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Verticilliumwelke − Welkepilz mit zunehmender Bedeutung

August 2014 Erdbeeren werden immer häufiger von der Verticilliumwelke befallen. Gartenexperte Rolf von Soosten gibt Tipps zum Erkennen und Vorbeugen des Pilzes.


Verticilliumwelke bei Erdbeeren: Es beginnt oft mit dem Welken der äußeren Blätter.
© von Soosten, Rolf
Verticilliumwelke bei Erdbeeren: Es beginnt oft mit dem Welken der äußeren Blätter.

Jetzt im Hochsommer führen Trockenheit und intensiver Sonnenschein zu Welkeerscheinungen an verschiedenen Obstarten. Besonders bei Erdbeeren, und dort in einjährigen Beständen, beginnen die Blätter vom Rand her zu schlappen. Bei einsetzender feuchter Witterung scheinen sich die Pflanzen kurzfristig wieder zu erholen. An den Herzblättern fallen die kurzen Stiele auf. Sie bleiben bis zum Winter grün, während sich die übrigen schnell verfärben und absterben. Der Befall kann einzeln, aber auch zahlreich auftreten. Im Anfangsstadium erkennt man beim Durchschneiden des Wurzelhalses nur glasige Flecken, später finden wir helle Braunverfärbungen, die bis in die Seitenwurzel auslaufen. Bei diesen Schadbildern handelt es sich um die Verticilliumwelke. Im Gegensatz zur Rhizomfäule ist das absterbende Gewebe rotbraun, bei ihr stirbt die ganze Pflanze gleichzeitig ab.

Die Verticilliumwelke ist ein Bodenpilz, der keine oberirdischen Organe zeigt. Infiziert werden Wurzelteile, die beispielsweise durch Nematodenstiche oder Fraß verletzt sind. Das Myzel wächst durch die wasserführenden Bahnen. Die Pflanze ihrerseits versucht das Wachstum zu blockieren. Dabei wird der Saftstrom gehemmt und letztlich unterbunden. Zur Überdauerung und Vermehrung werden Dauerorgane gebildet, die über viele Jahre im Boden verbleiben können. Kommen die Wurzeln infizierbarer Pflanzen in ihre Nähe, beginnt die Spore zu keimen. Im Labor, auf künstlichem Substrat, entwickelt der Pilz Hyphen mit quirlartigen Seitenästen, von denen der deutsche Name "Wirtelpilz" herrührt. An diesen Enden sitzen die Sporen.

nach obenBekämpfungsmöglichkeiten

Zur Bekämpfung der Verticilliumwelke sind chemische Mittel nicht zugelassen, biologische nicht bekannt. Es bleiben die kulturtechnischen Möglichkeiten. Hier ist eine geeignete Fruchtfolge wichtig, denn eine sehr große Zahl von Kulturpflanzen gilt als Wirtspflanzen.

Langfristig gehören nicht in die Fruchtfolge:

  • Erdbeeren
  • Himbeeren
  • Brombeeren
  • Johannisbeeren
  • Kartoffeln
  • Rapsarten zur Gründüngung
  • Tomaten
  • Auberginen
  • Gurken
  • Kohlarten
  • Sellerie
  • Radis
  • Sonnenblumen
  • Dahlien

Die für den Menschen unsichtbaren Sporen können − laut Literatur − bis zu 15 Jahre im Boden keimfähig bleiben. Daher sollte sich der Gartenbesitzer vielleicht auf eine kleine Karte seines Gartens die Erdbeerflächen und deren Vorkulturen aufzeichnen. 15 Jahre ist eine lange Zeit für ein menschliches Gedächtnis!

Beim Kauf von Jungpflanzen ist gesundes Material höchstes Gebot. Bekommt man Pflanzen von Nachbarn und Verwandten, sieht man sich besser vorher die "Eltern" an.

Erdbeerpflanzen im Vergleich: links gesund aussehende, rechts mit Verticilliumwelke befallene Pflanze.
© Brian Prechtel
Erdbeerpflanzen im Vergleich: links gesund aussehende, rechts mit Verticilliumwelke befallene Pflanze.

Welche Sorten gelten nach heutigem Stand als widerstandsfähig? Die Literatur zu diesem Thema nennt:

  • 'Polka'
  • 'Florence'
  • 'Daroyal'
  • 'Pegasus'
  • 'Salsa'

Weniger geeignet scheinen 'Elvira', 'Kent' und 'Symphony'. Unsere bekannteste Erdbeer-Sorte, die 'Elsanta', und deren hoffnungsvolle Nachfolgesorte 'Sonata' gelten als sehr anfällig.

nach obenLösung in Aussicht

Positiv ist, dass zurzeit an einer "Impfmethode" gearbeitet wird. Sie basiert auf der Beobachtung, dass von einer Verticilliumart befallene Pflanzen nicht durch eine andere Verticilliumart befallen werden können. Nun versucht man mit nicht schädigenden Wirtelpilzen die Erdbeeren zu infizieren, damit sie nicht von den schädigenden Pilzen befallen werden können. Wenn's klappt, ein genialer Gedanke!

Ein wichtiger Hinweis: Wenn Sie sich zu speziellen Sorteneigenschaften informieren wollen, beispielsweise über die Widerstandsfähigkeit gegen diesen Pilz, suchen Sie bitte im Internet nach den Websites von Versuchsstationen und Hochschulen, zum Beispiel die Seiten von Landwirtschaftskammern. Deren vergleichenden Ergebnisse sind objektiver und meist aktueller als die Informationen der Händler.

Die Verticilliumwelke an Erdbeeren ist lange bekannt. Doch hat sie erst in den letzten 20 Jahren eine besondere Bedeutung bekommen. Nun wird an den Hochschulen (zum Beispiel Osnabrück) intensiv daran gearbeitet, das Problem zu lösen.

Etwa in dieser Phase setzt die Bildung der Wurzelspitzen ein. Der richtige Moment zum Schneiden der Setzlinge.
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Schlagworte dieser Seite:

Bekämpfungsmöglichkeiten, Bodenpilz, Erdbeere, Fruchtfolge, Rhizomfäule, Sorteneigenschaften, Verticilliumwelke, Vorbeugen, Wirtelpilz

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Diesen Artikel kommentieren (1)

1
|
10. April 2016

Gerd

Danke für den interessanten Artikel. Könnten Sie noch ergänzen, was Sie positiv für die Fruchtfolge empfehlen würden?

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