet sich nicht ohne Kampf und Sorge, denn jedes unbeweibte Männchen versucht, einem anderen die Braut abspenstig zu machen. Wütend verfolgen sich die Gegner durch das Gebüsch bis zu den Wipfeln der Bäume hinauf und fallen übereinander her, bis der Streit entschieden ist und einer Herr des betreffenden Reviers wurde. Nach Beendigung dieser Auseinandersetzungen wird an einer passenden Stelle das Nest erbaut; nur ganz locker und ohne große Sorgfalt aus dürren Blättern, Halmen und Moos zusammengefügt und mit Tierhaaren ausgepolstert, wird die Kinderwiege in dichten Büschen, Stockausschlägen und Stauden, niedrig über der Erde, in Parkanlagen, verwilderten Gärten oder im Unterholz der Laubwälder errichtet. Sind dann aus den vier bis sechs olivbraunen Eiern nach 14tägiger Bebrütung die Jungen geschlüpft, werden diese mit Insekten und Larven aller Art, glatten Raupen, Erdgewürm, Ameisenpuppen, Schmetterlingen und Spinnen gefüttert.

nach obenFrüh übt sich …

Junge Nachtigallen
© Unfricht
Junge Nachtigallen
Der Appetit der Jungen wächst mit jedem Tag, sie werden auch erstaunlich schnell groß. Das Männchen muss deshalb bei der Fütterung tüchtig mithelfen und kommt nicht mehr so viel zum Singen. Schon nach 12 bis 13 Tagen, wenn sie gerade erst von einem Zweig zum anderen flattern können, verlassen sie das Nest, werden aber noch längere Zeit von den Eltern betreut. Kurz nach dem Selbständigwerden beginnen die jungen Männchen bereits ihre Kehle zu erproben. Ist ihr Gesang auch anfangs nur leise und stümperhaft, so wird doch die Stimme von Jahr zu Jahr wohltönender, bis auch sie wahre Meister unter den gefiederten Sängern sind.

Trotz ihrer Langlebigkeit – diese Vögel können weit über 20 Jahre alt werden – nimmt der Nachtigallenbestand leider von Jahr zu Jahr immer mehr ab. Die Fachleute machen sich nicht erst seit heute Gedanken, welche Ursachen dem Rückgang der Sängerkönigin in den letzten Jahrzehnten zugrunde liegen. Man ist dabei überwiegend der Ansicht, dass der Vogelmord in Südeuropa und Nordafrika sowie die laufende Veränderung des Lebensraumes in ihrer europäischen Brutheimat am langsamen Aussterben dieser Vogelart die Hauptschuld tragen. Der schnellwüchsige und damit ertragreiche Nadelwald verdrängt mehr und mehr den Laubwald. Friedhöfe und Parks in ihren heutigen modernen Anlagen bieten keine Verstecke mehr und auch verwilderte Gärten sind verhältnismäßig selten. Diesen für die Nachtigall nun unwirtlichen Gebieten bleibt der Vogel fern. Sicherlich haben auch die klimatischen Verhältnisse einen großen Einfluss auf ihr Vorkommen, finden wir die Nachtigall doch bevorzugt in Landschaften mit Weinklima.

nach obenVersuche der Wiederansiedlung

Als Lied der Nachtigall in vielen Gegenden Deutschlands im Frühjahr nicht mehr erklang, vermisste man die Sängerin sehr, ließ sie aus fernen Gebieten kommen und setzte sie an verwaisten Orten aus. Vogelfreunde versuchten auch die Züchtung in Freivolieren zwecks Wiederansiedlung. Da im allgemeinen zumindest die jungen Zugvögel nach ihrem ersten südlichen Winteraufenthalt dorthin zurückkehren, wo sie das Licht der Welt erblickt haben, rechneten sie damit, dass die jungen Nachtigallen im folgenden Frühjahr wiederkommen würden. Doch vergeblich warteten die Ornithologen im nächsten April und Mai: Weder die alten noch die jungen Nachtigallen kamen zum Brüten zurück. Nur in ganz wenigen Fällen glückte das Experiment. So war bald die Erkenntnis gereift, dass man für eine Wiederansiedlung erst die Voraussetzungen schaffen müsste: der geeignete ursprüngliche Lebensraum.

Dies war jedoch aus wirtschaftlichen Gründen unmöglich, die Versuche wurden eingestellt. Wo der begnadete Singvogel deshalb noch anzutreffen ist, sollte man seinen Ansprüchen gerecht werden und ihm die Heimat nicht verleiden.

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Diesen Artikel kommentieren (1)

1
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29. April 2012

G. Bauer

ich führe meinen hund jede nacht nach draussen um unsere nachtigall zu hören. es ist wunderschön, das beste mittel zum einschlafe!

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