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Apfelernte auf der Obstplantage

Pflückwagen mit sechs Großkisten. Seitlich angehängt: die Pflückkörbe.
© von Soosten, Rolf
Pflückwagen mit sechs Großkisten. Seitlich angehängt: die Pflückkörbe.

November 2014 Wo informiert sich der Haus- und Kleingärtner über Sorten, Unterlagen oder Schädlinge im Obstbau? Für den Hausgarten gibt es keine namhaften internationalen Institute. Abgesehen von den Pflanzenschutzmitteln kann der Gartenliebhaber jedoch viel vom professionellen Obstbau lernen. Obstexperte Rolf von Soosten gibt Tipps.


Der Blick hinter die Kulissen eines Familienbetriebs während der Apfelernte verrät viel über die Arbeit professioneller Obstbauern. Viele familiär geführte Obstplantagen verkaufen auf Wochenmärkten und im eigenen Betrieb. Hier kann der Kunde seine Fragen zu Sorten, deren Haltbarkeit, Geschmack und Verwendung direkt an den Produzenten richten. Dieses Fachwissen ist in Supermarktketten leider selten.

nach obenHinter den Kulissen

Beim Betreten einer Plantage zur Erntezeit verblüffen Farbe, Qualität und Menge der Äpfel. Die gut gefärbten Früchte auf der Sonnenseite ziehen das Auge auf sich. Doch was passierte mit den Früchten auf der lichtabgewandten Seite? Sie wurden "ausgedünnt".

Beim Ausdünnen kneift der Obstbauer im Juni viele von den nicht durch den Junifall abgestoßenen Jungfrüchten aus den Blütenbüscheln heraus. Pro Büschel bleiben nur ein oder zwei Äpfel übrig. Hierbei wählt der Obstbauer die "Königsfrucht", also die Mittelfrucht, die am dicken Stil zu erkennen ist. Beschattende Blattbüschel oder Wasserreiser werden herausgerissen. Hierbei kommt es auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Frucht und Blatt an, denn jeder Apfel benötigt etwa 30 bis 40 Blätter für seine Ernährung. Die typische Ausfärbung einer Sorte ist in der Handelsklassenverordnung vorgeschrieben. Ist sie nicht gegeben, darf die Ware nicht gehandelt werden. Der Obstbauer ist also zur Ausdünnung gezwungen.

Etwa vier Wochen vor der Ernte wird die Belichtung noch einmal durch den Belichtungsschnitt korrigiert. Dafür entfernt der Obstbauer mit der Schere dicht belaubte Zweige, die eine Besonnung der Früchte verhindern. Außerdem beseitigt er jene Äpfel, die vermutlich nicht perfekt ausreifen. So erreicht er eine begrenzte Zahl von Früchten, deren Farbe und Größe seinen Vorstellungen entspricht, minderwertige, blasse und beschädigte Äpfel sind auf ein Mindestmaß reduziert.

Zwischen den großen Kisten werden die minderen Qualitäten abgelegt.
© von Soosten, Rolf
Zwischen den großen Kisten werden die minderen Qualitäten abgelegt.

nach obenErntezeit

Trockenes Erntegut lässt sich problemloser lagern. Durch Sonne erhitzte Früchte sind nicht erwünscht. So engt sich der Pflückzeitpunkt ein. Der kommerzielle Anbau lässt sich für die Ernte viel einfallen: Ein langsam fahrender Schlepper zieht auf breite Räder gesetzte Großkisten, die Pflückkräfte pflücken von der Seite die Früchte in einen Pflückkorb, der dann durch eine Bodenentleerung vorsichtig in die Großkiste entleert wird. Dabei wird fleckige und beschädigte Ware in die Obstkiste zwischen den Großkisten aussortiert. Früchte, die noch nicht ausreichend gefärbt sind, bleiben bis zur zweiten Pflücke hängen. Die vom Boden nicht zu erreichenden Äpfel werden in einem zweiten Arbeitsgang mit einer Hebebühne geerntet.

Auch Freizeitgärtner profitieren von den Auforderungen des professionellen Obstbaus. So haben sich beispielsweise Baumhöhe und -breite an die modernen Gegebenheiten angepasst. Zum Glück, denn wer will schon mit 77 Jahren auf eine 42-sprossige Leiter klettern?

Nachpflanzung: Wieder zu bepflanzende Flächen werden ein Jahr mit Studentenblumen eingesät. Aus verschiedenen Sorten zusammengesetzt, verhindern die hohen Sorten das Aufkommen von Unkräutern.
© von Soosten, Rolf
Nachpflanzung: Wieder zu bepflanzende Flächen werden ein Jahr mit Studentenblumen eingesät. Aus verschiedenen Sorten zusammengesetzt, verhindern die hohen Sorten das Aufkommen von Unkräutern.
Immer wieder wird auf das Problem des Nachpflanzens "nach sich selbst" hingewiesen. Gegen die Bodenmüdigkeit wirkt die Studentenblume (Tagetes) hervorragend. Der hier besuchte Betrieb setzt sie seit Jahren erfolgreich ein. Außerdem bietet die Tagetes vielen Insekten Nahrung.

Chefin mit Enkel. Gespräche zwischen Kunden und Anbauern bringen nicht nur fachliche, sondern oft auch persönliche Kontakte.
© von Soosten, Rolf
Chefin mit Enkel. Gespräche zwischen Kunden und Anbauern bringen nicht nur fachliche, sondern oft auch persönliche Kontakte.
Ein Besuch beim selbst vermarktenden Obstbetrieb lohnt sich in also jedem Fall: Die Herkunft des Obstes ist gesichert und vielleicht gibt es dazu noch Tipps vom Fachmann.

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Schlagworte dieser Seite:

Ausdünnen, Besonnung, Blattbüschel, Bodenmüdigkeit, Erntezeit, Farbe, Insekten, Obstbau, Pflanzenschutzmittel, Qualität, Schädling, Tagetes

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