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Überlebenskünstler Donnerwurz

Dachwurzpflanzen bilden um sich herum "Kindel"
© Jaehner, Ilse
Dachwurzpflanzen bilden um sich herum "Kindel"

August 2014 Donnerwurz hat eine lange Tradition im Hausgarten. Genügsam und langlebig liebt er sonnige Plätze und trockene Böden.


Schon der botanische Name Sempervivum weist auf die widerstandsfähigen Eigenschaften des Donnerwurzes hin: semper ist das lateinische Wort für „ewig“, vivum steht für „leben“. Im Deutschen gibt es viele Namen für diese Pflanze – Donnerwurz, Hauswurz, Dachwurz sind nur drei davon und sagen ebenfalls viel über sie aus. Die Pflanze muss etwas mit dem Wetter zu tun haben und nah an, in oder sogar auf Häusern zu finden sein. Auch der Artname von Sempervivum tectorum (Dach-Hauswurz) weist auf die räumliche Verbundenheit mit menschlichen Behausungen hin, denn tectorum kommt vom lateinischen Wort für Dach (tectum). Es gibt noch mehr deutsche Namen für Donnerwurz, nämlich Hauslauch, Donnerkraut, Dachlauch, Dachwurzel, Donnerbart und Jupiterbart.

Ihre Namen verdankt die Pflanze dem Volksglauben früherer Generationen. Früher dachte man, dass Donnerwurz ein Haus vor Blitzeinschlag und Feuer bewahren könne. Dies war kein reiner Aberglaube, sondern hatte durchaus praktische Gründe. Schon 812 bestimmte Karl der Große in seiner Landgüterverordnung „Capitulare de villis“, dass Haus- oder Donnerwurz auf die Dächer der kaiserlichen Höfe und Güter zu pflanzen sei. Die Pflanzen sollten Blitze ableiten und somit verhindern, dass die damals üblichen, leicht brennbaren Strohdächer in Flammen aufgingen. Nun kann Donnerwurz selbstverständlich keinen Blitz davon abhalten, in ein Dach zu fahren. Dennoch steckt in diesen Überlieferungen häufig ein Körnchen Wahrheit und profundes Naturwissen. Donnerwurz siedelt sich nämlich erst dann auf einem Dach an, wenn das zunächst trockene Material eine gewisse Feuchtigkeit aufweist. Solch ein Dach geht dann tatsächlich nicht so schnell in Flammen auf wie ein trockenes.

Ein tatsächlicher Aberglaube rankte sich aber um die Blüten: In ländlichen galt eine blühende Donnerwurz mit nachfolgendem Vergehen der Pflanze als Vorzeichen für Tod und Unheil. Tatsächlich ist es so, dass mit Entstehen der Blüte von Donnerwurz auch das Vergehen vorprogrammiert ist. Ähnlich wie bei etlichen anderen Pflanzen auch. Mit der Samenreife hat die Pflanze ihre Aufgabe erfüllt und geht ein. Also ein ganz natürlicher Vorgang und kein böses Omen.

Ameisen lieben die gelbe Variante. Nach der Blüte vergehen die Pflanzen.
© Jaehner, Ilse
Ameisen lieben die gelbe Variante. Nach der Blüte vergehen die Pflanzen.

nach obenNein, keine Kakteen!

Zur Dachwurz kommen Gartenbesitzer häufig durch ein Missverständnis: Sie sehen bei Nachbarn, Freunden oder in einem fremden Garten eine ganze Dachwurzfamilie und wundern sich laut über diese Kakteen. Das sind jedoch keine Kakteen und schon gar keine empfindlichen Pflanzen. Donnerwurz wächst sommers wie winters im Freien. Ihre dicken Blätter weisen sie als Dickblattgewächse aus. Diese fleischigen Vorratsbehälter für Wasser benötigen sie als natürliche Bewohner hoher Gebirgslagen. Dort gibt es viele Steine, aber wenig Humus und verfügbares Wasser, weil Feuchtigkeit an solchen Standorten immer rasch versickert. Insgesamt: Donnerwurz lebt zwar nicht ewig, ist aber erstaunlich genügsam.

Die Heimat wildwachsender Sempervivumpflanzen sind vor allem Landstriche quer durch Südeuropa von den Pyrenäen über die Alpen bis Kleinasien und zum Kaukasus. Schon der griechische Philosoph und Naturforscher Theophrast (um 300 v. Chr.), der griechische Arzt Pedanios Dioskurides sowie der römische Gelehrte Plinius der Ältere (beide im 1. Jahrhundert n. Chr.), waren fasziniert von der fast einmaligen Art der Pflanze, widrige Umstände zu meistern. Außerdem empfahlen sie sie als Heilpflanze bei Brandwunden oder andere Hautbeschädigungen. Daher wurden Donnerwurzpflanzen oft in Töpfen gezogen als wichtige, sozusagen nachwachsende Bestandteile der Hausapotheke.

Wer genau hinschaut, erkennt die gelben Staubgefäße in den roten Blüten.
© Jaehner, Ilse
Wer genau hinschaut, erkennt die gelben Staubgefäße in den roten Blüten.

nach obenPflanzen und pflegen

Donnerwurz pflanzt man, wo es trocken ist: in Fugen und auf Kronen von Trockenmauern, in den Steingarten, in Tröge und Schalen, auf Kalkknollen oder begrünte Dächer und immer an einen sonnigen Standort. Die nächste wichtige Voraussetzung für gutes Gedeihen ist ein durchlässiger Untergrund. Im Sommerhalbjahr stört langsam versickernde Nässe weniger, im Winter kann sie tödlich sein. Daher ist dort, wo schwerer Boden viel Feuchtigkeit lange hält, Dränage einzuarbeiten mit Schotter, Kiesel, altem Bauschutt. Am besten formt man daraus einen Hügel, Wall oder eine Böschung. Über die Dränage kommt das eigentliche Pflanzsubstrat aus lehmiger Erde mit grobem Sand im Verhältnis 2:1, dazu etwas kohlensaurer Kalk. Beim Aufbau einer umfangreicheren Donnerwurzpflanzung lässt man einige größere Steine aus der Erde schauen, an die sich die Pflanzen gern anlehnen.

Vorsicht mit Dünger! Donnerwurz braucht wenig. Man erkennt schnell, wenn die Pflanzen hungern. Sie bilden dann nur kleine Rosetten und blühen nicht. Nährstoffe gibt es in Form von Knochenmehl und Hornspänen. Wer zu stark düngt, erhält zwar große, massige Rosetten, doch deren Widerstandskraft und teils auch Färbung lassen nach. Da Donnerwurz praktisch ausschließlich in Töpfen gezogen wird, ist die Pflanzung von Frühjahr bis Spätsommer möglich.

nach obenVermehren

Vermehrung der Donnerwurz durch Ausläufer
© Jaehner, Ilse
Vermehrung der Donnerwurz durch Ausläufer
Vermehrt wird meist vegetativ durch Ausläufer, so genannte Kindel. Das geht einfach und schnell: Töpfchen mit gut humosem Substrat füllen, Ausläufer von den Mutterpflanzen trennen, einsetzen, fest andrücken und feucht halten, bis sie gut bewurzelt gepflanzt werden können. Die generative Vermehrung mit Samen ist umständlicher und langwieriger. Dafür die die Samen recht dünn in eine Schale mit leichter, durchlässiger, feuchter Erdmischung säen, nicht abdecken, jedoch eine Glasscheibe überlegen oder mit Klarsichtfolie überziehen, weiter feucht halten. Nach etwa 4 Wochen keimen die Samen.

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Schlagworte dieser Seite:

Ausläufer, Dachwurz, Dickblattgewächse, Donnerwurz, Dünger, Eigenschaften, Hauswurz, Vermehren

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