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Nützliche im Hausgarten

Mai 2014 Häufiges Thema unter Hausgartenbesitzern sind die Schädlinge an Obst und Gemüse, aber auch bei Rasen, Teich und am Haus selbst. Gartenexperte Rolf von Soosten beleuchtet, wie es denn um die Wertschätzung von Nützlingen bestellt ist.


Hinter diesem Verschlag hält ein Igel seinen Winterschlaf. Im Sommer rankt hier Kapuzinerkresse und beschattet die holzbewohnenden Insekten.
© von Soosten, Rolf
Hinter diesem Verschlag hält ein Igel seinen Winterschlaf. Im Sommer rankt hier Kapuzinerkresse und beschattet die holzbewohnenden Insekten.
Den Igel kennt jeder, nicht nur als lieben Abendgast in der Dämmerung, sondern auch als Vertilger von Schnecken, Käfern, Würmern und allerlei anderem Getier. Wir pflegen seit etwa 40 Jahren Igel, die zu schwach für den Winterschlaf sind, und sorgen im Frühjahr für ein neues Zuhause. Weibliche Tiere können sehr anhänglich bleiben, während die Herren auf Wanderschaft gehen. Wer sich Igel in der Nähe seines Hauses halten möchte, sollte abseits des Gartens einen Berg aus Ästen und Laub aufhäufen, diesen mit einer Folie gegen Niederschläge abdecken und aus optischen Gründen ein wenig kaschieren. Im Sommer nehmen Igel gern Fertigfutter als Zusatznahrung. Wenn Sie es den Tieren vielleicht in Sichtweite der Veranda hinstellen, lernen auch Kinder und Nachbarn die abendlichen Besucher zu schätzen.

nach obenNützliche Gartenbewohner

Scheu sind die ebenfalls nützlichen Spitzmäuse, die eigentlich einen unrichtigen Namen tragen: Es sind keine Mäuse, sie gehören wie die Igel zu den Insektenfressern und stehen verwandtschaftlich den Igeln näher als den Mäusen. Zu erkennen sind sie an dem langgestreckten Kopf, dessen spitze rüsselähnliche Nase dem Tier den Namen gab. Sie leben wie die Igel als Einzelgänger, fressen wie diese Insekten, Würmer und andere wirbellose Tiere. Fachleute unterscheiden zwischen Feld-, Garten- und Hausspitzmaus. Gelegentlich ziehen sich Einzeltiere über den Winter in die Nähe bewohnter Häuser zurück. Spitzmäuse werden von Katzen zwar gefangen, aber nicht gefressen − die pelzigen Jäger spielen gern mit ihnen. Der Eingang zum Nest der Spitzmäuse geht oft senkrecht in den Boden. Ein interessanter und schützenswerter Gartenbewohner!

Unter den gefiederten Gartenfreunden sind sicher die Meisen am bekanntesten. Auf den Bau von Nisthilfen wird immer wieder hingewiesen. Häufig wird dabei jedoch das Flugloch zu groß angelegt, dann ziehen weniger erwünschte Gäste ein. Das Einflugloch sollte für Blaumeisen 26 bis 28 mm, für Kohlmeisen 32 mm Durchmesser haben.

Insekten sind wichtige Verbündete. Viele vollentwickelte Tiere nehmen als Nahrung Pollen und Honig auf. Bewundernswert ist die lange Blütezeit und die Anziehungskraft für Insekten dieser Blauen Bergminze (Agastache rugosa).
© von Soosten, Rolf
Insekten sind wichtige Verbündete. Viele vollentwickelte Tiere nehmen als Nahrung Pollen und Honig auf. Bewundernswert ist die lange Blütezeit und die Anziehungskraft für Insekten dieser Blauen Bergminze (Agastache rugosa).

nach obenInsekten als Nützliche

Zu den weniger auffallenden und daher oft unbekannten Nützlingen gehören mehrere Insekten. Auffallend sind die Florfliegen, auch Goldaugen genannt, durch ihre durchscheinend blass-grünen Flügel. Ihre Eier legen sie auf hauchdünnen Stielen sitzend in der Nähe von Blattlauskolonien ab. Schlüpfende Larven finden die Läuse und saugen sie aus. Der schlanke, langgestreckte Leib der Florfliege endet vorne in zwei zangenähnlichen Mundwerkzeugen. Damit erfasst sie die Blattläuse − bis zu 100 Stück am Tag. Die ausgewachsenen Fliegen leben von Pollen, Honig und Honigtau. Wegen ihrer Bedeutung bei der Bekämpfung von Blattläusen werden Florfliegen im biologischen Pflanzenschutz eingesetzt.

Marienkäfer nehmen gern süße Säfte von Früchten auf, wenn das Angebot an Blattläusen gering ist. Sie suchen aber stets von Wespen geschädigte Stellen auf.
© von Soosten, Rolf
Marienkäfer nehmen gern süße Säfte von Früchten auf, wenn das Angebot an Blattläusen gering ist. Sie suchen aber stets von Wespen geschädigte Stellen auf.
Ebenfalls als Blattlausräuber bekannt sind die Marienkäferarten. Ihre gelben, ovalen Eier stehen rechtwinklig vom Blatt ab. Aus ihnen schlüpfen die grauen, schwarzgepunkteten Larven. Noch besteht keine Ähnlichkeit mit den schönen und allen Kindern bekannten Marienkäfer! Im zeitigen Frühjahr kann es an warmen Tagen zu einem Massenauftreten kommen.

Weniger attraktiv dagegen erscheinen die Schlupfwespen. Einige dieser Arten haben eine entfernte Ähnlichkeit mit herkömmlichen Wespen, andere dagegen kaum. Durch eine dünne Legeröhre legen sie ein Ei in das Opfertier oder dessen Ei. Die daraus schlüpfende Larve entwickelt sich dann im ihrem Wirt bis zum fertigen Tier. Häufig parasitierte Schädlinge sind Blut- und Blattläuse, Miniermotten und Eigelege von Wicklern und Spannerarten.

Die Larven von Raupenfliegen leben vornehmlich in den Raupen verschiedener Schmetterlinge, sie spielen aber im Obstbau eine geringere Rolle.

Schwebfliegen sind für den Laien wegen ihres schwebenden Fluges eher erkennbar. Ihre Larven vertilgen während ihrer zweiwöchigen Zeit als Made mehrere Hundert Blattläuse. Sie wirken sehr plump und unbeweglich. Das Insekt fällt durch die großen Augen und den meist auffällig gefärbten Hinterleib auf.

Für uns unscheinbar und schwer zu unterscheiden von blattsaugenden Milben sind die Raubmilben. Sie werden in Gewächshäusern bereits häufig eingesetzt. Diese natürlichen Feinde von Spinn- und Rostmilben sowie von Blattläusen verhindern ein Überhandnehmen der schädigenden Arten.

Ein ungewohntes Bild in der Gartenfauna bieten die Raubwanzen. Sowohl wegen ihres Aussehes als auch ihrer Musterung schrecken manche Gartenbesitzer davor zurück, diese Insekten in die Hand zu nehmen. Oder ist es ihr schlechter Ruf aus der Zeit unserer Vorfahren? Neben zahm aussehenden Spezies finden wir auch wilde Gesellen, deren skurrile Antennen einen erschreckenden Eindruck machen. Doch auch sie nützen unseren Pflanzen, denn sie ernähren sich von Blattläusen und möglicherweise von Faltereiern.

Zu guter Letzt ein Vertreter, den wir alle kennen: Der Ohrwurm oder Ohrenkneifer. Solange er in geringen Mengen auftritt, vertilgt er allerlei kleines Getier. Doch kommt es zu üppigen Populationen, geht er von tierischer auf pflanzliche Nahrung über. Im Frühjahr kann er junge Triebe annagen, im Sommer geht er an Beeren, vor allem Erdbeeren und im Herbst frisst er kleine Stellen in die Früchte von Äpfeln und Birnen, die dann zu faulen beginnen. Bei diesen "Nützlingen" heißt es, die Nachteile gegen die Vorteile abzuwägen.

nach obenTierischer Schutz

Als gelernter Gärtner habe ich seit meinem Ruhestand kaum noch chemische Mittel eingesetzt. Das ist auch gar nicht nötig: Aus den Nachbargärten kommen im Sommer nachts sechs bis zehn Igel auf die Terrasse, Nachbars Hühner haben in den Herbst- und Wintermonaten freien Zugang, der Taubenmist seiner Zuchttauben wird im Winter gleichmäßig verteilt, Nistkästen gereinigt und für Vögel, Igel, Bienen und Insekten ist eine gepflegte Tränke vorhanden. Im Pflanzenbestand wechseln sich hohe und niedrige Arten ab, sehr viele blühende Sommerblumen und Stauden sorgen für eine reiche Farbpalette und viele, viele Schmetterlinge bringen Bewegung ins Bild. Rasen gibt es nicht − es gibt doch so viele schöne Pflanzen!

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Blattlaus, Florfliege, Gartenbewohner, Hausgarten, Insektenfressern, Marienkäferarten, Meise, Miniermotten, Nisthilfe, Nützling, Ohrenkneifer, Ohrwurm, Raubmilben, Raubwanzen, Raupenfliegen, Schlupfwespe, Schwebfliege, Schädling, Spitzmäuse

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