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Zwetschgen im Hausgarten

Juni 2013 Bei Äpfeln, Birnen und Pfirsichen haben sich die klein bleibenden Bäume schon recht verbreitet. Anders scheint es bei Pflaumen und deren Verwandten zu sein. Selten sieht man Bäume, deren Durchmesser und Höhe gut in den Hausgarten passen. Vielleicht liegt es an einem Respekt vor dem Wachstum früherer Sorten-Unterlagen-Kombinationen oder auch an der Unkenntnis neuer Anzuchtsmethoden.


Blick in die junge Krone, in der die Bindungen noch erhalten sind. Sie haben aber ihren Dienst getan und sind daher nicht mehr nötig.
© von Soosten, Rolf
Blick in die junge Krone, in der die Bindungen noch erhalten sind. Sie haben aber ihren Dienst getan und sind daher nicht mehr nötig.
Der Blick in die Spitze zeigt, dass der Mitteltrieb bereits entfernt wurde und so die Spitze abgeleitet wird. Höhenbegrenzung.
© von Soosten, Rolf
Der Blick in die Spitze zeigt, dass der Mitteltrieb bereits entfernt wurde und so die Spitze abgeleitet wird. Höhenbegrenzung.

Gute Baumschulen bieten immer häufiger Zwetschgen als "Knipbäume" an. Mit ihren weiten Astwinkeln, den kurzen Stämmen und hochsitzenden Veredlungsstellen sind sie geradezu ideal, um schwach wachsende Bäume mit früh einsetzenden Erträgen zu erziehen.

nach obenUnterlagen

Folgenden Unterlagen eignen sich für die Spindelbuscherziehung:

  • Die verbreitetste Unterlage für Zwetschgen ist die "GF 655/2". Ihr Wachstum liegt bei etwa 70 Prozent im Vergleich zu den Sämlingsunterlagen und ist kombinierbar mit den meisten Sorten. Außerdem bringt sie auf etwas besseren Böden früh einsetzende Erträge, produziert aber leider Ausläufer.
  • Ähnliche Eigenschaften hat auch die "St. Julien A", die bei schwereren Böden vorzuziehen ist.
  • Auch die "Wangenheimer" ist als Sämlingsunterlage verbreitet. Auf ihr veredelte Sorten ergeben kleine Bäume mit guter Verträglichkeit mit anderen Sorten. Eine Ausläuferbildung ist recht selten und die Frosthärte ausreichend. Wie allgemein bei Sämlingsunterlagen fehlt ihr jedoch die Homogenität.
  • Um gleichmäßigere Wuchsleistungen zu erreichen, erzeugte man durch Meristemvermehrung Selektionen aus der "Wangenheimer". Sie sind als "Wavit" und "WeiWa" im Handel. Die Leistungen sind mit denen der "GF 655/2" vergleichbar. Auch die Verträglichkeit mit den meisten Sorten und die Frosthärte werden gut beurteilt.
  • Aus Frankreich stammt eine aus der Kreuzung Prunus salicina x Prunus spinosa entstandene Verbindung, deren Wuchsstärke knapp unter der "GF 655/2" liegt: "JASPI Fereley". Sie eignet sich gut für bessere Böden, setzt früh mit dem Ertrag ein und bildet keine Ausläufer. Außerdem gilt sie als gering anfällig für die Scharka.
  • Nur auf ganz leichten Böden sollten Veredlungen auf Myrobalanensämling gepflanzt werden. Sehr starkes Wachstum mit geringem Ertrag und kleinen Früchten sind die Nachteile. Das Wachstum kann durch Verwendung einer schwach wachsenden Edelsorte aufgefangen werden. Auch sie bildet keine Ausläufer.
  • Von der neueren in Frankreich gezüchteten Unterlage "Ishtara" erwartet man gute Eigenschaften, um die stark wachsenden Sorten noch besser und früher in den Ertrag zu bekommen. In einigen Vergleichen gab es hoffnungsvolle Ergebnisse.

nach obenDer richtige Schnitt

Nach der Auswahl zur Baumgestaltung. Vom Apfel wissen wir, dass das Wachstum von Bäumen durch weite Astwinkel und waagerecht gestellte Äste gebremst werden kann. Dies gilt auch für Zwetschgen. Wie der Apfel sind sie ein Baum, bei dem, genetisch bedingt, die am höchsten stehenden Knospen den stärksten Saftdruck bekommen. Es gelten also auch hier die gleichen Regeln für den Schnitt:

  1. Ein- oder zwe!ährige Veredelungen kaufen. Starke Einjährige mit reichlich vorzeitigen Trieben sind ideal und kosten weniger. Auch "Knipbäume" sind bestens geeignet. Konkurrenztrieb entfernen oder auf diesen "umleiten" (= Konkurrenztrieb als Mitte nutzen, wenn er besser geeignet bzw. schwächer ist). Wir wollen damit erreichen, dass nach dem Anwachsen nur wenig Trieb entsteht, dafür aber die unteren Äste erstarken und die ersten Blütenknospen angesetzt werden.
  2. Möglichst viele vorhandene Seitenäste erhalten und annähernd waagerecht binden. Dadurch wird der Baum zur Bildung erster Blütenknospen gezwungen.
  3. In den folgenden Jahren auf gute Belichtung des Kroneninneren achten. Zu dicht stehende Äste ausdünnen. Nur so können funktionsfähige Blütenknospen gebildet werden. Eventuell während der Blüte und gutem Wetter Blütenknospen entfernen, wenn abzusehen ist, dass der Behang zu üppig werden kann. So sichert man den Blütenansatz für das folgende Jahr.
  4. Frühzeitig einsetzender Ertrag bremst das Wachstum des Baumes und bringt uns dem Ziel schwach wachsender Bäume nahe.

Wenn nach einigen Jahren die Seitenäste zu lang werden, können sie auf geeignete untergeordnete Fruchttriebe abgeleitet werden. Dasselbe gilt auch für die Spitze. Dem Auslichten kommt in allen Lebensabschnitten auch eine pflanzenschützende Bedeutung zu: In gut belichteten und belüfteten Baumformen hat man weniger mit Pilz-Problemen und dem Aufreißen der Früchte zu tun, weil nach Niederschlägen die Oberflächen von Blättern und Früchten schneller abtrocknen.

Als Ziel muss uns eine streng pyramidale Spindel vor Augen stehen, deren untere Äste etwas stärker sein dürfen. Je höher die Äste sitzen, umso dünner müssen sie sein. Notfalls muss der eine oder andere Ast zugunsten eines schwächeren verschwinden. Grundsätzlich gilt jedoch: Mehr binden als schneiden. Für Gartenbesitzer mit ästhetischem Auge: Sehr bald nach dem Austrieb sieht man nicht mehr auf die Bänder, sondern auf das frische Blatt!

Als Spindel gezogene Zwetschgen bekommen je nach Sorte und Bodenqualität einen Kronendurchmesser von etwa 2,5 m. Insbesondere die neueren Sorten, die meist früh mit dem Fruchtbehang einsetzen, eignen sich sehr gut für die Spindel und bieten damit in kleineren Gärten die Möglichkeit, von dieser vielseitig verwendbaren Obstart den Eigenbedarf zu ergänzen.

nach obenBedrohungen

Verheerende Folgen kann Trockenheit in den ersten Jahren haben. Leichte Mulchdecken sind dagegen sehr wirksam gegen unnötige Verdunstung. Da der Wurzelkörper relativ klein gehalten, aber hohe Leistung verlangt wird, sollte der Nährstoffversorgung Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Blütenfrost kann nicht nur die Ernte, sondern auch den Erfolg zum schwach wachsenden Baum kosten. In ertragslosen Jahren wachsen Bäume meist sehr stark. Soweit möglich ist der Boden in gefährdeten Nächten gut feucht zu halten.

Im Sortiment eignen sich die Zwetschgen mit mäßigem Wachstum am besten. Starkwachsende Sorten, wie zum Beispiel die "Hauszwetschgen"- Gruppe oder die "Bühler" mit Abkömmlingen, lassen sich zwar auch bezwingen, doch es gehört eben etwas mehr Geschick oder Erfahrung dazu. Bei Sorten, die keine aus geprägte Stamm ver längerung bilden("Ortenauer"), muss man den Behang, der die Spitze herunterzieht, ausdünnen oder entfernen.

nach obenAugen offen halten

Jetzt im Sommer hat man die Gelegenheit, bei Spaziergängen oder Besichtigungen einmal auf moderne Zwetschgenbäume zu achten. Vielleicht motivieren moderne Bauformen zu einem neuen Anfang mit modernen Sorten.

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Schlagworte dieser Seite:

Anzucht, Schnitt, Trockenheit, Wachstum, Zwetschge

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