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Artischocken − ein delikates Gemüse

Erntereife Artischocke
© Stein, Dagmar
Erntereife Artischocke

September 2013 Wenn Artischocken auf die Tafel kommen, dann ist der Anlass meist festlicher Natur. Das edle Gemüse aus der Distelfamilie wird von Feinschmeckern besonders geschätzt. Doch die attraktiven Pflanzen haben weit mehr zu bieten.


Auf der Zeitreise von den (vermutlich iranischen) Bergwiesen durch ägyptische und römische Gärten bis zu heutigen Schlemmerfreuden haben die schönen Edeldisteln an Wildheit verloren. Stacheln findet man nur noch an Sorten, aus denen ein magenfreundliches Getränk bereitet wird. Ihren leicht bitteren Geschmack verdankt die Artischocke (Cynara scolymus) dem Wirkstoff Cynarin. Inulin, Mineralien, Provitamin A und viel Vitamin B1 zählen zu den heilsamen Inhaltsstoffen.

Gegessen werden die Knospen der über 2 m hohen Pflanze kurz vor dem Erblühen und von diesen auch nur ein geringer Teil, der weiche Blütenboden. Davon satt zu werden, ist nahezu unmöglich, doch darauf kommt es nicht an. Artischocken genießt man in Ruhe und in angenehmer Gesellschaft, am besten zu zweit. Freude kommt schon auf beim Anblick der ebenmäßigen großen Knospen. Serviert werden sie gedünstet und heiß. Nun löst man die schuppenartigen Hüllblätter eines nach dem anderen ab, dippt in eine schmackhafte Soße (gut schmeckt Sauce Hollandaise) und saugt die Winzigkeit im verdickten Blattansatz aus. Als Krönung bleibt der zarte Blütenboden übrig. Artischockenböden werden auch sauer eingelegt als Vorspeise serviert. Ganz junge, zarte Knospen kann man im Ganzen kochen und verzehren. So sind sie in den Ländern rund ums Mittelmeer beliebt und häufig auf den Märkten zu finden.

nach obenSchmetterlings-Magnet

Artischocken gedeihen auch bei uns, aus Samen oder Ablegern gezogen, an sonniger Stelle. Die wuchtigen, etwa 1,50 m hohen Pflanzen sind mit ihren silbergrauen, tief gebuchteten Blättern und den auffallenden Blütenständen eine Attraktion in jedem Garten. Die Artischocke ist mehrjährig und hält bei luftigem Winterschutz 4 bis 5 Jahre lang aus. Es gibt empfehlenswerte grüne Sorten wie 'Große Grüne' oder dekorative violette wie 'Romagna'. Einige Knospen erscheinen schon im ersten Jahr ab August, später steigt ihre Zahl. Werden sie nicht geerntet, öffnen sie sich zu prächtigen, strahlendblauen Distelblüten − ein Fest für Schmetterlinge, Bienen und Hummeln, die sich darauf in Mengen einfinden.

Bis in den Oktober hinein hat man Freude an der Blütenpracht. Aber auch für die Vase eignen sich die strammen Stiele, für Dekorationen und haltbare Trockengestecke.

Artischocke als Zierpflanze im Blumenbeet
© Stein, Dagmar
Artischocke als Zierpflanze im Blumenbeet
Die stattlichen Pflanzen passen nicht nur aufs Gemüsebeet, sondern auch sehr gut als Stauden in den Ziergarten. Vor dem Hintergrund dunkler Hecken oder Koniferen kommen sie an sonniger Stelle besonders gut zur Geltung.

nach obenSo gelingt die Kultur

Bevorzugt wird ein lockerer, nährstoffreicher Boden mit guter Wasserdurchlässigkeit, damit besonders im Winter keine Staunässe auftritt. Eine sonnige und auch geschützte Stelle im Garten oder vor einer Hauswand ist ideal. Wer selber aussäen möchte, startet bereits Ende Februar. Bis Anfang April ist die Anzucht aus Samen auf der Fensterbank noch möglich.

Bei 20 bis 22 °C vollzieht sich die Keimung in 12 bis 20 Tagen. Nach weiteren 3 bis 4 Wochen werden die Sämlinge in kleine Töpfe pikiert. An einem hellen Standort entwickeln sie sich bis zum Auspflanzen Ende Mai zu kräftigen Pflanzen. Wer mehrere Pflanzen nebeneinander setzen möchte, sollte viel Platz für die ausladenden Pflanzen einplanen. Ein Abstand von 1 × 1 m ist nötig.

Wer bereits Artischocken im Garten hat, kann diese auch im späten Frühjahr teilen und so eine Vermehrung vornehmen. Der Boden sollte gut mit Humus und Kompost versorgt sein. 120 bis 150 g organischer Mischdünger vor dem Pflanzen in die Erde gebracht, liefert ausreichend Nahrung für ein gesundes Wachstum.

Geerntet wird von August bis Oktober laufend. Im ersten Jahr trägt eine Pflanze etwa drei bis vier Knospen. In den Folgejahren sind es dann schon sieben bis zehn.

Neben dem Winterschutz ist eine reichliche Versorgung mit Humus, Kompost, verrottetem Mist oder Rindenkompost wichtig.

nach obenKeine Staunässe im Winter

Winterliche Nässe gilt es, den Wüstenbewohnern "vom Hals zu halten". Die langen Pfahlwurzeln faulen sonst leicht. Man kann die Pflanzen ausgraben und mit kleinem Ballen wie Dahlien frostfrei überwintern. Üblicher ist folgendes Verfahren: im November die Blätter einkürzen und ringsum eine 20 cm hohe Schicht aus Laub oder gehäckseltem Stroh anhäufen. Eine Folie oder ein Eimer darüber gestülpt, verhindern das Eindringen von Wasser und Fäulnis. Im April wird alles wieder entfernt, dann setzt der neue Austrieb ein.

Cardy in Blüte
© Stein, Dagmar
Cardy in Blüte

nach obenCardy − der nahe Verwandte

Cardy oder Kardone (Cynara cardunculus), die zweijährige Spanische Artischocke, ähnelt auf den ersten Blick den nahe verwandten Artischocken, überdauert jedoch nicht wie diese mehrere Jahre und muss deshalb schon im ersten Herbst geerntet werden.

Im Spätherbst schlägt man die meterhohen Blätter in dunkle Folie ein und bleicht sie so zwei Wochen lang durch Lichtentzug. Dadurch mildert und verfeinert sich der Geschmack. Die rhabarberdicken Blattstiele werden in Stücke geschnitten, enthäutet, gedünstet und mit Käse gratiniert. Für viele Gemüsefans gibt es kein schmackhafteres Gemüse!

Nach der Überwinterung bringen die silbrig beblätterten Pflanzen im Folgejahr große stahlblaue Distelblüten, die eine Zierde für jeden Gemüsegarten sind.

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Schlagworte dieser Seite:

Artischocke, Cardy, Kardone, Kultur, Staunässe, Überwintern

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