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Misteln Glücksbringer aus keltischer Zeit

Dezember 2013 Steht ein Mädchen unter einem Mistelzweig, darf jeder junge Mann sie ungefragt küssen. Auch geheiratet wird unter den Glück bringenden Zweigen. Jetzt zur Weihnachtszeit haben sie Hochkonjunktur. Ob als Schmuck in Kränzen, in dekorativen Gestecken oder als Mistelsträußchen im Türrahmen − die geheimnisvollen weißen Beerenzweige sind gefragt.


Misteln im Baum
© Stein, Dagmar
Misteln im Baum

Im Sommer sind die Misteln unter dichtem Blätterdach verborgen, doch sobald das Laub von den Bäumen gerieselt ist, hängen die mattgrünen, kugelrunden Büsche der immergrünen Misteln gut sichtbar in vielen Bäumen. Besonders häufig findet man die häufigste Art der uralten Kultpflanze auf Weiden und Pappeln, Birken oder Obstbäumen. Eine andere Art ist nur auf Kiefern (Föhren) spezialisiert, eine weitere ausschließlich auf Tannen.

Viel Mystik rankt sich um diese so seltsame Erscheinung. In der griechisch/römischen Mythologie diente ein Mistelzweig dem Gott Merkur zur Öffnung der Pforten des Hades, der Unterwelt. Bei den Kelten galten sie als Sinnbild des ewigen Lebens. Druiden schnitten sie mit goldenen Sicheln vom Baum und niemals durften sich die ballförmigen Sträucher dabei beschmutzen. Noch heute leben die Reste der Druidenkulte fort, die (wie bei Asterix und Obelix nachzulesen) aus den Pflanzen kräftigende Tränke zu rühren wussten.

An Obstbäumen kann man probieren, Misteln selbst anzuziehen.
© Stein, Dagmar
An Obstbäumen kann man probieren, Misteln selbst anzuziehen.

nach obenHeilende Glücksbringer

Misteln sind uralte Heilpflanzen, denen vielseitige Heilwirkungen nachgesagt werden. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen zählen Lectine, Viscotoxine und Flavonoide. Misteln sollen beruhigend, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend und schmerzlindernd wirken. Ein Tee aus den Blättern soll Gelenkerkrankungen lindern, Fieber senken, Arterienverkalkungen vorbeugen und den Kreislauf regulieren. Furore machen Misteln in der letzten Zeit jedoch vor allem als Therapie gegen Krebs, wobei die Wirkung noch nicht eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Die Verträglichkeit der Chemotherapie soll durch die Misteltherapie jedoch deutlich verbessert werden.

Viel angenehmer sind die Weihnachtsbräuche, die sich von England kommend immer mehr auch bei uns ausbreiten. Dort bringen Misteln Glück und Segen ins Haus. Zweige und Kränze mit den weißen runden Beeren der weiblichen Pflanzen (es gibt auch schmucklose männliche) zieren zur Weihnachtszeit Türen und Wände − ein Zeichen für das nie endende Gedeihen in der Natur. Brautleute schätzen die Glücksbringer besonders − deshalb heiraten sie unterm Mistelzweig.

Misteln sind Halbschmarotzer, die auf Bäumen leben. Sie werden von Vögeln übertragen.
© Annamatha/PIXELIO, pixelio.de
Misteln sind Halbschmarotzer, die auf Bäumen leben. Sie werden von Vögeln übertragen.

nach obenSchmarotzende Pflanzen

Der Mistelstrauch (Viscum album) ist ein Halbschmarotzer, der sich auf den Ästen von Wirtsbäumen ansiedelt. Dem Wirtsbaum entnehmen sie nährende Säfte. Weil die Pflanzen jedoch selber mit ihrem Blattgrün assimilieren und dank grünen Chlorophylls eigene Stoffwechselprodukte produzieren, schädigen sie ihren Wirt nur wenig. Aber immerhin können sie es sich leisten, mitten im bitterkalten Winter nicht nur zu grünen und zu blühen (ab Februar), sondern auch noch ab Spätherbst milchigweiße, runde Beeren zu tragen. Die nährstoffreichen Beeren werden gern von Vögeln gefressen. Ihr Inneres ist jedoch sehr schleimig und reizt hungrige Vögel, nach dem Genuss der für den Menschen giftigen Beeren ihre Schnäbel an brüchiger Baumrinde zu wetzen. So gelangen die enthaltenen Samen in Ritzen, entwickeln eine Keilwurzel und dringen innerhalb eines Jahres in den Saftstrom der Wirtspflanze vor. Bis sich daraus schöne Pflanzen gebildet haben, vergehen allerdings vier bis sechs Jahre.

nach obenMisteln selbst anbauen

Junge Mistelpflanzen in der Baumrinde.
© Stein, Dagmar
Junge Mistelpflanzen in der Baumrinde.
Wer gerne experimentiert, kann auf Apfel- oder Birnbäumen selbst die Kultur probieren. Besiedelte Äste können dabei brüchig werden, doch so mancher Gartenbesitzer nimmt dies gern in Kauf. Bevor Sie starten, müssen Sie auf die Herkunft der Samen achten, denn Nadelgehölzmisteln gedeihen nicht auf Laubholz und umgekehrt. Sie sind jedoch gut voneinander zu unterscheiden: die Misteln der Nadelgehölze bilden Früchte mit gelblich grünem Schimmer aus, während nur die Laubholzmisteln rein weiße Beeren entwickeln.

Ritzen Sie an milden Wintertagen die Rinde ein, dann den Samen hinein drücken. Äste, die mit Flechten besiedelt sind, eignen sich besonders gut dafür, denn die Flechtenschuppen liefern den Samen optimale Wachstumsbedingungen.

Umwickeln Sie anschließend die Stelle mit Maschendraht, das schützt vor Katzen oder hungrigen Vögeln. Nun heißt es, Geduld zu bewahren, denn im ersten Jahr wächst die Mistel fast unbemerkt im Holz des Baumes. Nur eine kleine Wölbung verrät, ob sich darunter die Mistel entwickelt. Erst nach ein bis zwei Jahren bricht sie mit Trieben und Blättern nach außen. Bis daraus ein üppiger Mistelstrauch wird, können wiederum Jahre vergehen.

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Schlagworte dieser Seite:

Chemotherapie, Flavonoide, Glücksbringer, Halbschmarotzer, Lectine, Misteln, Misteltherapie, Mystik, Schmuck, Viscotoxine, Weihnachtszeit, Wirtsbaum, giftige Beeren

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