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Der Geschmack von Erdbeeren

Walderbeeren
© lemark/Pixabay
Walderbeeren

August 2015 Wer kennt eigentlich noch das wunderbare Aroma einer frischen Erdbeere? Supermarkt- Einkäufer eher nicht. Wanderer und Spaziergänger vielleicht, wenn sie das Glück haben, Walderdbeeren (rechts) am Wegesrand zu finden. Gartenbesitzer vermutlich. Denn die haben schließlich die Möglichkeit, Sorten anzupflanzen, die nach etwas schmecken. Und davon gibt es inzwischen wieder einige.


nach obenWie der Geschmack abhanden kam

Die Ursache für fade Wasserfrüchte hat sich inzwischen bestimmt herumgesprochen. Wie bei Tomaten sowie anderem Obst und Gemüse kam es lange Zeit eher darauf an, dass die Früchte auf dem Feld gut und gleichmäßig wachsen, Krankheiten trotzen, ohne große Verluste zu lagern und zu transportieren sind, und dann auch noch in der Schale ordentlich etwas hermachen, weil die Verbraucher sie sonst nicht kaufen mochten. Demzufolge waren Aroma und Geschmack bei der Züchtung etwas ins Abseits geraten.

nach obenHerausforderung für die Züchter

Diese Zeiten sind schon länger vorbei. Ob Tomate oder Apfel: Es gibt moderne Sorten, die richtig lecker sind. Die Erdbeere war allerdings für die Züchter eine besonders harte Nuss.

Die Erklärung findet sich bei einem Blick hinter die Forscherkulissen. Im Labor stellte sich heraus, dass in der Kirsche gerade einmal zwei, drei Substanzen stecken, die für den Geschmack verantwortlich sind. Beim Apfel sind es wenige mehr. Die Erdbeere wartet demgegenüber mit 360 Stoffen auf, die zum Aroma beitragen. Am Institut für Ökologische Chemie, Pflanzenanalytik und Vorratsschutz (Julius-Kühn-Institut für Kulturpflanzenforschung in Quedlinburg) konnten Schlüsselsubstanzen für das fruchtige Waldbeeraroma ermittelt werden. Und siehe da: In den am Markt sehr häufig gehandelten Hochleistungssorten wie 'Elsanta' war dieser Stoff nicht mehr nachzuweisen. Er ist im Laufe der Züchtung einfach auf der Strecke geblieben. Die Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von "genetischer Erosion": Die einst große Vielfalt der Erdbeeren ging verloren. Wie die der meisten unserer landwirtschaftlichen Kulturpflanzen.

Zum Glück war das nicht das Ende aller aromatischen Erdbeeren. In den Sammlungen der Genbanken sowie unter den Wildarten finden sich viele mit Früchten, die voll mit geschmacksgebenen Inhaltsstoffen stecken. Und dann sind da ja auch noch die Sorten unserer Väter und Großväter. Wenn sie es bis in die heutige Zeit geschafft haben.

Die Erdbeersorte 'Mieze Schindler'.
© Schreibkraft/Wikipedia
Die Erdbeersorte 'Mieze Schindler'.
'Mieze Schindler' (rechts) ist so ein Fall. Das Aroma der karminroten Sorte mit tief eingesenkten Nüsschen ist umwerfend. Aber! Sie ist anfällig für Krankheiten, braucht eine Bestäubersorte und bringt eine nur mittelgroße Ernte hervor. Obendrein werden reife Früchte nach dem Pflücken schier auf dem Weg in die Küche matschig. Dass die 1935 in Pillnitz gezüchtete Sorte überhaupt noch existiert, verdankt sie Kleingärtnern. Die nehmen die Nachteile des Geschmackserlebnisses wegen in Kauf.

Interessiert an den vorgestellten Sorten?

Sie erhalten sie im Handel sowie im Versandhandel wie z.B. Amazon.de. Die orange-markierten Sorten führen Sie direkt zur Fundstelle bei Amazon.de.
Viel Spaß beim Gärtnern!
Mittlerweile ist 'Mieze Schindler' im Gartenfachhandel wieder erhältlich. Ebenso die Sorte 'Mieze Nova', die selbstfruchtbare und widerstandsfähigere Tochter der Geschmackssiegerin. Sie bringt etwas größere und festere, aromatische Früchte hervor.

Dass sie im Geschmack ihrer Mutter nachkommt, ließ sich nicht vorausberechnen. Aufgrund der Riesenzahl der Aroma verleihenden Stoffe ergibt bei Erdbeeren eins und eins schon mal drei. Oder null.

nach obenDie Aroma-Sieger

Zehn Jahre braucht ein Züchter, bis eine neue Erdbeersorte reif für den Verkauf an Gärtner und Hobbygärtner ist. Die ganze Bandbreite der modernen Sorten unterliegt immer wieder Geschmacks-Castings an den Versuchs- und Forschungseinrichtungen. Einige Namen fallen, wenn es um die jeweiligen Sieger geht, besonders oft. Neben 'Mieze Nova' empfehlen sich demnach die einmal tragenden Sorten 'Fraroma', Malwina', 'Lambada', 'Tenira', 'Korona', 'Darselect' sowie die immertragende 'Mara des Bois'.

nach obenJetzt neu pflanzen!

Wenn Sie Lust haben, die neue Aromaerdbeeren-Generation auszuprobieren, sollten Sie jetzt die Ärmel hochkrempeln: Die beste Pflanzzeit für einmal tragende Sorten läuft! Bei mehrmals tragenden können Sie sich bis Ende September Zeit lassen oder sogar bis Ende April/Anfang Mai warten.

Gönnen Sie den kleinen Obstschätzen einen sonnigen Platz im Garten. Mindestens vier Jahre lang sollten hier keine Erdbeeren gestanden haben. Eine Vorbeugung gegen den Befall mit den typischen Krankheiten und Schädlingen.

Zur Beetvorbereitung lockern Sie die Erde tiefgründig mit einer Grabegabel auf. Dabei sollten Sie Wurzelunkräuter, wie Quecke und Ackerwinde, so sorgfältig wie möglich herauslesen. Schließlich bleiben die Erdbeeren zwei, drei Jahre dort stehen. Wenn die Unkräuter sich während dieser Zeit im Wurzelbereich der kleinen Obstgewächse breitmachen, sind sie kaum noch komplett herauszurupfen.

Arbeiten Sie bei der Beetvorbereitung 5 l reifen Kompost sowie zwei gehäufte Esslöffel Hornmehl pro Quadrameter unter. Dann lassen Sie den Boden zwei Wochen ruhen. Direkt vor der Pflanzung rechen Sie das Beet glatt ab.

Erdbeeren gedeihen am besten in Reihen mit 50 cm Abstand. Innerhalb der Reihen setzen Sie die Gewächse 25 bis 30 cm auseinander. Dabei kommen die Pflanzen so tief in die Erde, dass die Herzknospe, also die Stelle, an der die Blätter austreiben, knapp über der Bodenoberfläche zu sitzen kommt. Zum Schluss gießen Sie das Beet gut an.

nach obenDie weitere Pflege des Nachwuchses

Erdbeeren brauchen im September einen gleichmäßig feuchten Boden (s. Pflanz- und Pflege-Fahrplan). Das gilt für frisch gepflanzte Exemplare natürlich ganz besonders.

Damit diese auch gut über den ersten Winter kommen, decken Sie das Beet bei Kahlfrösten mit Fichtenreisig oder Stroh ab. Wenn es milder wird, kontrollieren Sie, ob die jungen Erdbeeren vom Frost etwas aus der Erde gehoben worden sind. Gegebenenfalls drücken Sie sie wieder an.


nach obenDer Pflanz- und Pflege-Fahrplan


Erdbeere pflanzen
© rodimovpavel/Fotolia
Erdbeere pflanzen
August:
Bis Mitte des Monats ist die beste Zeit für die Neupflanzung von einmal tragenden Sorten. Je früher Sie pflanzen, desto größer fällt im Frühling die erste Ernte aus! Mehrmals tragende Sorten werden weiter geerntet.

September:
Mehrmals tragende Sorten und Monatserdbeeren können noch bis Ende dieses Monats gepflanzt werden. Alle Erdbeeren nach der Pflanzung stets gleichmäßig feucht halten. Auch bereits bestehende Erdbeerbeete bei Trockenheit mit Wasser versorgen, da die Pflanzen jetzt ihre Blüten für die kommende Saison ansetzen. Mehrmals tragende Sorten weiterhin ernten.

Oktober:
Halten Sie die Pflanzen während trockener Perioden weiterhin leicht feucht.

April:
Versorgen Sie die Pflanzen nach dem Austrieb mit 3 l/m2 Reifekompost, den Sie oberflächlich einarbeiten. Mehrmals tragende Sorten und Monatserdbeeren können ab jetzt bis Ende September gepflanzt werden.

Mit Stroh gemulchte Erdbeere.
© Fruchthandel Magazin/Pixabay
Mit Stroh gemulchte Erdbeere.
Mai:
Ab der Blütezeit mit Stroh mulchen, damit die Früchte sauber und trocken bleiben. Während der Fruchtbildung für gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit sorgen.

Juni:
Erdbeeren regelmäßig durchernten. Ausläufer, die nicht zur Vermehrung gebraucht werden, entfernen, damit sie der Pflanze keine unnötige Kraft rauben. Bei mehrmals tragenden Sorten können sie ein bis zwei Ausläufer pro Pflanze belassen: Daran sind später weitere Ernten möglich.

Nach der Ernte die Blätter abschneiden, um Krankheiten vorzubeugen.
© Rasbak/Wikipedia
Nach der Ernte die Blätter abschneiden, um Krankheiten vorzubeugen.
Juli:
Nach der Ernte schneiden Sie die Blätter ab, um Krankheiten vorzubeugen. Dabei das Herz der Pflanze nicht beschädigen. Mehrmals tragende Sorten ernten. Ausläufer für die Vermehrung bewurzeln lassen. Ab Ende des Monats beginnt die beste Pflanzzeit für einmal tragende Sorten.

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