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Sinnvoll oder nicht?
Rindenpflege bei älteren Obstbäumen

Januar 2015 Manche Obstgärtner schwören drauf: Sie bürsten im Winter lose Borkenteile und Flechten von den Stämmen ihrer Bäume ab. Das Argument: Sie entfernen Schädlinge, die in den Ritzen bis zum Frühling Unterschlupf gefunden haben. Andere vermuten: Drahtbürste und Baumkratzer verursachen Eintrittspforten für Krankheitserreger. Ein genauer Blick auf die Schädlinge hilft, Nutzen und Risiken gegeneinander abzuwägen.


Apfelwickler: Larve am Apfelkerngehäuse
© Joachim K. Löckener/Wikimedia
Apfelwickler: Larve am Apfelkerngehäuse

nach obenVERSTECKE AM STAMM

Es stimmt schon: Pflaumen- und Apfelwickler (Schadbild s. Foto), Obstbaumminiermotte sowie Apfelblütenstecher überwintern als Larve bzw. Käfer unter losen Rindenteilen.

© Sikle Kluth / Harald Rank
Dafür bieten sich natürlich auch Flechten an. Diese sind, anders als viele Menschen denken, keine Parasiten. Auf der sonnenabgewandten Seite des Stamms finden die Mischwesen aus Pilzen und Algen einfach nur einen vorteilhaften Lebensraum. Dabei zapfen sie nicht, wie Misteln, die Leitungsbahnen im Holz des Baumes an.

nach obenGUTE NEBENWIRKUNG

Wer diese potenziellen Verstecke entfernt, beseitigt also tatsächlich Schädlinge, die es auf das Obst abgesehen haben. Wobei sich die mechanische Belastung durch Drahtbürste, Baumkratzer oder Maurerkelle sogar positiv auf das Wachstum auswirken kann. Harald Rank, Obstbauspezialist am Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, erläutert: "Wenn die Rinde nicht zu tief verletzt wird, regt man sie dazu an, sich zu erneuern."

Eier der Obstbaumspinnmilbe
© University of Georgia Plant Pathology Archive, University of Georgia, Bugwood.org/Wikimedia
Eier der Obstbaumspinnmilbe
© MG/pixelio, pixelio.de

nach obenPARKPLATZ KRONE

Eine Untersuchung des Wissenschaftlers zur Überwinterung von Insekten auf Zweigen von Obstgehölzen macht deutlich, dass viele Schädlinge die kalte Jahreszeit in der Krone verbringen − und nicht am Stamm.

Ein Beispiel dafür ist die Obstbaumspinnmilbe. Ihre im September/ Oktober oft zahlreich auf der Zweigrinde abgelegten, intensiv roten Wintereier, sind dank ihrer Leuchtkraft mit dem bloßen Auge zu erkennen.

Gespinst der Apfel-Gespinstmotte (Yponomeuta malinellus)
© XenonX3/Wikimedia
Gespinst der Apfel-Gespinstmotte (Yponomeuta malinellus)
Mit Hilfe einer Lupe spüren Sie die geschützten Eigelege der Apfelbaumgespinstmotte auf. Ihre Raupen schlüpfen mit Beginn des Austriebs und fressen Knospen, Blüte und Blätter an. Ab Mai rotten sie sich in einem Gespinst zusammen. Damit schützen sie sich vor Fressfeinden.

Eier von Kleiner Frostspanner (Operophtera brumata)
© Gyorgy Csoka, Hungary Forest Research Institute, Ungarn/Wikimedia
Eier von Kleiner Frostspanner (Operophtera brumata)
An den Knospenschuppen hinterlässt das Weibchen des Kleinen Frostspanners ihre Eier. Sind diese befruchtet, färben sie sich bald rötlich, während unbefruchtete grünlich bleiben. Die grünen Frostspannerraupen, die sich mit dem typischen "Katzenbuckel" fortbewegen, lassen vom Frühlingslaub zuweilen nur noch Blattgerippe übrig.

Hier fühlen sich Schädlinge wohl.
© Sikle Kluth / Harald Rank
Hier fühlen sich Schädlinge wohl.

Leimring
© Markus Hagenlocher/Wikimedia
Leimring
Zur Vorbeugung wird empfohlen, Anfang Oktober einen Leimring um den Stamm zu befestigen. Frostspannerweibchen beenden zu dieser Zeit ihre Puppenruhe im Boden. Sie haben nur Flügelstummel und können nicht fliegen. Also machen sie sich zu Fuß auf den Weg in die Krone und bleiben unterwegs kleben. Experten raten, die Falle im Januar wieder abzunehmen und zu entsorgen, weil die Weibchen ihre Eier auch darauf ablegten.

nach obenOBSTBAUM-VAMPIRE

Pflanzensauger, wie Mehlige Apfelblattlaus, Kommaschildlaus, San-José-Schildlaus und Apfelfaltenlaus legen ihre Überwinterungseier ebenfalls auf den Zweigen ab. Außerdem der Frühjahrsapfelblattsauger, ein Blattfloh. Blattläuse und Blattfloh schädigen nicht nur durch ihre Saugtätigkeit, sondern auch durch Absonderung von Honigtau. Die klebrige Flüssigkeit begünstigt Rußtaupilze, deren schwarzer Belag die Photosynthese beeinträchtigt. Zudem übertragen die Sauger Virus- und Bakterienerkrankungen.

nach obenBÜRSTEN ODER NICHT?

Es überwintert also nur ein kleiner Teil der Schädlinge am Stamm. Gegen die Wicklerarten galt lange ein Wellpappenring als Vorbeugung gegen starke Vermehrung. Von Ende Juni bis Mitte September, so die Idee, nehmen die Raupen ihn als Unterschlupf für die Verpuppung an. Das ist sicher richtig. Doch angesichts der vielen weiteren Versteckmöglichkeiten erwischt man damit nur einen Teil der Larven. Ein Argument für die Bürste.

Kohlmeise
© Kristjan Osbek/Wikimedia
Kohlmeise

nach obenNÜTZLINGE FÖRDERN

Wenn Sie mögen, lassen Sie statt dessen andere für Sie arbeiten. Da wären zum einen Meise, Kleiber und ihre Anverwandten. Sie sind oft im Winter dabei zu beobachten, wie sie Stämme und Zweige nach Fressbarem absuchen. Zur Brutzeit ist die Menge an verfütterten Raupen nicht zu unterschätzen. Ein vogelfreundlicher Garten mit geeigneten Brutplätzen und Futterangebot trägt viel dazu bei, dass Schädlinge in Schach gehalten werden.

© Archiv

nach obenWINZIGE HELFER

Was Erz- und Schlupfwespen als Gegenspieler von Wicklerarten und Apfelblütenstecher leisten, war weiterhin Thema einer Untersuchtung von Harald Rank. Die Weibchen legen Eier in Raupen bzw. Larven. Der daraus schlüpfende Nachwuchs ernährt sich von ihnen. Im Überwinterungsgespinst einer Erzwespe (Foto) entdeckte er − neben der Parasitenlarve − noch die schwarze Kopfkapsel der Schalenwicklerraupe, die ihr als Wirt gedient hatte. Andere parasitäre Wespen nehmen sich die Eier oder kleine Insekten vor wie Blut- und Schildläuse. Räuberische Faltenwespen versorgen ihre Larven ebenso mit Raupen, die sie in ihre Nester tragen.

Raubmilbe (links oben) greift Obstbaumspinnmilbe (unten rechts) an.
© CSIRO/Wikimedia
Raubmilbe (links oben) greift Obstbaumspinnmilbe (unten rechts) an.
Als gezielte Förderung der nützlichen Hautflügler rät Harald Rank, Wildkräuter anzupflanzen, besonders Dolden- und Korbblütler: Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Pollen und Nektar. Vielseitige Hecken aus heimischen Arten, wie Gemeine Berberitze, Schneeball und Weißer Hartriegel, dienen ihnen als Lebensraum.

Austriebsspritzung
© Neudorff
Austriebsspritzung

nach obenUND DIE KRONE?

Gegen die vielen an Zweigen überwinternden Obstbaumschädlinge hilft die Austriebsspritzung mit einem ölhaltigen Mittel (z. B. Promanal, Neudorff). Es überzieht die Überwinterungsstadien mit einem luftundurchlässigen Film, an dem sie ersticken. Der beste Zeitpunkt dafür ist, wenn die Knospen gerade beginnen, auszutreiben. Weil dann die ersten Blattspitzen erkennbar sind, sprechen die Profis vom "Mausohrstadium".

Nachteil der Austriebsspritzung: Man erwischt damit genauso die Nützlinge, z.B. Raubmilben, die Jagd auf Spinnmilben machen.

nach obenEMPFEHLUNG FÜR SIE

Für den Öko-Profi-Obstanbau gibt Harald Rank Schadschwellen an: Erst, wenn sich 1.000 Eier der Obstbaumspinnmilben auf einem Meter Fruchtholz finden, muss man spritzen. Für Hobbygärtner hat er einen einfacheren Rat: "Erinnern Sie sich an das vergangene Jahr." Nur, wenn ein Schädling massiv aufgetreten ist, lohnt es sich, den Stamm zu bürsten bzw. zum Austrieb zu spritzen. Zur Not lässt sich im Frühling immer noch etwas Entsprechendes dagegen unternehmen.

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Apfelwickler
Gefräßiger Apfelwickler
Insekten sind wichtige Verbündete. Viele vollentwickelte Tiere nehmen als Nahrung Pollen und Honig auf. Bewundernswert ist die lange Blütezeit und die Anziehungskraft für Insekten dieser Blauen Bergminze (Agastache rugosa).
Nützliche im Hausgarten
Wärmedämm-Verbundsysteme auf Basis von Mineralwolle verfügen über den höchsten Brandschutz der Baustoffklasse A.
WDVS-Dämmstoffe: Mineralwolle

Schlagworte dieser Seite:

Algen, Apfelwickler, Erzwespe, Faltenwespe, Frostspannerraupe, Obstbaum, Obstbaumspinnmilbe, Pilz, Rindenpflege, Schlupfwespe, Schädling

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