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Obstgehölze bedarfsgerecht düngen

© K.Riemer/Pixabay

November 2016 Der Appetit von Obstgehölzen wird gerne überschätzt. ­Schließlich wird ihnen mit der Ernte ja nur ein Teil der ­Nährstoffe weggenommen. Dennoch: Ganz ohne Düngen geht es mit dem Fruchten auf Dauer auch nicht gut. Gewusst wie!


Anders als ein Kohlkopf, der innerhalb einer Saison wächst und komplett abgeschnitten wird, bleiben Obstbäume und -sträucher über Jahre am selben Platz stehen. Ursprünglich brauchten sie − wie ihre wilden Verwandten − keine Nährstoffzufuhr von außen. Im Garten sieht das etwas anders aus.

nach obenIn der Natur sind alle Selbstversorger

Der Nährstoffkreislauf bei einem fruchtenden Baum.
© Irina Matskevich/123rf.com
Der Nährstoffkreislauf bei einem fruchtenden Baum.
Wenn der Mensch nicht eingreift, bleiben die Nährstoffe im Großen und Ganzen immer an einem Fleck. Ein Baum nimmt sich also aus der Erde, was er über den Sommer zum Wachsen, Blühen und Fruchten braucht. Im Herbst wirft er Laub und Früchte ab. Es ist durchaus ein enormer Kraftaufwand, den er im folgenden Frühling betreiben muss, um seine Blätter erneut zu bilden. Doch was im Herbst auf den Boden fiel, wurde von Bodenorganismen wieder in Nährstoffe umgesetzt. Natürlich kommen dem Baum Früchte abhanden, weil sich Vögel, Füchse und allerhand andere Tiere davon ernähren. Doch sie hinterlassen im zu Füßen ja auch immer mal wieder etwas, zuweilen sogar ihren Körper. Ähnliches gilt für Regenwurm und Springschwanz, Bodenpilze und -bakterien. Durch diesen Nährstoffkreislauf erhält sich das System also selbst.

Im Garten herrschen andere Verhältnisse. Die Früchte der heutigen Zuchtsorten sind viel größer als die der Wildarten. Fallobst kommt − zur Vorbeugung gegen Krankheiten und Schädlinge − in die Restmülltonne. Was gesund bleibt, wandert in den Erntekorb. Und das Herbstlaub? Das wird in den allermeisten Gärten eingesammelt − und ebenfalls entsorgt.

nach obenDen Pflanzen das Herbstlaub lassen

Herbstlaub schützt den Boden. Ein Kompost-Beschleuniger (Radivit, Neudorff) fördert den Umbau in Nährstoffe bis zum Frühling.
© Neudorff
Bild 3: Herbstlaub schützt den Boden. Ein Kompost-Beschleuniger (Radivit, Neudorff) fördert den Umbau in Nährstoffe bis zum Frühling.
Wenn Sie gerne mit der Natur arbeiten möchten, leuchtet Ihnen ein, dass man den Obstgehölzen das Herbstlaub wieder zukommen lassen könnte. Einfach zusammenrechen, auf die etwa anderthalb Meter große Baumscheibe legen und mit Kompost oder Erde vor Windböen schützen − fertig ist die Düngung. Die Sache hat einen Haken: Wie beim Fallobst gehören kranke Blätter nicht auf den Kompost, und erst recht nicht unter den Baum bzw. Strauch. Andererseits: Es gibt noch mehr Gehölze im Garten. Sind diese nicht mit unseren Obst­arten verwandt, bringen sie meist auch keine für Apfel, Himbeere etc. relevanten Krankheiten mit. Liegt das Laub auf dem Rasen, müssen Sie es nicht einmal zusammenrechen: Fahren Sie einfach mit dem Rasenmäher darüber. Dann sind die Blätter schön klein gehäckselt und bieten den Mikroorganismen von vornherein mehr Angriffsfläche. Mit den letzten grünen Gräserspitzen ergibt sich im Mäherfangkorb ein perfekter, leicht "verdaulicher" Mix. Alternativ können Sie das Herbstlaub mit einem Kompostbeschleuniger versetzen Bild 3.

Wenn Sie die Baumscheibe noch von Mai bis zum nächsten Herbst(laub) mit einer dünnen Schicht angewelktem Rasenschnitt oder Kompost bedecken, reicht das Ihrem Obstbaum als Nachschub an Nährstoffen völlig aus. Wer den Eindruck hat, die Bäume könnten ein bisschen mehr vertragen, verteilt alle ein bis zwei Jahre im Herbst einen Liter reifen Kompost pro Quadratmeter auf die Baumscheibe. Für Beerensträucher gilt das Gleiche: Sie profitieren im Herbst ebenfalls von einem Liter reifem Kompost zur Düngung und einer Mulchdecke aus halb verrottetem Material.

Altgediente Gärtner lassen die Baumscheibe von März bis Mitte Mai frei von Mulch. So speichert die dunkle Erde tagsüber die Sonnenwärme und gibt sie in der Nacht wieder an die Krone ab. Das bringt zum einen die Knospen in Schwung und schützt sie andererseits vor späten Frösten.

nach obenMangel trotz Mulchen

Braucht der Boden Kalk oder hat er noch genug? Ein pH-Bodentest (Neudorff) gibt darüber schnelle Auskunft.
© Neudorff
Bild 2: Braucht der Boden Kalk oder hat er noch genug? Ein pH-Bodentest (Neudorff) gibt darüber schnelle Auskunft.
Wenn trotz der guten Mulchpraxis Mangelerscheinungen an Obstgehölzen auftreten, stimmt wahrscheinlich etwas mit dem Boden nicht. Die meisten Bäume und Sträucher bevorzugen mittlere, tiefgründige und humusreiche Böden sowie einen leicht sauren pH-Wert um 6. Diesen Wert können Sie leicht mit einem Bodentest überprüfen Bild 2. Enthält die Erde zu viel Kalk, werden Spurenelemente wie Mangan und Eisen chemisch so gebunden, dass sie von den Wurzeln nicht mehr aufgenommen werden können. Andererseits darf auch nicht zu wenig Kalk vorhanden sein. Insbesondere manche Apfel­sorten reagieren darauf mit Stippigkeit. Betroffene Früchte weisen dunkle, etwas eingesunkene Tupfen auf, das Fleisch darunter ist verbräunt, alles verbunden mit einem bitteren Beigeschmack. Kalk besteht zu großen Teilen aus Kalzium. Dieser Nährstoff sorgt für die Stabilität der Zellwände. Gelangt er, wie bei der Stippigkeit, nicht bis direkt unter die Fruchtschale, bricht das Gewebe dort stellenweise zusammen und verbräunt.

Paradoxerweise weisen anfällige Sorten, wie 'Boskoop', 'Elstar', 'Goldparmäne', 'Gravensteiner' und 'Jonagold', zuweilen Stippigkeit auf, obwohl der Boden ausreichend mit Kalk versorgt ist. Die Ursachen sind kompliziert. Neben einem zu geringen Humusgehalt, ungleichmäßiger Wasserversorgung und zu reicher Stickstoffaufnahme spielt noch das Verhältnis von Kalium zu Magnesium im Boden eine Rolle. Als Gegenmaßnahme empfiehlt sich hier eine Spritzung mit einem flüssigen Kalziumdünger direkt auf die Früchte.

nach obenObstgehölz-Düngung nach Mass

Das Boden-Analyse Set (Dehner) macht die Probenahme leicht.
© Dehner
Bild 1: Das Boden-Analyse Set (Dehner) macht die Probenahme leicht.
In die komplexen Sachverhalte brauchen Sie sich zum Glück nicht einzuarbeiten: Dafür gibt es Profis. Sprechen Sie den Gartenberater Ihres Landesverbandes an − bzw. in jedem Bundesland bieten staatliche Labors (Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt LUFA) entsprechende Analysen an. Der gärtnerische Fachhandel hat mittlerweile Sets im Sortiment, die alles beinhalten, was man für eine Bodenuntersuchung benötigt Bild 1, inklusive Anleitung, wie die Erdprobe genau gezogen, gemischt und verschickt werden muss. Vergleichen Sie die Angebote! Einige enthalten nur eine Standarduntersuchung auf die wichtigsten Nährstoffe und Werte. Andere analysieren auf Wunsch zusätzlich zum Beispiel Humus- und Salzgehalte, Spurenelemente, Schwermetalle und Pflanzenschutzmittelrückstände. Nach der Untersuchung erhalten Sie eine Auswertung, oft inklusive individueller Dünge­empfehlung. Eine Investition, die sich lohnt! Zumal sie nur alle drei bis fünf Jahre fällig ist.

Dann wissen Sie außerdem, ob Ihr Gartenboden − wie sehr viele in Deutschland − bereits hohe oder sogar zu hohe Gehalte an Phosphat und Kalium enthält. Stickstoff ist leicht löslich und wird demzufolge bei hohen Niederschlägen schnell in tiefere Bodenschichten bzw. das Grundwasser ausgewaschen. Phosphat und Kalium dagegen reichern sich im Boden an. Eine angepasste Düngung nach der Empfehlung des Untersuchungslabors wirkt dem entgegen.

Aktuell ist übrigens ein guter Zeitpunkt für eine Bodenuntersuchung: Über den Winter tut sich in der Erde nicht viel, und Sie umgehen die Arbeitsspitze der Labors im Frühling. Entsprechend flott erhalten Sie die Ergebnisse.

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Meist werden Mäher oder Rasentraktoren mittels Mulchkit oder einfach nur mit einem Stopfen im Auswurfkanal zum Mulchen umgerüstet. Eventuell muss aber auch ein spezielles Messer eingebaut werden, das in der Lage ist, hochgewirbeltes Rasenschnittgut mehrfach klein zu schneiden.
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