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Vanille selber ziehen

Plantage auf der Insel La Réunion.
© Stein, Dagmar
Plantage auf der Insel La Réunion.

Dezember 2014 Um diese Jahreszeit sind die Schoten der echten Vanille besonders begehrt. Vanillekipferl, Schokolade, Süßgebäck, Pralinen oder feiner Pudding sind nur einige Genüsse, die ohne die Aztekenfrucht kaum denkbar wären. Wer etwas Geduld mitbringt, kann die faszinierende Tropenpflanze auch selbst anziehen.


Trotz reichlich Konkurrenz durch künstliche Aromen wie Vanillin werden die Natur-Produkte immer noch in großem Umfang erzeugt. Etwa 1.500 Tonnen Vanille pro Jahr werden geerntet und in leckeren Speisen und Getränken verarbeitet. Die Hauptanbaugebiete sind Madagaskar, Indonesien und die französische Tropen-Insel Réunion. Sie hieß früher "Île Bourbon" und gab der hochwertigen Bourbon-Vanille ihren Namen.

Wie viele nicht wissen, enthalten die begehrten schlanken Vanille-Schoten den staubfeinen Samen einer Orchideenart, die auf der Yukatan-Halbinsel in Mexiko und Guatemala heimisch ist. Die Vanilla planifolia ist auch in hiesigen Orchideengärtnereien zu finden und wird mitunter sogar im Versand angeboten. Die kletternde Liane aus dem Regenwald braucht zur Topfkultur ein Rankgerüst, denn ihre spärlich verzweigten Sprosse suchen sich über anhaftende Luftwurzeln ihren Weg nach oben. In ihrer Heimat erreichen die Ranken bis zu 15 m Höhe, im warmen Wintergarten natürlich weniger. Die langen, schmalen Blätter sind immergrün und zieren das ganze Jahr über. An Büscheln erscheinen jeweils fünf bis sieben eher unauffällige, grünlich-gelbe Blüten, die leicht duften.

Vanilleschoten
© tokamuwi/PIXELIO, pixelio.de
Vanilleschoten

nach obenDer lange Weg der Vanille

Vanillepflanzen sind nicht besonders schwierig zu ziehen und können bei guter Pflege in jedem warmen Wintergarten, im geschlossenen, feuchtwarmen Blumenfenster und im geheizten Gewächshaus zur Blüte kommen.

In ihrer Heimat Guatemala übernimmt die Bestäubung eine Hummelart, die nur in dieser Gegend vorkommt und den dort ansässigen Indiostämmen der Totonaken schon zu Zeiten des Aztekenkaisers Montezuma eine privilegierte Stellung verschaffte. Denn nur mit Vanille veredelt, schmeckte die begehrte Trinkschokolade wirklich gut. Durch die Spanier gelangte die Delikatesse nach Europa und in die ganze Welt.

Lange Zeit blieben Vanilleschoten ein regionales Produkt Guatemalas, denn nur die Totonaken wussten um das Geheimnis des Vanilleanbaus. Die künstliche Bestäubung war andernorts letztlich die Voraussetzung zur plantagenmäßigen Erzeugung. Sie wird heute in mehreren tropischen Ländern durchgeführt, wobei die Vanille-Triebe an niedrigen Baumstämmen (meist Dracaena marginata) emporranken.


Mit einer Nadel streift man den frischen Pollen von einer Blüte ab ...
© Stein, Dagmar
Mit einer Nadel streift man den frischen Pollen von einer Blüte ab ...
... um ihn vorsichtig auf die Narbe einer anderen Blüte zu kleben.
© Stein, Dagmar
... um ihn vorsichtig auf die Narbe einer anderen Blüte zu kleben.

nach obenKünstliche Bestäubung

Wie die künstliche Bestäubung von Hand funktioniert, kann jetzt auch bei uns jeder nachvollziehen:

Nach einer leichten Ruhepause mit weniger Gießen und kühleren Temperaturen (um 15 °C) im Spätwinter bilden sich die Blütenstände, an denen sich im Abstand von wenigen Tagen die Blüten öffnen. Mit einer Nadel oder einer Bleistiftspitze streift man den frischen Pollen von einer Blüte ab und klebt ihn vorsichtig auf die Narbe einer anderen.

Wichtig: Damit die Bestäubung gelingt, heißt es früh aufstehen, denn nur in den Morgenstunden bis spätestens 11 Uhr ist der Pollen genügend feucht, später trocknet er an.

Erst durch das Fermentieren bilden sich die typischen, wertvollen Geschmacksstoffe der Vanillieschote heraus.
© Stein, Dagmar
Erst durch das Fermentieren bilden sich die typischen, wertvollen Geschmacksstoffe der Vanillieschote heraus.
Etwa acht Monate nach der Bestäubung sind die sich daraus bildenden dunkelgrünen, 15 bis 20 cm langen Schoten (Samenkapseln) erntereif. Sie werden zunächst in ein heißes Wasserbad (drei Minuten bei 65 °C) gelegt, um anhaftende Keime abzutöten. Erst durch das Fermentieren bilden sich dann die wertvollen Geschmacksstoffe heraus. Dazu wickelt man die Schoten nach dem Wasserbad in Wolltücher und lässt sie in einem Holzkasten für etwa einen Monat bei warmen Zimmertemperaturen weiter schwitzen. Anschließend sehen die Schoten schwarzbraun und glänzend aus. Nach dem Abtrocknen verbreiten sie ihren unvergleichlich süßen Duft und sind für lange Zeit haltbar.

nach obenTipp: Pflege

Vanillepflanzen gehören zu der Gattung der Orchideen. Deshalb sollten sie in Töpfen mit speziellem Orchideensubstrat kultiviert werden. Die tropischen Pflanzen benötigen einen halbschattigen Standort. Eine mögliche Beschattung ist daher von Vorteil, denn direkte Sonnenstrahlen können Verbrennungen hervorrufen. Die Rankpflanzen klettern pro Jahr bis zu 1 m hoch. Ein Rückschnitt ist daher in regelmäßigen Abständen zu empfehlen. Als Pflanzen aus dem Regenwald lieben sie es warm und feucht. Sorgen Sie an heißen und trockenen Tagen mit einem Wassersprüher für entsprechende Luftfeuchte.

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Schlagworte dieser Seite:

Anbau, Bestäubung, Tropenpflanze, Vanille, Vanilleschote

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