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Torffreie Erden − Hersteller entdecken den Bio-Gartenbau

Töpfe und Erde aus Recyclingmaterial.
© Stein, Dagmar
Töpfe und Erde aus Recyclingmaterial.

Februar 2014 Wer biologisch gärtnert, hat mit Torf wenig im Sinn − vor allem, wenn dieser aus bedrohten heimischen Mooren stammt. Pflanzen wachsen auch hervorragend in Erden, die aus nachwachsenden organischen Rohstoffen bestehen.


Plötzlich sind Bioerden "in". Bislang eher als Nischenprodukt belächelt, haben jetzt zahlreiche Hersteller deren Möglichkeiten entdeckt. Schon lange ging es darum, die in unseren Wäldern reichlich anfallende Rinde für die Kultur von Pflanzen zu verwerten. Dies gelang in Form von aufgekalktem und mit Dünger versehenem Rindenhumus. Doch über den aufsehenerregenden Pionierstart von Firmen wie Neudorff mit torffreien Kulturerden bis zur heutigen Vielfalt der Anbieter vergingen weitere Jahre. In dieser Zeit wurden eifrig nachwachsende natürliche Rohstoffe auf ihre Eignung getestet, Mischungen erprobt und Erfahrungen gesammelt. Mit 3 bis 4 Prozent Marktanteil sind torffreie Erden heute noch kein Renner, doch die Zahl der Käufer wächst. Das macht Hoffnung auf mehr.

nach obenNachwachsende Rohstoffe

Torffreie Bio-Erden gibt es inzwischen von nahezu allen namhaften Herstellern wie Neudorff, Compo, Floragard, Einheitserde, ASB-Grünland und anderen. Sie sollten mindestens den Standard der unter Gärtnern seit langem bewährten Substrate aus Torf erreichen, nach Möglichkeit sogar übertreffen. Sie dürfen weder vernässen oder verdichten, noch in Töpfen oder Balkonkästen übermäßig schnell austrocknen. Sie müssen den empfindlichen Wurzeln nicht nur in ausreichender Menge wochenlang genügend Nährstoffe aus organischer Quelle bieten, sondern auch eine haltbare lockere Struktur, die ihnen genügend Luft sichert. Hierfür verwenden die Hersteller je nach Mischungs-Rezept gütegesicherten Kompost aus Grünmasse, mit Kalk pflanzenfreundlich aufbereiteten, gedüngten und damit kulturwürdigen Rindenhumus (keinen Rindenmulch, denn der enthält wachstumshemmende Gerbstoffe) und aufbereitete Holzfasern. Hits im modernen Erdensortiment sind übrigens die in tropischen Ländern nachwachsenden aufgedüngten rotbraunen Kokosfasern. Die leichten, gut transport- und lagerfähigen Fasern sind ein in großen Mengen nachwachsendes Nebenprodukt bei der Verarbeitung der Kokosnüsse. Sie haben sich hierzulande als Kultursubstrat bei Topf- und Kübelpflanzen bestens bewährt. Ihr Vorteil: Sie sind leicht, können in kurzer Zeit quellen und dabei erstaunlich viel Wasser aufnehmen.

Xylit fällt beim Abbau von rheinischer Braunkohle in bedeutenden Mengen an. So werden die uralten harten Baumreste aus der Saurierzeit genannt. Sie zersetzen sich sehr langsam und verleihen zum Beispiel den torffreien Erden von Floragard eine lange haltbare Struktur.

Ein Extra-Bonbon gönnt Neudorff den Freilandrosen: Seine "NeudoHum Rosen-Erde" wurde mit wurzelfördernden Mikroorganismen und Mykorrhiza angereichert. Diese Bodenpilze leben − wie im Wald − in Symbiose mit Pflanzenwurzeln und sorgen für besonders kräftiges Wachstum und schnelle Anwachsergebnisse, besonders bei Rosen und Gehölzen.

nach obenVielfältige Alternativen

Die umweltfreundlichen Erden aus deutscher Produktion sind zu 100 Prozent torffrei, oft mit Tonkügelchen und meist mit Düngern wie Hornspänen, Guano, und Spurenelementen (zum Beispiel Eisen) angereichert, sodass erst nach etwa vier bis sechs Wochen nachgedüngt werden muss. Achten Sie auf die Mischung: Je nach Verwendungszweck gibt es Bio-Spezialerden für Zimmer-, Balkon- und Terrassenblumen oder für Moorbeetpflanzen wie Rhododendren, Azaleen, Kamelien, Heide und Eriken, die sauren Boden lieben. Man kann sie zum Bepflanzen von Blumenbeeten, zur Bodenverbesserung bei Rasen, Gehölzen, Obst und Stauden, zum Beimischen in Pflanzlöcher, für Aussaaten, Gemüse wie Tomaten oder Paprika, für Kräuter und für die Grabpflege benutzen. Gute Ergebnisse bringen die luftigen haltbaren organischen Bestandteile wie zum Beispiel Baumrinde auch in nährstoffarmem Ochideensubstrat.

Der selbst hergestellte Kompost ist natürlich torffrei.
© Stein, Dagmar
Der selbst hergestellte Kompost ist natürlich torffrei.

nach obenEigener Kompost

Natürlich zählt auch der selbst hergestellte Kompost aus Gartenabfällen zu den Erden, für die man keinen Torf abbauen muss und die obendrein kostenlos zur Verfügung stehen. Schon nach 4 bis 5 Monaten sind die Grünabfälle aus der Kompostmiete von zahlreichen Kleinlebewesen zu brockigem Rohkompost umgebaut, den man über den Winter auf Gemüsebeeten, zwischen Stauden und Gehölzen locker verteilt ausbringen kann.

Dort geht die Umsetzung weiter, der Humusgehalt des Bodens steigt und die Aktivität der Bodenlebewesen wird durch die willkommene Zusatznahrung gefördert. Wird der Kompost zweibis dreimal umgesetzt, entsteht nach 1 bis 2 Jahren feiner Reifekompost, der nach dem Durchsieben als krümelige Erde zum Pflanzen und zur Bodenverbesserung (im Misch-Verhältnis 1:5) genutzt werden kann. Auf lehmigen Böden reichen davon 3 bis 5 Liter/m² aus (also eine hauchdünne Schicht von 3 bis 5 mm), um den Nährstoffentzug auszugleichen. Auf sandigen Böden setzt sich der Humus schneller um, dort empfehlen sich 7 bis 8 Liter/m².

Die Kompostkiste ist mit einer Wand aus Lochziegeln in zwei Kammern geteilt. Durch die Löcher können die Würmer in die Kammer wandern, in der gerade das bessere Nahrungsangebot besteht.
© Stein, Dagmar
Die Kompostkiste ist mit einer Wand aus Lochziegeln in zwei Kammern geteilt. Durch die Löcher können die Würmer in die Kammer wandern, in der gerade das bessere Nahrungsangebot besteht.

nach obenRegenwürmer: fleißige Helfer

Meister in der Kompostbereitung sind Regenwürmer (Eisenia foetida), die Grünabfälle fressen und nach dem Passieren des Magens eine feine, krümelige und besonders wertvolle Komposterde hinterlassen, die sogar für Topfpflanzen geeignet ist. Bauen Sie sich eine Kompostkiste aus Brettern (Maße 100 × 50 × 50 cm) mit einer Wand aus Lochziegeln in der Mitte. Auf der einen Seite werden zum Beispiel Küchenabfälle von den hungrigen Regenwürmern zerkleinert und in wertvollen Kompost verwandelt. Ist diese Arbeit getan, füllen Sie die andere Kammer mit Grünzeug auf. Die Regenwürmer wandern nun durch die Lochwand hinüber und werden hier aktiv. Auch im Komposthaufen sind Regenwürmer sehr willkommen. Damit sie problemlos ein- und wegwandern können, wird der Kompostplatz nie auf Beton, sondern stets auf gewachsenem Boden angelegt.

Nach der Ausbringung des Komposts im Beet geht die Umsetzung weiter, der Humusgehalt steigt und die Aktivität der Bodenlebewesen nimmt zu.
© Stein, Dagmar
Nach der Ausbringung des Komposts im Beet geht die Umsetzung weiter, der Humusgehalt steigt und die Aktivität der Bodenlebewesen nimmt zu.

nach obenKein Dünger bei Aussaaterden

Jetzt beginnt wieder die Aussaatzeit. Frühe Salate, Möhren, Kohlrabi und Radieschen können bereits im Frühbeet ausgesät werden. Wärmeliebende Tomaten, Paprika, Gurken und Auberginen können dagegen im Warmen auf der Fensterbank in Töpfe oder Schalen gesät werden. Weil Blumenund Pflanzerden jedoch Mineraldünger enthalten, sind sie für Aussaaten und zur Stecklingsvermehrung nicht geeignet. Denn kommen die zarten Keimlinge mit den Salzen in Kontakt, verbrennen sie leicht. Zur Aussaat und Jungpflanzenanzucht gibt es daher spezielle Anzuchterden. Sie enthalten kaum Nährstoffe, damit die Pflänzchen schnell Wurzeln bilden. Locker, fein gesiebt und keimarm sollten sie sein − ein Schutz gegen Pilzkrankheiten. Erst zum Pikieren vertragen die Jungpflanzen gedüngte Erde.

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Aussaat, Bio-Gartenbau, Erde, Jungpflanzenanzucht, Kompost, Kompostkiste, Torffrei, biologisch, gärtnern

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