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Diese Beeren mögen’s sauer!

September 2017 Gartenbesitzer mit kalkfreiem Boden, dessen pH-Wert deutlich unter 5 liegt, haben es mit der Pflanzenauswahl nicht ganz einfach. Bei sogenannten Moorbeetgewächsen dagegen sind sie im Vorteil. Das trifft auf Rhododendron zu. Und, im Falle der Obstarten, auf die Gattung der Heidelbeeren.


Bild 1: Kultursorten der Amerikanischen Heidelbeere werden mannshoch und lassen sich daher leicht bepflücken.
© Oleksandr Koreskyi/123rf.com
Bild 1: Kultursorten der Amerikanischen Heidelbeere werden mannshoch und lassen sich daher leicht bepflücken.
Eigentlich ist der Begriff „Moorbeetgewächs“ irreführend. Hierzu zählende Pflanzen brauchen nicht zwingend Moorboden wie beispielsweise fleischfressende Pflanzen. Feucht sollte der Boden zwar schon sein, Hauptsache jedoch ist sein Säuregrad und ein hoher Humusgehalt. Darauf sind Heidel­beer­gewächse angewiesen. Jetzt ist Pflanzzeit!

nach obenHeidelbeeren aus Nordamerika

Bild 2: Blüte der Kulturheidelbeere
© rodo2/Pixabay
Bild 2: Blüte der Kulturheidelbeere
Bild 3: Frucht der Kulturheidelbeere
© vainillaychile/Fotolia.com
Bild 3: Frucht der Kulturheidelbeere
Kultursorten für den Garten stammen von der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum) ab. Dass sie mit unserer heimischen Art nur verwandt ist, zeigt ein Vergleich der Blüten Bild 2 + Bild 6. Warum die Sorten aus Übersee hierzulande das Rennen in die Gärten machten, hat praktische Gründe: Die Sträucher werden mannshoch und lassen sich daher leichter bepflücken Bild 1. Bei Fruchtdurchmessern um die acht Millimeter füllt sich zudem der Erntekorb schneller. Die dicken, blauen Perlen Bild 3 sind süß und lecker, wenn ihnen auch das intensive Aroma unserer Waldheidelbeeren fehlt. Ebenso wie die Farbe des Fruchtfleisches. Die verräterischen blauen Flecken an Händen und Zähnen hinterlassen die Amerikanerinnen nicht. Farbe bekennen sie trotzdem, und zwar im Herbst: Dann schmücken sich viele Sorten mit orange- bis scharlachrotem Laub. Und noch zwei Pluspunkte können sie für sich verbuchen: eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Krankheitserreger und Selbstfruchtbarkeit. Allerdings fällt der Ertrag höher aus, wenn eine zweite Sorte in der Nähe steht.

Für den Anbau im Hausgarten empfiehlt sich 'Bluecrop', die durch ihre Juniblüte Spätfrostschäden vorbeugt, und auch an weniger guten Standorten gedeiht. Letzteres gilt ebenso für die aromatische 'Goldtraube'. Als wohlschmeckend gelten zudem die Sorten 'Berkeley', 'Spartan' sowie 'Bluetta'.

nach obenCranberry ist nicht gleich Preiselbeere

Cranberrys werden gerne als „Kulturpreiselbeeren“ gehandelt. Die Blüten beweisen, dass Preiselbeere und Cranberry eher Cousinen als Schwestern sind: Die Blüten unserer Preiselbeere Bild 8 ähneln den der Heidelbeeren, während die Blüte der Cranberrys Bild 4 einen „Kranichschnabel“ trägt. Daher ihr ursprünglicher Name: Craneberry (Kranichbeere). Beide bevorzugen sonnige bis halbschattige Plätze und humose, feuchte Böden mit ph-Werten zwischen 4 und 5. Während Heidelbeeren ihr Laub im Herbst abwerfen, sind Preiselbeeren und Cranberrys immergrün. Die Früchte unterscheiden sich im Geschmack: Preiselbeeren Bild 9 sind etwas herber als Cranberrys Bild 5.

Bild 4: Blüte der Cranberry
© Rob Routledge, Sault College, Bugwood.org/Wikimedia Commons
Bild 4: Blüte der Cranberry
Bild 5: Frucht der Cranberry
© U.S. Department of Agriculture/flickr
Bild 5: Frucht der Cranberry
Von den Preiselbeeren gibt es einige Gartensorten im Handel. Sie bleiben genauso niedrig wie ihre wilden Verwandten, haben aber etwas größere Früchte. Empfehlenswert für Hobby­gärtner sind 'Koralle' und 'Red Pearl'. Sehr viel höher fällt Ihre Ernte mit den Früchten der Cran­berrys (Vaccinium macrocarpon) aus. Im Falle der Sorte 'Red Star' haben sie etwa das Format von Stachelbeeren. Die Pflanze wächst kriechend mit nur 10 bis 20 cm Höhe. Nach der Ernte von Mitte August bis Oktober behält sie ihr Laub und färbt es rotbraun. Die bis 20 cm hohe Sorte 'Early Black' kommt gleichermaßen attraktiv daher, mit großen, dunkelroten und aromatischen Früchten sowie rotbrauner Laubfärbung über den Winter.

nach obenLösungen für kalkhaltige Böden

Wer im Garten einen lehmigen, kalkhaltigen Boden hat, braucht auf Heidel- und Preiselbeeren bzw. Cranberrys nicht zu verzichten. Für Kulturheidelbeeren können Sie ein Moorbeet anlegen. Pro Pflanze heben sie ein Loch mit je 80 cm Kantenlänge und 50 cm Tiefe auf. Füllen Sie es mit 300 Liter Rhododendronerde. Durch diese Menge entsteht über dem Pflanzloch ein etwa 25 cm hoher Hügel. Den feuchten Wurzelballen setzen Sie so tief in das Substrat, dass er 10 cm damit bedeckt ist. Gut angießen und feucht halten: Alle Heidelbeerarten brauchen viel Wasser. Für Preiselbeeren und Cranberrys bereiten Sie das Beet vor wie für Heidelbeeren. Da sie niedriger bleiben, passen fünf bis sechs Pflanzen auf einen Quadratmeter. Oder Sie setzen die rotfrüchtigen Arten als ebenso nützliche wie attraktive Bodendecker zwischen Heidelbeeren oder Rhododendren.

Alternativ kultivieren Sie Heidelbeer-Arten im Kübel. Der sollte für Kultur-Heidelbeeren mindestens 30?Liter Rhododendronerde aufnehmen. Wählen Sie kompakte Sorten wie die aus dem Brazelberry-Sortiment. Für Preiselbeeren und Cranberrys reicht ein Kübel­volumen von 15 bis 20 Liter.

nach obenDie wilde Verwandtschaft aus unseren Wäldern

Sowohl Kultur-Heidelbeeren als auch Cranberrys gehören zwar zur gleichen Pflanzengattung wie die in unseren Nadelwäldern und Moorgebieten heimischen Heidel- und Preiselbeere. Doch beide stammen aus Nordamerika. Unsere wilden Früchtchen sind deutlich kleiner als die der Zuchtsorten. Dafür steckt aber auch mehr „oho“ an Vitaminen, Mineralstoffen und Geschmack darin.

Bild 6: Lampion­artige Blütenglöckchen der heimischen Heidelbeere
© Rosa-Maria Rinkl/Wikimedia Commons
Bild 6: Lampion­artige Blütenglöckchen der heimischen Heidelbeere
Bild 7: Blaue Beeren der heimischen Heidelbeere
© LoggaWiggler/Pixabay
Bild 7: Blaue Beeren der heimischen Heidelbeere
Unsere Heidelbeere blüht im April/Mai. Ihre lampion­artigen Blütenglöckchen Bild 6 werden oft mit bereits heranreifenden Früchten verwechselt. Auf den zweiten Blick jedoch sieht man die Hummeln, die als Bestäuber von Pflanze zu ­Pflanze fliegen. Die blauen Beeren Bild 7 sind – anders als die ­Amerikaner – durchgefärbt, enthalten also mehr der als gesund geltenden Farbstoffe, den Anthocyanen.

Die Preiselbeere (Vaccinium vitis-ideae) blüht Bild 8 und fruchtet Bild 9 später als ihre blaue Cousine: Ab Ende August reifen die zuerst weißen Beeren korallenrot ab. Sie sind säuerlich-bitter und landen daher meist im Kompott.

Bild 8: Blüte der Preiselbeere
© Randi Hausken/Wikimedia Commons
Bild 8: Blüte der Preiselbeere
Bild 9: Frucht der Preiselbeere
© Philip Gabrielsen/Wikimedia Commons
Bild 9: Frucht der Preiselbeere

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Schlagworte dieser Seite:

Beeren, Cranberry, Heidelbeeren, Moorbeetgewächs, Preiselbeeren

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