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Schnittsaison − Infektionen vorbeugen

November 2013 In der feuchten Jahreszeit ist der richtige Schnitt-Termin wichtig, um Obstbäume vor Pilzbefall und zerstörerischen Infektionen zu schützen. Hier eine Übersicht über die häufigsten Pilzarten und Tipps, wie man die Gehölze im eigenen Garten davor bewahrt.


Die Zeit des Blattfalls ist für alle Obstgehölze eine kritische Zeit: Die abfallenden Blätter hinterlassen eine Narbe, die anfänglich noch nicht verholzt ist. Tau und Regen bewegen Sporen verschiedener Pilze dorthin. Die anhaltende Feuchtigkeit dieser Jahreszeit begünstigt deren Keimung. So kann es, wenn ausreichend Sporenmaterial vorhanden ist, schlagartig zu einer starken Infektionswelle kommen. Ein optimaler Schnitt-Termin und nicht vorhandene Infektionsquellen verhindern, dass holzzerstörende Pilze an Apfel- und Birnbäumen Lebensbedingungen finden.

Aus der Schnittwunde eines Apfelbaumes dringt der Fruchtkörper jenes Pilzes, der den Bleiglanz verursacht.
© von Soosten, Rolf
Aus der Schnittwunde eines Apfelbaumes dringt der Fruchtkörper jenes Pilzes, der den Bleiglanz verursacht.
Junge Feuerschwämme an der Schnittwunde eines Aprikosenbaumes.
© von Soosten, Rolf
Junge Feuerschwämme an der Schnittwunde eines Aprikosenbaumes.

nach obenBleiglanz und Feuerschwamm

Beim Steinobst sieht es ähnlich aus. In größere Schnittwunden dringt der Pilz des Blei- oder Milchglanzes ein, ein übler Vertreter, dessen Folgen am Blasswerden der Blätter nach ein oder zwei Vegetationsperioden zu erkennen sind. Zwischen die Außenhaut und das blattgrünführende Zellgewebe dringt Luft, die bei Einfall von Tageslicht die bleiähnliche Farbe verursacht. Die Hyphen, der eigentliche Pilzkörper, durchziehen weite Teile des Baumes und dringen an Wunden und Rissen als purpurfarbener Fruchtkörper an die Oberfläche, um wiederum für Sporen zu sorgen. Dies kann Jahre dauern, mitunter finden wir die waagerecht angeordneten Konsolen erst, wenn der Baum abgesägt herumliegt. Als Wirtspflanzen kommen viele Gehölze in weiten Gebieten Europas infrage, dort spricht man vom Violetten Knorpelschichtpilz. Durch harte Winter und Dürreperioden geschwächte Bestände scheinen besonders empfindlich zu sein.

An Zwetschgen und anderen Steinobstarten finden wir gelegentlich einen Feuerschwamm, dessen junger Fruchtkörper sich flächig ausbreitet und später die für den Feuerschwamm typischen Fruchtkörper bildet. Am Baum erkennt man seine Anwesenheit erst nach einigen Jahren. Die Oberfläche ist meist uneben, grau bis braun, bei älteren Exemplaren von Algen überwachsen. Der jährliche Zuwachs zeigt sich durch helle Zonen. Er tritt an allen zwetschgenähnlichen Obstarten, auch an der Schlehe, auf. Im Inneren des Holzes entsteht ein Kern hellgrauen abgestorbenen Holzes, die Statik des Baumes ist in Gefahr.

Ein ähnlicher Vertreter kommt bei älteren Apfelbäumen vor. Die Fruchtkörper können wesentlich größer werden, sitzen oft in mehreren Etagen übereinander und haben eine braune Farbe.

Einer von vielen Pilzen, die in die großen Wunden nach dem Johannisbeerschnitt eindringen können.
© von Soosten, Rolf
Einer von vielen Pilzen, die in die großen Wunden nach dem Johannisbeerschnitt eindringen können.
Ein ganz naher Verwandter befällt die Johannisbeersträucher an der Basis. Oft spät erkannt, tötet er das Gehölz binnen kurzer Zeit ab.

Im zeitigen Frühjahr dringen aus den Befallstellen des Obstbaumkrebses die Pusteln, aus denen Sporen in großen Mengen austreten.
© von Soosten, Rolf
Im zeitigen Frühjahr dringen aus den Befallstellen des Obstbaumkrebses die Pusteln, aus denen Sporen in großen Mengen austreten.

nach obenHallimasch und Botrytis

In der Nähe von Waldungen wandert der Hallimasch mit seinen dunkelbraunen bindfadenähnlichen Strängen über viele Meter im Humus und besiedelt so weitere Bäume und Sträucher. Am Baum erkennt man seine Anwesenheit durch das weiße Fadengeflecht zwischen Rinde und Holz, nachdem der Baum stark befallen ist. Wie bei den Schwämmen ist eine Bekämpfung nicht möglich. Umso wichtiger ist die Verhinderung eines Befalls.

Rotpusteln aus der Nähe betrachtet.
© von Soosten, Rolf
Rotpusteln aus der Nähe betrachtet.
Weniger problematisch sind am Holz die Rotpustel- und Botrytispilze. Sie befallen nur einzelne Äste. Eingangspforten sind kleine unscheinbare Wunden, die bei der Ernte, durch Winterfröste oder durch Schnitt entstehen. Ihre Bekämpfung ist gezielt kaum möglich.

nach obenRichtig vorbeugen

Die Beseitigung eines vorhandenen Pilzbefalls ist nur schwer oder gar nicht möglich. Umso wichtiger ist die Prophylaxe. Und die fängt mit den Schnittmaßnahmen jetzt im November an.

Zuerst wählt man die dicken Äste aus, die die Kronen zu dicht werden lassen. Es schadet nicht, wenn dadurch ein "Lichtschacht" entsteht. Durch den Lichteinfall werden neue Blattund später Blütenknospen gebildet − eine innere Verjüngung. Bei dieser Gelegenheit beseitigt man gleich die noch vorhandenen Fruchtmumien und sichtbare Krebsstellen, die die Infektionsquellen darstellen. Die entstandenen Schnittwunden werden mit einem scharfen Messer − im Idealfall mit einer Hippe − glattgeschnitten. Auf der glatten Fläche ist dann kaum Halt für die im Regenwasser angespülten Pilzsporen. Der glatt geschnittene Astring vernarbt schneller und überwächst die Schnittwunde. Abschließend werden größere Wunden mit einem Wundverschlussmittel verstrichen.

Dieser zugegebenermaßen aufwendige Arbeitsgang hat sich leider immer noch nicht durchgesetzt, gewinnt aber durch die fortschreitende Einschränkung in der Zulassungssituation von Pflanzenschutzmitteln an Bedeutung. Das frühere Kupfer, das an dieser Stelle gute Dienste leistete, darf im Hausgarten nicht mehr verwendet werden.

Der nächste Schritt wäre das Auslichten des kleinen Astholzes. Noch vorhandene Blätter helfen bei der Entscheidung, welche und wie viele Äste entfernt werden müssen. Die Feinarbeit kann man im Frühjahr durchführen, wenn es dann in den Fingern juckt. Wichtig ist, dass auch im Winter die Kronenteile schnell abtrocknen. Für feuchtigkeitsliebende Pilze, Algen und Moose ist kein Platz in der gepflegten Krone eines Obstgehölzes.

nach obenRichtig entsorgen

Am Schluss sei noch darauf hingewiesen, dass mit Schadpilzen befallene Holzteile nicht irgendwo abgelegt, sondern entsorgt werden sollten. Werfen Sie auch einen Blick in den Nachbargarten. Wind, Regen, Vögel und Insekten tragen ungewollt Sporen über größere Entfernungen hinweg!

Der gewissenhaft durchgeführte Baumschnitt ist also eine wichtige Voraussetzung für gesunde Bäume und Früchte. Man kann Fehler machen, richtig falsch ist aber nur, nichts zu tun.

Der Blei- oder Silberglanz verursachende Pilz bringt nach einigen Jahren die Fruchtstände an die Oberfläche. Sie sind im frischen Zustand meist purpurfarbig. Daran lehnt sich auch der botanische Name Chondrosfereum purpureum oder Violetter Schichtpilz.
Wundparasiten als Folge des Baumschnittes
Bild 6: Dieser Pilz zählt zu den Feuerschwämmen. Über mehrere Jahre produziert er seine Sporen, die der Wind kilometerweit verbreiten kann.
Pflanzenschutz vor Vegetationsbeginn
Hier der Fruchtkörper des Feuerschwammes, nur ein kleiner Teil des im Baum befindlichen Pilzes.
Wie und wo überwintern Schädlinge?

Schlagworte dieser Seite:

Bleiglanz, Botrytis, Feuerschwamm, Fruchtmumien, Hallimasch, Infektion, Knorpelschichtpilz, Krebsstellen, Kupfer, Pilzbefall, Prophylaxe, Rotpusteln, Schnitt-Termin, Sporen, Wundverschlussmittel

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