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Ich bin neu hier: Kirschessigfliege

Juni 2015 Das ging erschreckend schnell. 2011 wurde die Kirschessigfliege zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen. Im vergangenen Jahr hatte sie sich bereits im ganzen Land ausgebreitet. Obstund Weinanbauern macht der Winzling schwer zu schaffen. Logisch, dass sie auch um Hobbygärten keinen Bogen macht.


Kirschessigfliege
© Martin Hauser/Wikipedia
Kirschessigfliege

nach obenWer bist du ?

Die Kirschessigfliege ist eine Verwandte unserer Fruchtfliege (auch Essigfliege, Drosophila melanogaster). Beide gehören der Familie der Taufliegen an. Die bei uns heimische Fruchtfliege kennen Sie: Das Insekt wird lästig, wenn reifes Obst auf dem Tisch duftet oder einzelne Tiere im Wein-, Saft- oder Bierglas ertrinken. Die Kirschessigfliege sieht ihr sehr ähnlich. Die Männchen (im Bild Nr. 1) sind noch leicht zu erkennen: Ihre Flügel haben schwarze Flecken. Die Weibchen (im Bild Nr. 2) dagegen sind mit unseren Fruchtfliegen leicht zu verwechseln − bis auf den nur unter Vergrößerung sichtbaren, sägeartigen Eiablageapparat (im Bild Nr. 3). Damit kommt sie durch intakte Kirsch-, Himbeer- und Weinbeerenhäute. Die Fruchtfliegendame schafft das nur bei bereits überreifem oder aufgeplatztem Obst.

nach obenWoher kommst du?

Drosophila suzukii − der zoologische Name verrät, wo diese Fliege ursprünglich herstammt: Sie ist Asiatin. Vermutlich gelangte sie als blinde Passagierin in Früchten erst in die USA, dann mit dem gleichen Transportmittel nach Südeuropa. Jetzt lebt sie auch vor Ihrer Haustüre.

nach obenWas willst Du hier?

Fast ohne natürliche Feinde erfüllt die Kirschessigfliege ihren biologischen Auftrag, nämlich sich zu vermehren, richtig gut: Die Weibchen legen im Schnitt 400 Eier, und das oft vom ersten Lebenstag an. Acht bis 14 Tage später schlüpft die neue Generation aus den Puppen. In Japan schafft das Tier 10 bis 15 solcher Zyklen jährlich. Ein Potenzial, das Obst- und Weinbauern sowie Pflanzenschutz-Forschern Sorgen bereitet.

Am wohlsten fühlen sich die Tiere bei feuchtwarmem Wetter. Trockene Hitze liegt ihnen nicht. Frost bringt sie um. Deshalb suchen sich begattete Weibchen im Herbst geschützte Stellen im Wald oder in Häusernähe, um ihr Glück zu versuchen. Milde Winter kommen ihnen da sehr entgegen.

blaue Weintrauben
© Michael Breuer
blaue Weintrauben
Weintrauben: Wer sich die saftende Frucht mit einer guten Lupe anschaut, erkennt lange weiße Fädchen.
© Michael Breuer
Weintrauben: Wer sich die saftende Frucht mit einer guten Lupe anschaut, erkennt lange weiße Fädchen.

nach obenGefährdetes Obst

Kirschessigfliegen bevorzugen als Kinderstube dunkelund weichschalige, reife Früchte. Abgesehen davon sind sie nicht wählerisch und legen ihre Eier in Kirschen, alle Beerenobst-Arten, Pflaumen, Pfirsiche, Aprikosen, Hartriegelfrüchte, Holunderbeeren, Feigen und Weintrauben.

Frisch befallenes Obst bildet Safttropfen (Bild links, blaue Weintrauben). Wer sich die saftende Frucht mit einer guten Lupe anschaut, erkennt lange weiße Fädchen (Bild rechts), jeweils zwei pro Stelle. Das sind die Atemorgane der Eier. Die Fädchen unserer Fruchtfliege sind viel kürzer. Nach drei bis vier Tagen fallen die Früchte an den Eiablagestellen ein, werden matschig und verfaulen.

nach obenAbhilfe? Schwierig!

Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist schwierig − und für den Hausgarten aktuell sowieso gar nicht zulässig. Der Knackpunkt: Kirschessigfliegen besetzen nur reifende Früchte. Für die meisten Mittel sind jedoch Wartezeiten einzuhalten, damit die Wirkstoffe sich vor dem Verzehr zersetzen bzw. durch Regen abgewaschen werden.

Zunächst gab es Hoffnung, dass frühe Himbeer- und Kirschsorten nicht oder nur wenig befallen werden. Schließlich kommen im Winter theoretisch die meisten Suzukii-Fliegen um und müssen erst wieder eine Population aufbauen. Leider fielen nach milden Wintern auch Früchte der frühen Sorten zum Opfer.

nach obenZuvorkommend sein

Forscher und Experten haben also noch einiges zu tun. Pflanzenschutzbehörden fordern deshalb auch Hobbygärtner dazu auf, die weitere Ausbreitung der Kirschessigfliege einzugrenzen. Die folgenden Maßnahmen helfen dabei:

  • Pflücken Sie die Früchte möglichst zeitig, um den Fliegen zuvorzukommen. Am besten gehen Sie Ihre Sträucher und Bäume alle ein, zwei Tage mit dem Erntekorb durch.
  • Keine Früchte am Baum hängen lassen und herabgefallene aufsammeln.
  • Befallenes Obst möglichst sicher entsorgen. Dafür setzt man es in Plastikbeuteln intensiver Sonnenstrahlung aus. So werden die Fliegen quasi "gegart". Ein paar Tage einfrieren klappt auch.

nach obenVorbeugung

Zur Vorbeugung haben Sie zwei Möglichkeiten. Entweder, Sie netzen Ihr Obst ein. Dabei dürfen die Maschen maximal 0,8 × 0,8 mm groß sein, sonst schlüpfen die Fliegen einfach hindurch. Leider mogeln sie sich jedoch gerne bei der Ernte unter das Netz.

Die Alternative: Locken Sie die Insekten in die Falle. Was unterschiedlich erfolgreich sein kann, so Michael Breuer, Referatsleiter Ökologie/Mittelprüfung am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg. "Wir nutzen die Fallen nur, um eine Population und deren Ausmaß nachzuweisen." Für den Hausgarten sei die Becher-Methode aber einen Versuch wert.

Löcher verteilen Sie auf einer Seite des oberen Becherdrittels
© Silke Kluth
Löcher verteilen Sie auf einer Seite des oberen Becherdrittels
Dafür bohrt man zehn Löcher von drei bis vier Millimeter Durchmesser in einen sauberen Plastikbecher mit Deckel. Die Löcher verteilen Sie auf einer Seite des oberen Becherdrittels (Bild rechts: mit einer Lochzange oder einem Lötkolben bzw. Einer heißen Nadel). Auf der anderen Becherseite können Sie dann die Köderflüssigkeit gut ausschütten.
Hängen Sie die Becher im Abstand von zwei Metern rund um die gefährdeten Obstgewächse.
© Michael Breuer
Hängen Sie die Becher im Abstand von zwei Metern rund um die gefährdeten Obstgewächse.
Bevor die Früchte anfangen zu reifen und Farbe bekommen, hängen Sie die Becher im Abstand von zwei Metern rund um die gefährdeten Obstgewächse (Bild rechts). So treffen zuwandernde Fliegen erst auf diesen Schutzgürtel. Mit etwas Glück lenken Sie die Tiere ein bis zwei Wochen vom Einwandern in den Obstbestand ab. So gewinnen Sie Zeit, die Ernte für sich zu retten.

nach obenDas Lockmittel

Michael Breuer nennt als Zutaten für die Fangflüssigkeit naturtrüben Apfelessig, 1:1 verdünnt mit Wasser. Andere Experten mixen drei Teile Apfelessig mit einem Teil Rotwein oder gar drei Teile Rotwein mit zwei Teilen Apfelessig. Auf jeden Fall muss ein Tropfen geruchsneutrales Spülmittel hinzu. So gehen die Fliegen gleich unter, sobald sie mit der Flüssigkeit in Berühung kommen, und zappeln nicht lange an der Oberfläche herum.

Wichtig ist, den Becher nur drei bis vier Zentimeter hoch zu füllen: Über der Flüssigkeit soll sich eine verlockende Duftwolke entwickeln können.

Kippen Sie gebrauchte Fangflüssigkeit nicht einfach in den Garten. Das lockt weitere Taufliegen an. Gießen Sie sie durch ein Teesieb in den Abguss. Dann können Sie gleich kontrollieren, ob bei Ihnen tatsächlich Tiere mit den verräterischen schwarzen Flügelflecken unterwegs sind.

Bis März unterlag die Kirschessigfliege der Meldepflicht. Allerdings ist sie mittlerweile so weit verbreitet, dass die Maßnahme sinnlos geworden ist. Drosophila suzukii hat sich bei uns eingebürgert.

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