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Schlanke Säulen

September 2015 Im März 2010 berichtete mein Kollege Rolf von Soosten an dieser Stelle über Säulenobstbäume. Ausschließlich um Äpfel ging es seinerzeit. Bis heute sind sie die einzigen, denen der säulenhafte Wuchs mit extrem kurzen, fruchttragenden Trieben im Erbgut steckt. Kleine Gärten und der Trend zum Balkon- und Terrassengärtnern veranlassen die Züchter, nach weiteren Obstarten zu suchen, die sich sehr schlank machen können.


nach obenGrundsätzliches

Wenn von Säulenobstbäumen die Rede ist, kann das zweierlei meinen.
  1. Apfelbäume, die schnurstracks nach oben streben. Sie bilden einen kronenlosen Stamm mit gestauchtem Wachstum. Ihre Seitentriebe bleiben kurz und setzen Blütenknospen an. Sie sind standhaft und benötigen keinen Stützpfahl. Diese Form trat in den Sechzigern als natürliche Mutation auf. Alle echten Säulenapfel-Sorten sind Abkömmlinge davon.
  2. Da eine solche Mutation bislang nur bei einem Apfel gefunden wurde, man aber auch andere Obstarten mit diesem Wuchs haben möchte, suchen die Züchter nach säulenförmigen Kern- und Steinobstpflanzen. Diese bilden Kronen, doch die Äste setzen in sehr steilem Winkel an und verzweigen sich kaum. Fachleute bezeichnen diese Wuchsform als Pillar-Typ.

Sauerkirsche 'Jachim' von Artevos
© Artevos
Bild 1: Sauerkirsche 'Jachim' von Artevos

nach obenAnderes Baumobst

'Jachim' Bild 1 (Artevos), eine Sauerkirsche, ist ein solcher Pillar-Typ. Ohne Schnitt ergibt sich eine schmale Krone. Schneiden Sie Neutriebe Mitte/ Ende Juli auf 10 bis 15 cm zurück, resultiert das in der typischen Säule wie man sie beim Apfel kennt. 'Jachim' hat etwas von der 'Schattenmorelle' im Blut. Letztere empfiehlt sich wegen ihrer Anfälligkeit für Monilia-Spitzendürre nicht mehr. 'Jachim' kommt damit besser klar. Und die Blüte im Frühling ist eine Wucht!
Weitere Beispiele sind die Säulenzwetschge 'Liane' Bild 2 sowie die Säulenbirne 'Decora' Bild 5 (beide Häberli).

Säulenzwetschge 'Liane' von Häberli
© Häberli
Bild 2: Säulenzwetschge 'Liane' von Häberli
Säulenbirne 'Decora' von Häberli
© Häberli
Bild 5: Säulenbirne 'Decora' von Häberli

Die Zwetschge ist selbstfruchtbar und scharkatolerant. Ab Mitte August liefert sie aromatische Früchte. Ihr Kronendurchmesser bleibt unter 1 m.

'Decora' ist ebenfalls von sich aus ein sehr aufrechter Typ. Anfang/Mitte Oktober reifen süße Früchte. Den schlanken Wuchs beider Sorten erhalten Sie − wie bei 'Jachim' − durch das Einkürzen längerer Seitentriebe im Sommer.

Johannisbeere 'Trajan' von Häberli
© Häberli
Bild 3: Johannisbeere 'Trajan' von Häberli

nach obenBeeren & Kiwi

Der große Erfolg mit den Säulenbäumen brachte die Profis darauf, auch Beeren und Kiwi zu "verschlanken". Das ist allerdings eher eine Erziehungssache. Bei der im Juli und August fruchtenden Johannisbeere 'Trajan' Bild 3 (Häberli) bindet man dafür drei Bodentriebe locker an einen Stab. Sie trägt besonders reich an einjährigen, also in dieser Saison gewachsenen Seitentrieben. Belassen Sie maximal 6 bis 8 Stück davon pro Bodentrieb, die Sie auf 20 bis 30 cm einkürzen. Im Winter schneiden Sie Triebe, die bereits Früchte getragen haben, auf einen 1,5 cm kurzen Zapfen zurück. Daraus treiben frische einjährige Triebe aus. Vier, fünf Jahre nach der Pflanzung ersetzen Sie einen Bodentrieb durch einen neuen. Die beiden anderen nehmen Sie in den Folgejahren heraus.

Beerenkiwi 'Vitikiwi' von Häberli
© Häberli
Bild 4: Beerenkiwi 'Vitikiwi' von Häberli

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Viel Spaß beim Gärtnern!
Ein ähnliches Prinzip wenden Sie bei 'Vitikiwi' Bild 4 (Häberli) an, einer samenlosen, selbstfruchtbaren Beerenkiwi. Sie ist winterhart, glattschalig und wandert von der Pflanze direkt in den Mund. Für die Säulenform binden Sie eine "Pyramide" aus drei bis 2 m hohen, mindestens 2,5 cm dicken Stäben an der Spitze zusammen. An jedem Stab befestigen Sie ein bis zwei Bodentriebe, die sich nicht darum winden sollten. Die im zweiten Jahr entstandenen Seitentriebe kürzen Sie im Sommer auf 20 cm. Diese entwickeln im dritten Jahr weitere Seitentriebe, an deren Basis sich Früchte bilden. Kürzen Sie diese Triebe im Sommer auf acht Blätter oberhalb der Früchte ein. Im Winter alle Seitentriebe, die bereits gefruchtet haben, auf 3 bis 5 Augen zurücknehmen, um neues Fruchtholz zu fördern. Alle 6 bis 7 Jahre verjüngen Sie die Säulenkiwi, indem Sie die alten Bodentriebe innerhalb von 3 Jahren nach und nach durch neue Bodentriebe ersetzen.

Früchte des Säulenapfels 'Cuckoo' von Lubera
© Lubera
Bild 6: Früchte des Säulenapfels 'Cuckoo' von Lubera

nach obenNeue Apfelsorten

Auch bei Säulenäpfeln hat sich einiges getan. 'Cuckoo' Bild 6 (Lubera) macht öfter Freude durch rote Blüten, aromatisches und rotes Fruchtfleisch, regelmäßigen Ertrag sowie durch Schorftoleranz.

Säulenapfel 'Pompink' von Artevos
© Artevos
Bild 7: Säulenapfel 'Pompink' von Artevos
'Pompink' Bild 7 (Artevos) ist eine sehr robuste, reichblühende Sorte. Ende September bringt sie aromatisch-saftige Früchte hervor. 'Pompink' gedeiht auch in kühleren Lagen und hat eine hohe Widerstandskraft gegen Schorf, Mehltau, Krebs, Fruchtfäule und Blattläuse.

Säulenäpfel 'Rondo' von Artevos
© Artevos
Bild 8: Säulenäpfel 'Rondo' von Artevos
Ebenso gesund kommt 'Rondo' Bild 8 (Artevos) daher. Die Mitte/ Ende September reifenden Früchte sind sehr saftig und süßsäuerlich. Wie viele Säulenäpfel neigt auch dieser zu Alternanz: In einem Jahr trägt er so viel, dass er im zweiten erst wieder Kraft sammeln muss. Dagegen hilft, nach dem natürlichen Fruchtfall Anfang Juni die Anzahl der kleinen Äpfel so auszudünnen, dass maximal 30 einzeln stehende Früchte am Baum verbleiben.

nach obenDie Kultur im Topf

Wichtig ist − wie im Garten − ein sonniger Standort. Dazu ein Pflanzgefäß in angemessener Größe. Am besten topfen Sie neu erworbene Exemplare gleich um, und zwar von 10-l-Töpfen in 15 l, 15 l in 20 bis 25 l sowie 25 l in 40 l. Alle zwei, drei Jahre ist die nächste Größe dran. Sorgen Sie für eine 10 bis 15 cm dicke Drainageschicht aus Splitt oder Blähton am Topfboden: Staunässe nehmen die Bäume übel. Verwenden Sie eine hochwertige, strukturstabile Kübelpflanzenerde. Ende März/Anfang April geben Sie einen Obstdünger nach Herstellerangaben. Bei Bedarf mit Regenwasser durchdringend gießen.

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