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Pilze im Garten kultivieren

Ernte von Shiitake auf Holzstämmen
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Ernte von Shiitake auf Holzstämmen

September 2015 Pilze schmecken im Herbst einfach köstlich. Kaum zeigen sich die ersten Köpfe, sind kundige Pilzsammler schon fleißig unterwegs und stöbern stundenlang durch Wald und Flur. Leichter geht die Suche mit einer eigenen Pilzkultur im Garten. Mit etwas Holz oder Stroh lassen sich dort über Jahre eigene Pilze kultivieren.


Speisepilze aus Kultursubstrat gedeihen im schattigen Garten ausgezeichnet und bringen, wenn man die Anleitung beachtet, eine sichere Ernte. Hierfür eignen sich zum Beispiel Braunkappen und Austern- oder Kalbfleischpilze. Sie ernähren sich von organischer Substanz (Zellulose) in Form von Holzstämmen oder Stroh.

Speisepilze gedeihen im schattigen Garten. Sie ernähren sich von Holzstämmen oder Stroh.
© Stein
Speisepilze gedeihen im schattigen Garten. Sie ernähren sich von Holzstämmen oder Stroh.
Diese Materialien werden mit Pilzbrut geimpft, die auf Getreidekörnern, Holzstäbchen oder präpariertem Stroh von Züchtern herangezogen wurden und im Versand oder in Gartencentern erhältlich sind. Sie lassen sich deshalb auf einfache Weise kultivieren, ganz im Gegensatz zu Steinpilzen, Pfifferlingen oder Maronen, die bislang nur in Symbiose mit lebenden Bäumen gedeihen.

Im Hausgarten ist von Mai bis Juli die beste Zeit, um die Kultur anzusetzen. Bis spät in den Herbst erscheinen dann in mehreren Schüben die Pilze zum Ernten.

nach obenPilze, die auf Stroh wachsen

Für die Kultur auf Strohballen eignen sich vor allem Austernseitlinge und Braunkappen. Der Rotbraune Riesen-Träuschling (Stropharia rugosoannulata), wie die Braunkappe botanisch korrekt heißt, kommt nur selten in deutschen Wäldern wild vor. Dafür gedeiht dieser Pilz unkompliziert auf Stroh. Er wurde in Berlin- Karlshorst auf der Pferderennbahn als kulturwürdig entdeckt. Danach entstanden mehrere Zuchtsorten, die sich in der Farbe des Fruchtkörpers von hell- bis dunkelbraun unterscheiden, aber auch durchaus in der Form. Die jungen Pilze ähneln Steinpilzen, mit anfangs grauen, später violettbraunen Lamellen. Ausgewachsene Exemplare erreichen einen Durchmesser von 10 bis 18 cm. Das Fleisch riecht und schmeckt angenehm aromatisch, etwas weniger intensiv als Steinpilze. Doch ist das Fleisch reich an Vitaminen der B-Gruppe und enthält viel Niacin, einen Inhaltsstoff, der sich positiv auf das Nervensystem auswirkt.

Auch die Austernseitlinge (Pleurotus ostreatus) sind bei uns heimisch. Sie gedeihen als Kultur im Garten, mitunter kann man sie zum Ende des Jahres sogar in der Stadt auf abgeholzten Baumstämmen finden.

Büschelweise erscheinen die Fruchtkörper (auch als Muschel- oder Kalbfleischpilze bezeichnet) im Spätherbst von Oktober bis Dezember. Die für die Kultur gezüchteten Varianten wachsen sowohl auf Stämmen, aber viel besser noch auf Stroh und auf Fertigsubstraten, ähnlich wie die Braunkappen. Allerdings reagieren sie etwas empfindlicher auf Regen. Kulturpilze erscheinen in zwei bis drei Erntewellen im Abstand von vier Wochen, jeweils viele Fruchtkörper auf einmal. Sie sollten immer zusammen abgeerntet werden, denn die kleinen Pilze dazwischen werden sich nicht weiterentwickeln.

Austernseitlinge auf Stroh
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Austernseitlinge auf Stroh

nach obenKulturanleitung für Austernpilze und Braunkappen

Beimpfen des Strohs mit Pilzbrut.
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Beimpfen des Strohs mit Pilzbrut.
Ein idealer Platz findet sich unter Bäumen im Garten, wo die Ballen vor dem Austrocknen geschützt sind.
  1. Benötigt werden frisch geerntete Ballen von Weizen- oder Roggenstroh. Es darf weder von anderen Pilzen infiziert noch mit Chemikalien und Halmverkürzern behandelt sein. Hierin wachsen keine Kulturpilze, denn sie wollen ihr Territorium dominieren.
  2. Die Ballen werden durchdringend gewässert. Hierfür legt man eine Folie aus und stellt einen Sprenger auf den Ballen.
  3. Zum Beimpfen werden haselnussgroße Brocken der Brut 10 bis 15 cm tief und im Abstand von zirka 20 cm ins Stroh gesteckt. Mit einer Folie abgedeckt, sind sie vor übermäßiger Nässe und Austrocknen geschützt. Die Brut beginnt zu wuchern und durchwächst das Stroh, was bei 18 bis 25 °C vier bis sechs Wochen dauert, bei Start der Kultur im Herbst mitunter den ganzen Winter über.
  4. Nach dem Durchwachsen wird der Ballen etwa 6 bis 10 cm hoch mit feinkrümeliger Erde bedeckt.
  5. Nach weiteren drei bis vier Wochen setzt die erste starke Ernte ein. Pilze tragen nicht gleichmäßig, sondern in Wellen, sie bilden danach in drei bis fünf wöchigem Abstand weitere Fruchtkörper aus. Nach drei bis vier Erntewellen ist das Stroh weitgehend abgebaut. Ein Ballen Stroh kann 3 bis 6 kg Braunkappen oder Austernpilze liefern.

nach obenPilzkultur auf Stämmen

Als weitere Methode kommt die Kultur auf frischen Stämmen von Laubhölzern wie Birke, Buche, Pappel oder Weide (keine Nadelhölzer!) infrage. Dies ist allerdings viel aufwändiger, komplizierter und weniger sicher als die Strohballen-Kultur.

Dafür eignet sie sich nicht nur für den Austernseitling, sondern auch für weitere holzabbauende Arten wie dem asiatischen Shii-Take, Schwefelkopf, Stockschwämmchen und Samtfußrübling.

Die Stämme sollen nicht älter als drei Monate sein und feucht.

Zeigen sie äußerlich schon Risse, muss man sie zwei Tage lang intensiv wässern. Ideal ist ein Stamm von 100 cm Länge und 15 cm Dicke. Im Laufe der Ernte werden die Stämme etwa zwanzig bis dreißig Prozent des Holzgewichtes in Pilze umsetzen. Diese Methode liefert über mehrere Jahre lang leckere Pilze. Einige Firmen bieten auch fertig beimpfte Stämme an.

Holzstamm anbohren
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Holzstamm anbohren
Mit Pilzbrut umsponnene Holzdübel in die vorgebohrten Löcher schlagen.
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Mit Pilzbrut umsponnene Holzdübel in die vorgebohrten Löcher schlagen.

nach obenStämme richtig beimpfen

Damit die Körnerbrut in intensiven Kontakt mit dem frischen Holz treten kann, gibt es drei Möglichkeiten:
  1. Die Schnittimpfung bringt die besten Erfolge: Der Stamm wird an mehreren Stellen, jeweils im Abstand von 15 bis 20 cm keilförmig eingesägt, sodass ein Spalt von 1,5 bis 2 cm Breite und 4 bis 5 cm Tiefe entsteht. Dabei den Stamm jeweils drehen, um ihn besser auszunutzen. In den Spalt wird Brut gefüllt, angedrückt und mit einem transparenten Klebeband abgedeckt.
  2. Die Bohrlochimpfung: Hierbei bohrt man im Abstand von 15 bis 20 cm rundum etwa 3 cm tiefe Löcher und schlägt mit Brut umsponnene Holzdübel hinein.
  3. Bei der am meisten verwendeten Kopfimpfung wird vom Stamm eine 5 bis 10 cm dicke Scheibe abgetrennt und auf der Schnittfläche Pilzbrut ausgestreut. Nun deckt man die Scheibe darüber und nagelt sie fest. Ein Klebeband sorgt dafür, dass die Brut nicht herausfallen kann.

nach obenLange ernten

Die so behandelten Stämme werden feucht an schattiger Stelle aufgestellt, in Foliensäcke eingepackt oder mit feuchtem Stroh abgedeckt, damit sie nicht austrocknen. Eine Folie dient als zusätzlicher Schutz.

Das Holz ist nach drei bis vier Monaten durchwachsen, erkenntlich am weißen Geflecht. Folien und Klebebänder kann man nun entfernen, doch weiterhin müssen die Stämme regelmäßig angefeuchtet werden. Beginn und Dauer der Ernte hängen vom verwendeten Holz ab. Während sie auf hartem Buchenholz erst nach einem Jahr beginnt, aber bis zu acht Jahre anhält, kann man bei weicher Birke schon nach drei bis fünf Monaten mit der ersten Ernte rechnen und das vier bis fünf Jahre lang. Wichtig ist ein Schutz gegen Schnecken.

Oft werden Bäume im Garten gefällt und der Stumpen verbleibt im Boden. Man kann ihn gut einkerben und mit Pilzbrut füllen. Auf diese Weise erfüllt er noch einen nützlichen Zweck.

Wer nur im Haus kultivieren kann, findet im Versandhandel auch Fertig-Kulturen, die sogar im Keller ganz einfach auf Pellet-Substrat in Säcken eine üppige Ernte liefern, ganz unabhängig von der Jahreszeit.

Stehen Sie auf Pilze? Hier (Pilzgenuss aus dem Garten: Austern- und Shiitake-Pilze) finden Sie leckere Rezepte mit Pilzen. Schauen Sie rein!

Pfannkuchen mit Champignons
Dreierlei Pilz-Gerichte
Gnocchi mit Austernpilzen und Mozzarella
Kleine Köpfe – großer Geschmack
Die gefürchtete Nacktschnecke schnüffelt nach dem nächsten Leckerbissen. Hoffentlich woanders!
Schneckenfeste Gartenpflanzen

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